sich Licht . Und zugleich war es ihm , als suchte im Korridor Jemand den Schlüssel , der zu den Einlässen führte , und erprobte bald diesen , bald jenen . Brachte Dankmar die Dunkelheit , die auf dem Korridor eingetreten sein mußte , mit dieser unsichern Kenntniß der Örtlichkeit in Verbindung , so mußte die Ahnung gerechtfertigt erscheinen , die ihn plötzlich überfiel , ob nicht irgend eine böse Absicht sich ihm nähere , irgend ein ungesetzlicher Befehl oder wohl gar - sein Blick fiel in diesem Moment auf ein Portefeuille , in dem er eine ihm neuerdings zugestandene Summe von mindestens mehreren hundert Thalern aufbewahrt hielt . Wenn es unter dem Schutze der Gesetze , unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit auf diesen Besitz wäre abgesehen gewesen ? Sein Verdacht verließ ihn , als er in der That die Vorplatzthür geöffnet hörte und in der tiefen nächtlichen Stille das Knirschen des Sandes unter dem Fußtritte eines sich Nähernden unterscheiden konnte . Jetzt glaubte er auf ' s Neue an einen Irrthum in der Zeit und sah auf seine Uhr . Aber sie zeigte Eins . Er hielt die Uhr gegen das Ohr , sie ging . Es war Eins in der Nacht . Man holt dich , um dich in irgend ein anderes Gefängniß abzuführen ; diese Zelle bietet nicht Sicherheit genug oder man hat sie einem Andern bestimmt , da man glaubt , daß ich nun erst recht nicht entweiche ohne das Erbe ... Aber diese mit Beklommenheit angestellten und von der Vorstellung , es wäre wohl ein Traum , was er erlebe , unterbrochenen Vermuthungen steigerten sich zur fieberhaftesten Unruhe , als wiederum jetzt an der zweiten Thür mit Vorsicht ein Schlüssel nach dem andern erprobt wurde wie aus einem großen Vorrathe von Schlüsseln . Das war der Gefangenwärter nicht ! Dieser konnte selbst in nächtlicher Verschlafenheit nicht unsicher sein in der Wahl des rechten Schlüssels . Und da diese Versuche nicht endeten , eine stille , fast geisterhafte Hand an dem Schlüsselloche immer mit neuen Schlüsselbärten kratzte und wenn sie eingingen , vergebens an den Federn drückte , so konnte er entweder nur an Befreiung oder an einen bösen Überfall denken . Was sollte er thun ? War es ein Befreier , wie konnte Dankmar da in der Besorgniß eines Überfalls rufen , das Werk fremden Muthes , vielleicht einen Auftrag des Bundes zerstören ! Und doch sammelte die Brust von dem stockenden Athem so viel Spannung , daß ein Schrei nach der Öffnung des Fensters zu , ein donnerndes : Wer da ! schon auf seinen Lippen schwebte . Dankmar wagte ihn nicht aus Befangenheit . Er konnte nicht an ein Verbrechen glauben . Der Gedanke der Befreiung erfüllte ihn plötzlich mit einem so aufwallenden Lebensmuthe , daß er sich wohl für den Fall des Irrthums vorzusehen beschloß , sich aber auch auf den Empfang jedes bessern Besuches von Herzen rüstete . Das Licht stellte er entfernt , um es vor dem Auslöschen zu schützen . Er ergriff den hölzernen Schemel , auf dem er saß , steckte das Portefeuille in seine Brust und wandte sich eben zur Vertheidigung gerüstet gegen das unheimliche Walten der Thür , als diese aufsprang und im fahlen Dämmerlichte ein Mensch vor Dankmar stand , den in diesem Augenblicke wiederzusehen ihm das Haar emporsträuben mußte . Es war Friedrich Zeck ' s Sohn . Hackert ! rief Dankmar , und hob den Schemel , um diesen unerwarteten Gast beim ersten Schritte vorwärts niederzuschlagen . Hackert hob die Hand abwehrend und zum Stillschweigen bedeutend ; mit der Linken streckte er einen gewaltigen Schlüsselbund dem möglichen Angriff entgegen . Es war in der That Hackert mit offnen Augenlidern , nicht träumend , wie Dankmar , in Erinnerung an den Heidekrug , im ersten Augenblick glauben konnte . Sein zweiter Gedanke war eine Bestätigung seiner Befürchtung , die er in den halblaut ausgestoßenen Worten aussprach : Was wollen Sie ? Aber schon hatte Hackert die Finger an die Lippen gelegt und so entschieden die Gebehrde des Schweigens gemacht , daß Dankmar keinen Zusammenhang begreifen konnte , seine Waffe senkte und nur im Rücken das Licht zu schützen suchte ... Hackert winkte ... Dankmar sah nur den Überfall , nur die böse Absicht , nur den Angriff auf sein Geld , er ahnte einen Hinterhalt und blieb stehen . Hackert winkte dringender und zog sich fast in das dunkle Vorzimmer zurück ... Dankmar wollte ihm nicht folgen . Spitzbube ! flüsterte er , soll ich schreien ? Dich an den Galgen bringen ? Hackert verzog seine blassen Gesichtszüge zu einem bittern Lachen . Er hätte mit jener Sprache reden mögen , in der er sich Schmelzingen zu verstehen gab , als er schon einmal diesem Ungläubigen einen Liebesdienst erwies . Er konnte nur winken , nur die Zeichen der dringendsten Eile machen ... Dankmar sah die geöffneten Thüren , aber das Dunkel schreckte ihn . Hackert wird sich wie eine Katze auf dich werfen ! Was sollst du thun ? Die Posten scheinen verändert . Auf dem Korridor ist Alles still . Dennoch , wie von der magnetischen Kraft der Situation überwältigt , hätt ' er sich jetzt entschlossen , vorzugehen , wenn ihm nicht , da sein Auge sich inzwischen an die Dunkelheit schon gewöhnt hatte , plötzlich auf fünf Schritte von Hackert im Korridor entfernt eine hohe , stämmige Riesengestalt , verwachsen und doch wie ein Hüne anzuschauen , aufgefallen wäre . Nun stand in ihm fest , daß Hackert im Bunde mit Helfershelfern ihn überfiel und nichts hielt ihn ab , ihm jetzt zuzurufen : Denkst du , Bösewicht , daß ich so leicht wie Pferde zu morden bin ? ... Aber weiter konnte er nicht reden . Hackert sprang auf ihn zu , zeigte , um Dankmar ' s Aufmerksamkeit abzuwenden , auf die Fensterrundung in der obern Mauer und sprach mit heisrer , nachdrucksvoller Stimme : Soll ich wieder hundert Thalerscheine auf ' s Pflaster werfen ? Kommen Sie