lagen hinter dem Feuer und lauschten diese Viertelstunde lang mit gespanntem Ohre . Ein Panther , der im Trabe über uns herangekommen sein mochte , sah plötzlich unser Feuer vor sich . Es war noch knapp vor Torschluß , er nahm seinen blindlings angesetzten Sprung zurück , seine Hinterpfoten glitten am Steine aus , wir hörten ihn kratzen und atmen und sahen einen Schweif . Einer der Indianer sprang auf , um ihn mit einem brennenden Scheit zu schlagen . Das verlieh ihm ungeheuere Energie , an einem Minimum von Widerstand und Halt arbeitete er sich , rasend vor Angst , empor . Und Tag auf Tag blieb das gleiche Bild vor uns haften . Die Sonne war ein glühendes Bronzestück , das lanzenweise Hitze verschoß , in grellen Bündeln , in schlohweißen Zacken . Warum standen wir nicht auf und gingen fort , was hatten wir hier zu suchen , was ging vor mit uns ? In Augenblicken tauchte dieser Gedanke in uns auf und wurde ausgesponnen . Was wir hätten unternehmen sollen ? Wir hätten auf der Stelle aufbrechen können , nichts hätte uns daran gehindert ! Aber wir verschlampten unsere Willen , wir nahmen uns nicht mehr ernst , wir fanden unsere Energielosigkeit selbstverständlich . Waren wir krank ? Kalte und warme Schauer liefen mir vom Scheitel bis zu den Zehen . In meinen Pulsen war trotz aller Behäbigkeit Jagen und Unrast . Ich betrachtete die Gefährten . Ihr Blick lag blöde zwischen den halbgeschlossenen Lidern . Und Slim stand auf , untersuchte die Apotheke und holte eine Trockendose hervor . Darauf begannen wir an diesem Tage Chinin zu fressen . Aber das Fieber , das uns gepackt zu haben schien , war nicht der einzige Grund , warum wir nicht vom Flecke kamen . Zana weigerte sich , uns irgendwohin , wo Slim hinwollte , zu führen . Sie hatten Auftritte . Er begann sie zu schlagen . Sie beugte sich demütig und ließ mit undeutbaren , verhäßlichten Mienen alles über sich ergehen . Sie wollte zurück . Slim wollte nicht . Er behauptete , es würde unsere Köpfe kosten . Wir hätten die Schlangen auf Rulc gehetzt . Moki selbst könne uns nicht gegen das Gesetz der Dämonen schützen . So blieben wir denn und warteten ab , ob Zana anderen Sinnes würde . Sie wurde es nicht . Sie lag mit ihrem praktischen Körper zwischen runde Steine wie zwischen Kissen gebettet , klaubte Asche und Abfall mit den Händen rings um sich her auf und warf es hinaus in das Flußbett . Den Hund hetzte sie hinterher . Aber er benahm sich dumm . Er war zu keinem kultivierten Apport erzogen . Mit seinen von der Sonne verdorbenen Augen rannte er an dem Gegenstande vorbei und Zana grinste . Unbestürzt vor der Sonne , die ihn anprallte , sooft er sich im Jagdeifer hinausbegab , flog er hin und her . Wenn er etwas gefunden zu haben glaubte , das man ihm seiner Meinung nach als allegorische Beute zumuten durfte , ohne den Respekt vor seiner Urteilskraft zu verletzen , legte er sich mit seinem schier enthaarten , violetten Bauche auf die heißen Steine und hielt das Ding gemütlich zwischen den Vorderpfoten . Als ich ihn einmal in dieser Lage sah , überkam mich die Sehnsucht , ihm eine Kugel in seinen dummen , glücklichen Bauch zu jagen . Der Revolver lag dicht bei mir . Meine Finger lechzten nach seiner handlichen Form , ein schmackhaftes Vorgefühl bemächtigte sich meiner . Ja ja , ich wollte doch wieder einmal schießen hören , ich wollte einen kleinen Todeskampf mitanschauen , ich wollte endlich wieder einmal ein menschenwürdiges Erlebnis haben . Fiebrig griff ich nach der Waffe und wog sie kennerisch . Das , was nun geschehen würde , kam mir als von ungeheuer differenziertem Geschmacke vor , es schmeichelte mir , daß ich solche Gelüste hatte , es lag eine gewisse , originelle Romantik in der Sache . Zufällig sah ich zu Zana hinüber . Ihre Augen grinsten erwartungsvoll . Dieser Umstand machte mich kalt , er entgeisterte mich . Es war mir unappetitlich , den Genuß zu teilen . Und so würde ich den Hund denn nicht erschießen . Um aber auf meine Rechnung zu kommen , führte ich doch einen kleinen Coup aus . Ich brannte die Pistole gegen ein x-beliebiges Ziel ab . Neunmal hintereinander krachte der Schuß . Die Hülsen hüpften energisch über uns weg . Ein leichter , blauer Dunst lag vor der Sonne , die Detonation klang betäubend von den Steinen zurück , und ich dachte , nun singt das Blut in ihren Ohren . Ich fühlte aber auch etwas anderes , eine neue , frische Belebung . Ich stand schnell auf und machte Bewegung . Ich war voll Teufelei und Unternehmungslust . Zwar wütete ein Ozean von Kopfweh an meinen Schläfen und meine Glieder waren nicht ganz sicher . Aber ich fühlte den Rausch der Tat . Heute wollte ich mal spazieren gehen . Marsch hinaus ! Auf da ! Reise , Reise , Reise ... ! fort mit dem faulen , aasigen Luderleben ! Schwankend , aber unbekümmert um meinen Zustand , galoppierte ich das Flußbett abwärts entlang . Ich lud die Pistole und entleerte sie auf müßige Ziele . Da , an den Seiten , etwas über dem Lehmbruch des Flußbettes , starrte der Djungle . Er war fremd und gefährlich . Konnte man in ihn eindringen ? War es möglich , ihn ohne furchtbare Todesstrafe zu betreten ? Eine Angstvision erfaßte mich bei der Vorstellung eines Lebens zwischen seinen Tieren und Pflanzen , und es wurde mir unerinnerlich , wie ich es jemals hatte ertragen können , ohne vor Furcht zugrunde zu gehen . Ich vermied es , ihm nahe zu kommen . Ich war ein Ausgeschlossener , der trübe Betrachter eines überlegenen und gesperrten Geheimnisses . Hatte ich wirklich jemals den Djungle von innen gesehen oder war es ein sanfter und harmloser Traum ?