du das kannst im Angesicht meines letzten Lagers , so will ich dir glauben , daß meine eigenen Augen falsch gesehen haben ! « Klaudine stand wie leblos . Ihre Lippen bewegten sich , aber es kam kein Ton heraus , und plötzlich neigte sie den Kopf wie vernichtet . Die Herzogin sank in die Kissen zurück . » Den Mut hast du doch nicht ! « murmelte sie . » Elisabeth « , rief Klaudine jetzt , » glaube mir ! Glaube mir ! Mein Gott , was soll ich nur tun , daß du mir noch einmal glaubst ! Ich wiederhole es dir , du bist im Irrtum – « » Sei still « , sagte die Herzogin mit verächtlichem Lächeln . Seine Hoheit war eingetreten . » Wie geht es dir , Liesel ? « fragte er herzlich und beugte sich über sie , indem er ihr das feuchte Haar aus der Stirn zu streichen versuchte . » Fasse mich nicht an ! « stieß sie hervor , und ihre Augen wurden angstvoll groß . » Es ist ja bald vorbei « , flüsterte sie dann . Klaudine lehnte fassungslos an der Tür . Der Herzog trat zu ihr und fragte leise und besorgt : » Phantasiert Ihre Hoheit ? « Klaudine , der Verzweiflung die Brust zu zersprengen drohte , preßte den schluchzenden Schrei , der sich ihr entringen wollte , mit dem Tuch zurück und wankte in das Nebenzimmer . Er folgte ihr ängstlich . » Was ist geschehen ? « Die Augen der Kranken richteten sich auf die Tür , durch welche jene beiden verschwunden waren . Der ganze furchtbare , gewaltsam zurückgedrängte Schmerz durchrüttelte sie und verwirrte ihre armen Gedanken . Sie lag mit geballten Fäusten und glühenden Augen . Wie , nicht einmal der Sterbenden wollte sie bekennen ? Und sie hatte es so gut gemeint , sie wollte in ihrem letzten Willen bestimmen , daß sie sich angehören sollten , die beiden , für das Leben . Das sollte die Rache sein für ihr gebrochenes Glück . Und sie , sie – welch ein Abgrund von Schlechtigkeit mußte dieses Geschöpf in sich bergen , das auch jetzt noch den Himmel anrief als Zeugen seiner Unschuld ! Eine wahnsinnige , erstickende Angst legte sich auf ihre schmerzende Brust . Ihr Gemahl kam eben wieder herein , er trat an das Fußende des Bettes und blickte sie seltsam forschend an . Klaudine , die sich gewaltsam gefaßt hatte , trug ein Glas in der Hand . » Trinke , Elisabeth « , bat sie , während sie sich niederbeugte und ihren Arm unter den Kopf der Kranken schob . » Trinke , dir ist so heiß . Es sind die Tropfen , die dir immer so gut bekommen . « Bewegungslos lag die Herzogin , mit fest zusammengepreßten Lippen . Ihre großen Augen hingen mit unheimlicher Starrheit an dem blassen Gesicht des Mädchens und wanderten zu ihrem Gatten hinüber . Das Glas in Klaudines Hand begann zu zittern . » Oh , trinke doch ! « bat sie mit versagender Stimme . Dann ein schriller Aufschrei , und das Glas ward aus Klaudines Hand geschleudert . » Gift ! « schrie die Herzogin gellend und richtete sich im Bette hoch mit dem Ausdruck einer Wahnwitzigen , die Hände verzweiflungsvoll ausgestreckt . » Gift ! Hilfe ! Geht es euch denn noch nicht schnell genug ? « Dann sank sie erschöpft zurück und ein erneuter Blutstrahl überschwemmte das weiße Gewand und das Bett . Klaudine , die in die Knie gesunken war , sprang empor . Auch sie sah aus wie eine Irrsinnige . Mit übermenschlicher Kraft nahm sie sich zusammen , ging zur Glocke und half dann die Kranke emporrichten und an die Brust des Herzogs lehnen , in dessen bleichem Gesicht eine tiefe Erschütterung sich ausprägte . » Liesel « , murmelte er , » aber Liesel – großer Gott ! « Sie lag mit geschlossenen Augen wie eine Sterbende . Und nun ward es lebendig im Zimmer . Mit besorgter Miene stand der alte Medizinalrat vor der Patientin , dann sah er nach der Uhr , fühlte den matten Pulsschlag und schüttelte den Kopf . » Um neun Uhr kann er hier sein , Hoheit « , flüsterte er der weinenden Herzoginmutter zu , » doch bis dahin nur Ruhe , Ruhe , keine Angst zeigen . Es ist am besten , Hoheit bleiben in der gewohnten Umgebung . Ich werde mich einstweilen im Nebenzimmer aufhalten . » Klaudine ! « flüsterte die Kranke , » Klaudine ! « Die Herzoginmutter sah sich nach der Gerufenen um . Sie war verschwunden . In ihrer Angst ging die alte Dame auf den Korridor hinaus und fragte nach dem Zimmer des Fräuleins von Gerold . Aber die Tür war verschlossen und drinnen regte sich nichts . Klaudine war in ihrer Stube zusammengebrochen . Einen klaren Gedanken hatte sie nicht mehr . Dahin war es gekommen , dahin ! Die Welt hielt sie für eine Gesunkene , für die Geliebte des Herzogs , sein eigenes Weib starb in diesem Wahne ! Oh , diese törichte Vermessenheit ihres wahnsinnigen Stolzes ! Und wenn sie die Sterne vom Himmel herunterholen könnte als Zeugen ihrer Reinheit , niemand würde ihr glauben , niemand , die Sterbende nicht und die Lebenden nicht , und jener eine nicht , den sie zurückstieß , als er sie warnte ! Gott allein wußte es , aber Gott tut keine Wunder mehr . Verloren ! Verloren ! Der Schandfleck ihrer Familie war sie geworden , das ganze Land würde mit Fingern auf sie weisen : » Seht , seht , das ist die , um derentwillen unserer armen Fürstin das Herz brach ! « Wer sollte sie retten ? Der Herzog ? Er konnte nicht für sie in die Schranken treten , sie hätten alle getan , als ob sie ihm glaubten , und hätten gelacht hinterher . Wenn sie sterben könnte