zu entsetzlich . . . flüsterte sie Lisbeth Wendhagen zu — die arme Agathe beschuldigte sich , Dinge gethan zu haben — vor dem Doktor und den Krankenwärterinnen — es war ja ganz unsinnig — kein Wort davon wahr ! Sie hatte ja nicht die kleinste Backfischliebschaft gehabt . . . . Und sie nannte sich mit Namen — brauchte Ausdrücke , als ob ein böser Geist aus ihr redete . Eugenie begriff es nicht , wo sie die abscheulichen Worte nur gehört haben konnte . — Jener Frühlingsabend unter dem alten Taxusbaum , wo sie der kleinen Spielgefährtin die von den Cigarrenarbeitern und Dienstboten erlauschten , unreinen Geheimnisse ins Ohr geflüstert — den hatte Frau Lieutenant Heidling längst vergessen . Mit Bädern und Schlafmitteln , mit Elektricität und Massage , Hypnose und Suggestion brachte man Agathe im Laufe von zwei Jahren in einen Zustand , in dem sie aus der Abgeschiedenheit mehrerer Sanatorien wieder unter der menschlichen Gesellschaft erscheinen konnte , ohne unliebsames Aufsehen zu erregen . Sie wohnt bei ihrem Vater und hat soviel damit zu thun , die Vorschriften , welche die Ärzte ihr mitgegeben haben , getreulich zu befolgen , daß ihre Tage und ihre Gedanken so ziemlich ausgefüllt sind . Regelmäßig um drei Uhr sieht man sie neben ihrem Vater spazieren gehen , einfach und gut gekleidet — von weitem kann man sie immer noch für ein junges Mädchen halten . Weil die Ärzte dem Regierungsrat gesagt haben , seine Tochter brauche nur ein wenig geistige Anregung , erzählt er ihr , was er des Morgens in der Zeitung gelesen habe . Nach dem Kaffee begiebt sich Papa ins Lesemuseum , abends spielt er Whist mit ein paar alten Herren , und Agathe legt Patience . So leben sie still nebeneinander hin — voller Rücksichten und innerlich sich fremd . Agathes Gedächtnis hat gelitten — in ihrer Vergangenheit sind Abschnitte , auf welche sie sich nicht mehr besinnen kann . Einem längeren Gespräch zu folgen , ist ihr nicht möglich . Sie hat sich eine Sammlung von Häkelmustern angelegt und freut sich , wenn sie ein neues hinzufügen kann . Die Zukunft macht ihr keine Sorge mehr . Sie begreift auch nicht , daß so vieles sie früher aufregen konnte — jetzt läßt alles , was nicht ihre Gesundheit betrifft , sie ganz gleichgültig . Sie seufzt oft und ist traurig — zumal wenn die Sonne hell scheint und die Blumen blühen , wenn sie Musik hört oder Kinder spielen sieht . Aber sie wüßte kaum noch zu sagen , warum . . . Walter und Eugenie bemühen sich , eine Stelle für sie in dem neugegründeten Frauenheim zu erlangen . Denn , sollte Papa einmal abgerufen werden . . . . ins Haus nehmen kann man sie doch nicht gut , zu den Kindern — ein Mädchen , das in einer Nervenheilanstalt war . . . . Und Agathe hat vielleicht ein langes Leben vor sich — sie ist noch nicht vierzig Jahre alt .