zuzusenden , da er es morgen einzureichen beabsichtigt . “ „ Nun denn , so werde ich es Dir heute Abend noch mit meiner Unterschrift bringen . Nur in diesem Augenblicke nicht ; ich kann es nicht . “ Der Ton der jungen Frau war seltsam gepreßt , beinahe angstvoll . Ihr Vater schüttelte etwas unwillig das Haupt . „ Das ist eine seltsame Laune , Eugenie , die ich nicht begreife . Warum willst Du diesen einfachen Federzug nicht gleich jetzt in meiner Gegenwart thun ? Indessen , wenn Du darauf bestehst – ich rechne darauf , daß Du mir heute Abend beim Thee das Blatt zurückgiebst ; es ist dann noch Zeit genug , es fortzusenden . “ Er bemerkte nicht das tiefe , erleichternde Aufathmen seiner Tochter bei den letzten Worten , sondern trat an den Erker und blickte gleichfalls hinunter auf die Straße . „ Wird Curt nicht zu mir kommen ? “ fragte Eugenie nach einer augenblicklichen Pause . „ Ich habe ihn nur erst heute Mittag bei Tische gesehen . “ „ Er wird noch müde sein von seiner Reise und wohl etwas ausgeruht haben . – Ah , da bist Du ja , Curt , soeben sprechen wir von Dir . “ Der junge Baron , der in diesem Augenblicke eintrat , mußte wohl darauf gerechnet haben , die Schwester allein zu finden , denn er sagte mit offenbarer und nicht ganz angenehmer Ueberraschung : „ Du hier , Papa ? Ich hörte doch , Du hättest drüben in der Bibliothek eine Conferenz mit unserem Rechtsanwalte . “ „ Wir sind bereits zu Ende , wie Du siehst . “ Curt schien der besagten Conferenz fast eine längere Dauer gewünscht zu haben , indeß er erwiderte nichts , sondern ging zu seiner Schwester und nahm vertraulich an ihrer Seite Platz . Er war in der That erst heute Mittag aus der Provinz eingetroffen ; ein eigenthümlicher , dem Baron im höchsten Grade fataler Zufall hatte es gewollt , daß das Regiment , bei welchem sein ältester Sohn stand , gerade jetzt in die Stadt verlegt wurde , die den Berkow ’ schen Besitzungen zunächst lag , gerade jetzt , wo man alle Beziehungen dort abgebrochen hatte ! Von einem längeren Urlaube des jungen Officiers konnte nicht die Rede sein , da die soeben ausbrechende Bewegung der Arbeiter in dortiger Gegend die ganze Provinz in Aufregung versetzte . Es standen Unruhen und demzufolge das Einschreiten des Militärs zu erwarten – da konnte sich Curt dem Dienste nicht entziehen . Er reiste also ab , mit der gemessenen Weisung des Vaters , in seiner neuen Garnison , wo man natürlich Berkow sehr genau kannte , die bevorstehende Scheidung für jetzt noch zu verschweigen . Der Baron hielt an der Taktik fest , der Welt erst die Thatsache gegenüberzustellen , und im Uebrigen hegte er die stillschweigende Voraussetzung , daß sein Sohn jede persönliche Berührung mit dem einstigen Verwandten möglichst vermeiden werde . [ 269 ] Die Voraussetzung schien auch einzutreffen , wenigstens wurde Arthur ’ s Name in den Briefen nie genannt und die Verhältnisse auf seinen Besitzungen nur sehr beiläufig erwähnt , bis Curt in einer dienstlichen Angelegenheit nach der Residenz beordert wurde . Während der wenigen Stunden seines Hierseins hatte man sich nicht aussprechen können . Bei Tische hatte die Gegenwart einiger Gäste der Familie Zwang auferlegt ; jetzt aber , wo durch die geforderte Unterschrift Eugeniens der sonst streng vermiedene Punkt einmal berührt war , erkundigte sich der Baron auch mit jener Gleichgültigkeit , mit der man nach dem Ergehen eines sehr entfernten Bekannten fragt , wie es denn eigentlich auf den Berkow ’ schen Gütern stände . „ Schlimm , Papa , sehr schlimm ! “ sagte Curt , indem er sich dem Vater zuwandte , ohne jedoch seinen Platz neben der Schwester aufzugeben . „ Arthur wehrt sich wie ein Mann gegen das Unglück , das von allen Seiten auf ihn einstürmt , aber ich fürchte , er wird ihm doch zuletzt unterliegen . Er hat es zehnfach schlimmer als seine Collegen auf den übrigen Werken ; all ’ die Sünden , die sein Vater mit einer zwanzigjährigen Tyrannei und Ausbeutung , mit den unsinnigsten Speculationen der letzten Zeit aufgehäuft hat , muß er jetzt büßen . Ich begreife nicht , wie er sich in dem Kampfe noch überhaupt aufrecht erhält . Ein Anderer wäre längst unterlegen . “ „ Wenn die Bewegung ihm über den Kopf wächst , so wundert es mich , daß er noch nicht militärische Hülfe in Anspruch genommen hat , “ meinte der Baron ziemlich kühl . „ Das ist ’ s ja eben , daß er in dem Punkte keine Vernunft annehmen will ! Ich “ – hier brach die ganze aristokratische Rücksichtslosigkeit des jungen Erben von Windeg durch – „ ich hätte längst unter die Kerle schießen lassen und mir mit Gewalt Ruhe geschafft ! Anlaß dazu haben sie ihm wahrhaftig genug gegeben , und wenn ihr Rädelsführer so weiter hetzt , wie er es jetzt Tag für Tag thut , so werden sie ihm noch nächstens das Haus über dem Kopfe anzünden – aber das hilft Alles nichts . ‚ Nein und abermals nein ‘ , und ‚ so lange ich mich noch allein wehren kann , setzt kein Fremder den Fuß auf meine Werke ! ‘ Da helfen weder Bitten noch Vorstellungen . Und , offen gestanden , Papa , man sieht es im Regimente sehr gern , wenn unsere Hülfe nicht verlangt wird , wir haben sie nur zu oft leisten müssen in den letzten Wochen . Auf den anderen Werken war es nicht halb so schlimm wie auf den Berkow ’ schen , und doch hatten die Herren nichts Eiligeres zu thun , als nach Schutz und Soldaten zu rufen und sich mit ihren eigenen Leuten auf den Kriegsfuß zu stellen . Es sind da häßliche Scenen vorgekommen , und wir fahren am schlimmsten dabei . Mit Härte vorgehen