Achseln und zeigte hinüber nach der geschlossenen Thür des Arbeitszimmers . „ Sie wissen ja , Signor , daß wir nicht stören dürfen ; Signor Rinaldo hat sich eingeschlossen . “ „ Schon seit heute Morgen , “ murmelte der Capitain . „ Das fängt nachgerade an beängstigend zu werden . Ich muß durchaus wissen , was da vorgefallen ist . “ Er ging an die Thür des Arbeitszimmers und pochte in einer Weise , die nicht überhört werden konnte . „ Reinhold , öffne ! Ich bin es . “ Von drinnen erfolgte keine Antwort . „ Reinhold , ich habe heute bereits zweimal vergebens Einlaß bei Dir verlangt . Wenn Du jetzt nicht öffnest , so nehme ich an , daß ein Unglück geschehen ist , und sprenge in der nächsten Minute die Thür . “ Diese Drohung schien endlich zu fruchten ; man hörte Schritte drinnen im Zimmer . Der Riegel wurde zurückgeschoben , und Reinhold stand vor dem rasch eintretenden Bruder und sagte ungeduldig : „ Wozu die Störung ? Kann ich denn nie allein sein ? “ „ Nie ? “ fragte Hugo vorwurfsvoll . „ Seit heute Morgen bist Du unzugänglich für Jeden , sogar für mich , und Dein Gesicht zeigt , daß Du jetzt eher alles Andere ertragen kannst als das Alleinsein . Diese unglückliche Soirée gestern ! Der Himmel weiß , was da mit Euch Allen vorgegangen ist ! Ella war auf einmal aus dem Saale verschwunden , und ich bin überzeugt , Ihr habt Euch gesprochen . Marchese Tortoni , der gleichfalls unsichtbar wurde , kommt mit einer Miene zurück , als habe er soeben sein Todesurtheil vernommen , und verläßt in der nächsten Minute die Gesellschaft . Dich finde ich in der Galerie in einer Aufregung ohne Gleichen , und Donna Beatrice sieht aus wie das jüngste Gericht , als sie in den Wagen steigt . Ich wette darauf , sie allein hat wieder das ganze Unheil angestiftet . Was hast Du mit ihr ? “ Reinhold verschränkte die Arme und sah finster zu Boden . „ Jetzt nichts mehr – wir sind zu Ende . “ Der Capitain trat in jähem Erstaunen zurück . „ Was soll das heißen ? Du begleitetest sie ja . “ „ Gewiß ! Sie wußte das zu ertrotzen , und da kam es denn endlich zur Entscheidung zwischen uns . “ „ Du hast mit ihr gebrochen ? “ fragte Hugo . „ Ich – nein , “ versetzte Reinhold mit einem bitteren Ausdruck . „ Es war mir ja deutlich genug gesagt worden , daß ich keine ‚ Zweite ‘ opfern dürfe . Beatrice war es , die den Bruch gewaltsam herbeiführte . Warum mußte sie mich auch zu einer Unterredung zwingen , so unmittelbar nachdem mir klar geworden war , was ich um ihretwillen verloren habe . Sie stellte mich zur Rede über mein Denken und Fühlen , und ich gab ihr die Wahrheit , die sie verlangte – schonungslos vielleicht , aber wenn ich grausam war , so hat sie mich zehnfach dazu herausgefordert . “ „ Ich kann es mir denken , wie ich die Biancona kenne , “ sagte Hugo halblaut . „ Wie Du sie kennst ? “ wiederholte sein Bruder . „ Glaube das nicht ! Habe ich selbst sie doch erst gestern Abend ganz kennen gelernt . Es war eine Scene – ich sage Dir , Hugo , auch Du mit all Deiner Energie wärest ihr nicht gewachsen gewesen . Man muß selbst etwas vom Dämon in sich haben , um solch einem Weibe Stand zu halten . Die Stunde drückte das Siegel auf unsere Trennung . “ Es bebte ein dumpfer Groll in den Worten , aber ein Aufathmen , eine Erleichterung verriethen sie nicht . Der Capitain schüttelte den Kopf . „ Ich fürchte , die Geschichte ist damit noch keineswegs zu Ende . Diese Beatrice ist keine Frau , die sich in ohnmächtigen Thränen verzehrt . Sei auf Deiner Hut , Reinhold ! “ „ Sie drohte mir mit ihrer ganzen Rache , “ sagte Reinhold finster . „ Und wie ich sie kenne , wird sie das halten . Mag sie doch ! Ich zittere nicht vor dem , was ich selbst heraufbeschwor – mit dem Glücke habe ich ja ohnehin abgeschlossen . “ „ Und wenn jene Trennung unwiderruflich bleibt , glaubst Du nicht an die Möglichkeit einer Versöhnung mit Ella ? “ fragte der Capitain ernst . „ Nein , Hugo , das ist vorbei . Ich weiß , daß sie nicht vergessen kann . In ihrem Herzen spricht auch nicht eine Stimme mehr für mich , wenn sie überhaupt je gesprochen hat . Die Kluft zwischen uns ist zu weit und zu tief ; es führt keine Brücke mehr hinüber . Ich habe die letzte Hoffnung aufgegeben . “ Das Gespräch der beiden Brüder wurde in diesem Augenblicke durch Jonas unterbrochen , der rasch eintrat . Reinhold sah unwillig auf , als der Diener seines Bruders sich erlaubte , sein Arbeitszimmer so ohne Weiteres zu betreten , und Hugo hatte bereits einen Verweis auf den Lippen , als ein Blick auf das Gesicht des Matrosen ihn innehalten ließ . „ Was giebt es , Jonas ? “ fragte er unruhig . „ Bringst Du irgend etwas Besonderes ? “ „ Herr Capitain ! “ – die Stimme des Matrosen hatte ganz und gar ihren sonstigen ruhigen Klang verloren ; sie zitterte hörbar – „ Ich komme eben aus dem Erlau ’ schen Hause – Sie wissen ja , daß ich jetzt oft dahin gehe – der alte Herr ist außer sich ; die ganze Dienerschaft ist auf den Beinen – die Annunziata weint sich die Augen aus , obgleich sie doch wahrhaftig keine Schuld hat – und die junge Frau Erlau nun erst – “ „ Was ist geschehen ? “ fuhr Reinhold in ahnender Angst empor . „ Ein Unglück ? “ „ Das Kind ist