. Ich dachte auch an Dich , Gretel , daß Du nie solch einen weichlichen Luxus beansprucht haben würdest . Deine hohe , schlanke , keusche Gestalt mit dem flechtengeschmückten Kopfe , sie wäre mir hier in dieser üppigen Umgebung sonderbar erschienen . Nein , hier gehörte eben nur solch eine zierliche Fee hinein , wie sie es war . Jenes Gespräch kam mir wieder in den Sinn , in welchem ich davon schwärmte , wie reizend es sein müßte , wenn mir nach der Heimkehr vom Dienst mein nettes , reizendes Frauchen eine Tasse Kaffee an das Sofa brächte . Ich habe mich müde hingestreckt , und sie sieht mich dann freundlich an mit ihren süßen , blauen Augen . – Ich mußte bitter lachen . Ich hatte ja eine ganze Menge Diener im Hause ! Ach nein , Gretchen , das kam nicht vor , ein solch idyllisches Leben liebte Madame nicht . Unser Haushalt war auf größtem Fuße eingerichtet . Wenn ich morgens um fünf Uhr aufstand und zum Exerzieren ging , servierte mir ein Diener in untadeligen Gamaschen und gleicher Krawatte einen vorzüglichen Kaffee . Wenn ich bestaubt und müde zurückkehrte , empfing mich niemand als der Untadelige . Ich zog mich um und durfte dann in aller Form meiner jungen Frau , die im elegantesten Negligé in ihrem Spitzenhimmel auf dem Diwan lag , einen Besuch abstatten . Dann machte Madame Toilette , und die Garnison und die Einwohner des alten G. wurden in Staunen gesetzt durch ebendiese Toilette und die reizende Equipage . Es wurden die Frauen der Kameraden aus der Kinderstube oder vom Nähtisch aufgescheucht , denn Madame machte Besuche . Häufig war sie zur Speisestunde noch lange nicht zu Hause , und ich hatte die Wahl , entweder allein zu essen oder hungrig in den Dienst zu gehen . Manchmal , wenn ich wartete , um das Vergnügen zu haben , mit ihr zu dinieren , wurde mein Hunger so wütend , daß ich beim Brotempfang die Kerle um ihr Kommißbrot beneidete . Wenn ich dann in unser elegantes Speisezimmer trat , wurde mir versalzene Suppe und verkohlter Braten serviert , und Madame war entweder ausgefahren oder ausgegangen , oder wenn das nicht , so bekam ich Vorwürfe über die unpassende Zeit meines Dienstes , als ob ein Leutnant – aber genug davon ! Unser Salon war kaum einen Abend leer von Besuch , die Einladungen wurden verschwenderisch ausgeteilt . Die Kameraden sämtlicher hier garnisonierenden Regimenter , der benachbarten kleinen Garnisonen und die Edelleute der umliegenden Güter waren zahlreich vertreten . Glänzende Diners , Soupers und Bälle wechselten miteinander ab . Ruth strahlte wie eine Königin inmitten ihres Hofstaates , und ich biß die Zähne aufeinander und suchte mit möglichst freundlicher Miene die Gäste zu empfangen , die meine Frau einzuladen für gut befunden hatte . Bergen und Hanna zogen sich bald gänzlich von diesen Festen zurück . Und als Ruch einst auf einem Kasino-Balle in gar zu unmöglicher Toilette erschien , kam Hanna am andern Tage , machte ihrer Schwester ernstliche Vorwürfe über ihr extravagantes Leben und erklärte ihr , daß sie der Gegenstand des allgemeinen Stadtklatsches geworden , daß es nicht begreiflich sei , wie eine Frau sich so zum Brennpunkt der Aufmerksamkeit machen könne . Ruth soll sich halbtot gelacht und gemeint haben , in Wien sei das noch ganz anders gewesen . Hanna ging unverrichteter Sache und fast betrübt wieder fort . Zum Unglück war dies gerade der Tag , an dem auch ich mir vorgenommen hatte , mit meiner Frau ein paar ernstliche Worte zu sprechen ; ich ahnte nicht , daß Hanna bereits dagewesen . Ich sagte Ruth , die ich unmutig und verstimmt in ihrem Boudoir fand , unverhohlen meine Ansichten über unser Leben , über die Summen , die unser Haushalt koste , über die Ungemütlichkeit , die ein solcher fortwährender Trubel mit sich bringe , und bat sie schließlich , wenn sie nicht meinetwegen sich zu einer stilleren Lebensweise entschließen könne , so möge sie es ihrer Person zuliebe tun . Es müßte diese ewige Unruhe endlich nachteilige Folgen für sie haben . Ruth nahm anfangs meine Worte mit eisiger Ruhe auf . Aber dann fing sie an , sich zu verteidigen . Sie geriet in die höchste Aufregung , warf mir vor , daß sie ein jammervolles , elendes Leben in diesem Neste führe , daß es schrecklich sei , einen Mann geheiratet zu haben , der sich mit seiner Person in den Sklavendienst des Königs begeben , und der noch nicht soviel Freiheit genieße , um mit seiner Frau zu einer anständigen Zeit zu Mittag zu essen . Und nun gönne er ihr nicht einmal die elenden Zerstreuungen , die sie sich hier schaffen könne . Gott weiß , was sie noch sagte , bis ich , um den leidenschaftlichen Affekt , in den sie gekommen , und der sich schließlich in konvulsivisches Weinen auflöste , zu beruhigen , mich vollständig in alles ergab . So ging das Leben weiter . Dann folgten ein paar kurze , stille Wochen , und ich schloß meinen kleinen Sohn in die Arme . Ich glaubte anfänglich , mit seinem Erscheinen müßte auch das Herz der Mutter sich in anderen Bahnen zu bewegen lernen ; ich hatte bis dahin die Mutterliebe als den höchsten Impuls des weiblichen Gemütes betrachtet und baute meine schönsten Hoffnungen darauf . Mit einer Wonne ohnegleichen saß ich in meiner nun so stillen Wohnung , und wenn das Schreien des Kindes zu mir drang , dünkte es mich köstlicher als alle Musik , die sonst durch diese Räume geschallt hatte . Aber ich hatte nicht richtig gerechnet . Die Geburt des Kindes schien auf Ruth nur insofern einen Eindruck gemacht zu haben , als sie die Veranlassung wurde , ein möglichst glänzendes Tauffest zu feiern . Während sie noch im Bett lag , schrieb sie eine Menge Bestellungen an Modehändler und Delikateßgeschäfte und plauderte mit nervöser Hast von den Paten ,