vom Leibregiment den Leutnant von Werdeck , eine reckenhafte Figur , mit Hilfe zusammengelegter Gewehre hineingehoben hatten , so trugen auch hier die Füsiliere vom 24. Regiment ihren Hauptmann von Sellin im Triumph in die Schanze . Mancher fiel . Premierleutnant Lommatzsch , an der Spitze seiner Pioniere , erhielt einen tödlichen Schuß , Leutnant von Falkenstein , vom 24. , wurde schwer verwundet , aber schon sechs Minuten nach zehn Uhr war Schanze V in der Front erobert . An dem erbitterten Kampfe , der der Erstürmung der Schanzen auf dem zwischen diesem und dem Sonderburger Brückenkopf gelegenen Terrain folgte , scheint die Brigade Roeder keinen Anteil genommen zu haben . Desto hervorragender war ihre Beteiligung an der Eroberung von Alsen . Die Eroberung von Alsen geschah am 29. Juni 1864 . In der am Tage zuvor in Schloß Gravenstein ausgegebenen Disposition hieß es : » Der Übergang geschieht mittels hundertundsechzig Kähnen und durch den Pontontrain von vier näher zu bezeichnenden Punkten aus . « Unsere Vierundzwanziger hatten innerhalb der Brigade den rechten Flügel . Das I. Bataillon ging in fünfzig Booten vom Südende des Satruper Holzes , das 2. Bataillon in zweiundvierzig Booten von der » Ziegelei « aus über den Alsensund . Ich gebe nachstehend einen Bericht aus den Reihen des 2. Bataillons . » Solange man von Alsen sprechen wird , wird dieser Übergang als ein tollkühnes Unternehmen gelten . Vielleicht barg diese Kühnheit das Geheimnis des Erfolges . Ich , für mein Teil , bei aller Erkenntnis der Gefahren , denen wir entgegen gingen , hatte das vollständigste Gelingen keinen Augenblick bezweifelt . Nun nehmt eine Karte zur Hand , um besser folgen zu können . « Die Disposition für den 29. lautete etwa wie folgt : » Um zwölf Uhr nachts steht alles an den angewiesenen Plätzen . Anzug wie am Sturmtage ; der Mann achtzig Patronen . Schlag zwei Uhr setzt die Brigade Roeder , als Avantgarde , über den Alsensund . Das 1. Bataillon vom 24. Regiment nimmt den rechten Flügel in der Richtung auf Arnkiel , das 2. Bataillon vom 24. nimmt die Mitte , sechs Kompanien vom 64. Regiment nehmen den linken Flügel und steuern auf Arnkiel-Oere . Die ersten Kompanien die das feindliche Ufer erreichen , stürmen die dortigen Schützengräben und Batterien . Wenn dies geschehen , wendet sich das I. Bataillon vom 24. auf das abgebrannte Gehöft Arnkiel , das 2. Bataillon durchstreift die Fohlenkoppel bis zum südlichen Ausgang derselben ; die Vierundsechziger säubern den äußersten linken Flügel an der Augustenburger Föhrde und dringen ebenfalls bis zur Südlisiere der Fohlenkoppel vor . Hier warten Vierundzwanziger und Vierundsechziger weitere Befehle ab . « So das Allgemeine . Nun die Schicksale des 2. Bataillons . Am 28. abends halb zehn Uhr marschierten wir , nach dreimaligem Hoch auf den König , aus der Büffelkoppel . Um eineinhalb Uhr morgens machten wir halt dicht hinter einer am Strande gelegenen Ziegelei . Von hier aus sollten wir übergehen . Die Pioniere und die zu ihrer Hilfeleistung kommandierten Schiffer waren eben damit beschäftigt , die Boote ins Wasser zu bringen . Eine mühevolle und nicht ganz geräuschlose Arbeit . Dennoch blieb am jenseitigen Ufer , welches man auf achthundert Schritt im Dämmer erkennen konnte , alles in geheimnisvoller Stille . Nun , macht euch fertig . Zwei Uhr . Es kam der Befehl zum Einsteigen . Die Leute mußten , da viele unserer Boote nicht hart ans Ufer heranzubringen waren , bis an den Leib ins Wasser . Ein angenehmes Morgenbad . Die Patronen wurden im Brotbeutel um den Hals gebunden . Ungeachtet aller dieser Hindernisse ging das Einsteigen rasch vonstatten . Unserer 6. Kompanie war für diesen Tag ein kurhessischer Offizier , der Oberleutnant von Loßberg , Neffe des General von Canstein , zur Dienstleistung zugeteilt . Drei Minuten nach zwei Uhr schwammen wir auf dem Alsensund . Die 5. Kompanie und ein Teil der 6. hatten die Tete . Unser Boot war unter den vordersten . Wenn wir nach links hin blickten , sah es im Morgendämmer aus , als schwämmen Züge wilder Enten über den Sund . Alles still . Peinlichste Erwartung . Die Ruderer griffen rascher ein . Da mit einemmal brach ein Donnerwetter über unseren Köpfen los . Granaten- , Kartätsch- und Gewehrfeuer begrüßte uns vom anderen Ufer , Fanale brannten auf , und das 1. Bataillon des 60. Regiments , das aufgelöst an der Lisiere des Satruper Holzes stand und von dem Augenblick an , wo wir entdeckt sein würden , durch Schnellfeuer unseren Übergang decken sollte , knatterte jetzt ebenfalls über den Sund hin . Man war von hinten kaum sicherer als von vorn . Trotz aller Gefahr das großartigste Feuerwerk , das ich mein Lebtag gesehen habe . » Hurra , vorwärts , vorwärts ! « Es war zauberhaft . Die Kartätschen plätscherten um einen herum , daß das Wasser hoch aufspritzte . Eine Granate schlug einen Kahn unserer Kompanie in Stücke , eine ganze Wand war weggerissen und im Moment gingen Boot und Mannschaften in die Tiefe . Alles schrie auf und die nächsten Boote wollten retten . Aber » vorwärts ! « donnerte eine Kommandostimme dazwischen . Es stand Größeres auf dem Spiel . Drei ertranken . Andere tüchtige Kerls schwammen glücklich dem Ufer zu . Hut ab vor diesen braven Musketieren . Die 5. Kompanie war die erste am Ufer . Mit Hurra ging es die steile Uferwand hinauf , auf die Schützengräben zu . Was sich wehrte , wurde niedergemacht , andere gefangengenommen . Noch andere wichen auf die Fohlenkoppel und wir hinterdrein . Es war das reine Kesseltreiben . Endlich an der Lisiere hielten wir , um Atem zu schöpfen . Aber fast im selben Moment kam General Roeder zu uns heran und rief uns , rückwärts deutend , zu , erst die Strandbatterie zu nehmen , an der wir in unserem Verfolgungseifer vorbeigestürmt waren , ohne ihrer zu achten . Nun also kehrt ! Wahrhaftig , da krachte es