, wo er einen Platz sich erst suchen mußte , der seinen Neigungen entsprach , aber auch seinen Kräften , seinem Können . Es ist heutzutage wahrhaftig nicht leicht , etwas zu finden , und er hatte ja auch in diesem erzwungenen Müßiggang die Kräfte erlahmen lassen . Das Kind würde nie gesunden , aber Doktor May hatte noch bei seinem letzten Besuche gestern gesagt , er habe eine Rassekonstitution , der Kleine , er werde leben bleiben , und vielleicht , wenn die chronische Entzündung vorüber , könne man es versuchen ihn das Gehen an Krücken zu lehren . Und dann hatte er Heinz auf die Schulter geklopft und hinzugefügt . „ Er kann Ihnen auch so Freude und Ehre machen , er hat Kopf , er denkt . – Man muß immer auf Ueberraschungen gefaßt sein im Leben . Hätt ’ ’ s auch nicht geglaubt von meiner Aenne , daß sie ’ mal – na – – guten Morgen Herr von Kerkow ! “ Heute lag der gute alte Mann dort unten starr und kalt ! – Und Aenne kam nach Hause , an sein Totenbett , Aenne , die es zu etwas gebracht hatte im Leben . Heinz aber las , seitdem ihr Name in den Blättern genannt wurde , nie mehr die Rubrik „ Kunst und Wissenschaft “ in der Zeitung . Dies junge zarte Mädchen hatte ihn beschämt , aus eigner Kraft hatte sie sich losgerissen von einem Mann , den sie nicht liebte , hatte sich trotzig auf ihre kleinen Füße gestellt mit einer Sicherheit , die staunenswert war . Ebenso arm und aussichtslos wie er , hatte sie es gewagt , den Kampf mit dem Leben aufzunehmen und – hatte gesiegt er war tot lebendig tot ! Und dazu bemächtigte sich seiner in dieser Einsamkeit zu zweien – er und das kranke Kind – eine unheimliche Angst . Er dachte beständig an die Schwester im Irrenhause , und dann kamen Stunden , furchtbare Stunden , die er mit sich allein durchkämpfte , denn Hedwig mochte er nicht ängstigen durch den Gedanken , daß auch er – ? Das Mädchen that ihm so leid , aber er verstand sie nicht mehr , und sie nicht ihn Sie war womöglich noch niedergedrückter als er . Im Anfange hatte sie noch versucht , ihn zu ermuntern , hatte dies und jenes ihm vorgeschlagen . Ohne es zu wissen , bereitete sie ihm damit nur eine unerträgliche Pein . So knüpfte sie einmal ihre Ratschläge an seine dichterischen Neigungen , denen er sich bereits als Kadett hingegeben hatte . Ob er die Verse noch habe , die er zuweilen heimgeschickt , fragte sie ihn . Sie bewahre mehrere davon auf , ob sie es einmal an ein litterarisches Blatt senden dürfe ? Sie sei überzeugt , es werde reüssieren . Er hatte darauf gelacht wie toll , so toll , daß ihm die Thränen in die Augen getreten waren , hatte sie auf die Schulter geklopft und gesagt . „ Guter Kerl , gieb dir keine Mühe ! “ „ Wenn du die Verse gleich illustriertest , “ war ihre schüchterne Einwendung gewesen . „ Weiter nichts ? Na , laß nur gut sein , mir thut der Kopf ’ weh vom Lachen ! “ Und er sah sie an mit einem Blick , in dem so viel Schmerz und Pein lag , daß sie erschrocken schwieg . Ach , diese Oede ! Diese Wüste , die vor ihm lag , vor ihm , dem Schloßhauptmann von Kerkow ! Wenn endlich die Zeit um sein würde und seine Kräfte verbraucht , dann pensionierte man ihn wahrscheinlich mit dreihundert Thalern . – Das einzige , was ihn noch retten könnte , war ein Krieg , aber trotz all dem Revanchegeschrei von drüben und aller sonstigen drohenden Anzeichen – es blieb Friede . Gott sei Dank , mochte er bleiben ! Um einer verpfuschten Existenz aufzuhelfen , dazu waren doch schließlich die Kriege nicht da ! Und dann das Kind , und wieder das Kind ! Hede besaß solch ’ komische Art , mit dem kleinen Menschen umzugehen , der die ganze verbitterte , gleichgültig ironische Art des Vaters angenommen hatte , sie wollte ihn behandeln wie die pausbackigen Oberförsterkinder , die noch an Märchen glaubten . Heini liebte die Märchen nicht , „ denn ich weiß besser , daß es keine Zauberer giebt , es geht alles natürlich zu , “ erklärte das fünfjährige Kind . „ Es giebt auch keine guten Feen , denn wenn ’ s solche gäbe , hätte Papa eine zu mir geschickt , die mich gesund machen könnte . Er wollte von Tante Hede „ wirkliche Geschichten “ , und die Qualen , die der Dauphin von Frankreich erlitten , konnte er immer wieder hören . „ Seinen Papa hat man geköpft , “ sagte er , „ ich habe meinen Papa , der kleine Ludwig war viel schlimmer dran als ich , Tante Hede , und war doch ein Prinz ! “ Die Tante , die aus der gesunden Kinderstube des Oberförsters kam , fror es in dieser Atmosphäre von Krankheit , Resignation und Altklugheit . Und doch , das Kind hatte so rührende Züge ! Um seinen Vater nicht zu stören , konnte es stundenlang Schmerzen erleiden , ohne zu klagen , konnte ein Uebelbefinden geradezu verheimlichen . Seitdem Heinz Kerkow von seiner Frau verlassen war und sich gewöhnt hatte , stundenlang in dumpfem Brüten zu verharren , eine Cigarre nach der anderen dabei rauchend , hatte das Kind eine zärtliche Rücksicht für ihn , so , als sei der große Mann der Kranke , der gepflegt und geschont werden müßte . Warum hast du die Dame nicht abgeholt , Papa ? “ fragte er jetzt plötzlich , „ und was ist denn das für eine traurige Mitteilung , die du ihr nicht machen willst ? “ Heinz kam zu seinem Sohn herüber und faßte dessen Hand . „ Mein