keinen neckischen Tanz wie um zitternde Zweige - ehrfürchtig streichen die Abgesandten der Sonne an ihr entlang und hüllen den marmorweißen Leib von Santa Maria del Fiore in ein Gewand gesponnenen Goldes . Doch von drüben lockt der Glockenturm mit seinen vielen steingehauenen Menschenbildern die fröhlichen Strahlen , und der andere hoch über dem Wehrgang mit seinem roten , rostigen Kupferhelm . Es ist , als ob die Sonne jauchzte über jeden neuen Fund , und weiter und weiter suchend vordringt . Die Sonne ist gut . Sie küßt nicht nur Berggipfel , Baumwipfel und Kirchentürme , die sich ihr stolz und fordernd und sehnsüchtig entgegenheben , sie streichelt auch mitleidig die ihrer ragenden Häupter durch Feuer und Feindesgeschosse beraubten Trutztürme der Paläste , ja sie wirbt schmeichelnd um die sich grimmig von ihr abwendenden schwarzbraunen Dächer der Häuser und wirft Bündel um Bündel flüssigen Silbers auf die breiten Steinfliesen der Plätze , auf das graue Pflaster der Gassen . Sie liebt diese Stadt mit der fordernden Liebe der Geliebten , mit der hingebungsvollen Treue der Mutter . Und die Stadt weiht sich ihr zum Altar , von dem statt des Geruchs brennender Opfertiere die berauschenden Düfte blühender Rosen gen Himmel steigen . Konrad hatte im ersten Dämmer des Morgens von San Miniato aus , wo er sich dem Traume hingab , daß die hier Schlummernde erwacht sei und neben ihm stünde , das Kommen der Sonne erwartet . Nun stieg er die breite Treppe zwischen hohen Zypressen und blühenden Lilien hinab und ging ziellos durch die erwachende Stadt , bei jedem Schritt mehr überwältigt von der vergangenheitgesättigten Gegenwart . Es waren ja nicht nur berühmte Namen , wie sie das Reisehandbuch dem bildungssüchtigen Europäer vermittelt , die vor ihm auftauchten , es war nicht nur eine Epoche der Weltgeschichte , deren überquellender Reichtum an Form und Gestalt ihm vor Augen trat , - es war die Lebendigkeit fortwirkender Kultur , deren er sich immer deutlicher bewußt wurde . Gab es überhaupt Tote in Florenz ? ! Der Atem dieser Stadt ist der Atem unsterblichen , ewig wirkenden Geistes . Was wäre unsere ganze Kultur ohne sie ? Häuser und Straßen und Plätze vergegenwärtigten ihm immer lebendiger ihre großen Söhne . Es hätte ihn nicht überrascht , dem leidverwüsteten Antlitz Michelangelos , dem ganz zu Geist gewordenen Leonardos plötzlich gegenüberzustehen ; dem scharfen Profile Dantes , dem Spöttergesicht Boccaccios , dem lockenumwallten Haupte Picos , der in ihrer Häßlichkeit prachtvoll schönen Erscheinung des Magnifico zu begegnen . Der Kunst , der Wissenschaft , dem Staat hatten sie ihr Leben geweiht ; aber war es nicht doch die Einheitlichkeit einer umfassenden Idee gewesen , die ihren Werken Gestalt und Dauer verlieh , wuchsen sie nicht aus einem gemeinsamen Boden zu einem Himmel empor ? Er war noch in Grübelei über die Antwort auf diese Frage versunken , als er sich einem freien Platze näherte . Das Denkmal Dantes , das ihm entgegensah - mit all jener frostigen Theatralik , die ein Kennzeichen der modernen italienischen Plastik ist - hätte ihn fast scheu zurückgetrieben , wenn eine altertümliche Kirche dahinter ihn nicht wieder gefesselt hätte . » Santa Croce , « sagte ihm jemand auf seine Frage . Er trat ein . Und unwillkürlich legten sich seine Hände ineinander . Ganz still und menschenleer war es . Achteckige Pfeiler , in ihrer Gestalt so kraftvoll ernst , als wüßten sie um ihre Bestimmung , tragen den Dachstuhl , der die schlichte Schönheit seines Gebälks unverhüllt zeigen darf ; durch die hohen , bunten Glasfenster des Chors strömt gedämpftes Licht und umgibt das kühle Grau des Steins , das Braun der Balken mit milder Wärme , während es zugleich aus den tiefen Kapellen ein leises Leben lockt . Die Gestalten an ihren Wänden erwachen . Aber sie sehen nicht hinab zu den Menschen , als bedürften sie ihrer . Denn sie sind weitab von der Welt . Da thront in einfacher Majestät der Sultan , das Antlitz voll ernster Trauer seinen weißgewandeten Priestern zugekehrt , die nicht wagen wollen , was der Mann in der schlichten Kutte des Franziskanermönchs tut , ohne die Pathetik des Heldentums : durch die Flamme zu schreiten . Und dort weinen die Brüder am Totenbette ihres Heiligen - in Leid und Liebe , aber ohne die Geste der Verzweiflung ; denn ihnen ist offenbar , was die Ungläubigen erst von der großen Lehrmeisterin , der Zeit , lernen werden : daß der heilige Franziskus lebt , ob er gleich gestorben ist . Auf der anderen Seite erwartet des Täufers Mutter , still ergeben in ihr gottgewolltes Frauenlos , gestreckt auf weißen Linnen ruhend , die Geburt Johannis , und Frauen , den Körper in faltige Gewänder keusch verhüllt , tragen das schicksalgezeichnete Kindlein dem priesterlichen Segen zu . Am Pfeiler aber steht Ludwig , der heilige König , mit frommem , in sich gekehrtem Blick über die Last der Aufgabe sinnend , die ihm Gott der Herr mit der Krone auf das Haupt gedrückt hat . Das ist weder entfesselte Leidenschaft , noch künstliche Bändigung . Das ist nur die große Ruhe des Frommseins . Konrad wandte sich wieder dem Ausgang zu . Und nun erst sah er die Denkmäler und Grabstätten an den Wänden der Seitenschiffe : Michelangelo und Macchiavelli , Marsupino , Aretino und Dante , - ein Dach überschattet sie , deren Denken und Tun so weit auseinanderging , eine Mauer umspannt sie , die selbst Welten umfaßten : Frommsein . War das die innere Einheit , aus die ihrer aller Stärke wuchs ? Nicht Hingabe an eine Idee , sondern Unterwerfung unter einen Glauben , den christlichen ? » Nein ! « sagte Konrad laut , als ob er vor ihnen allen sein Ketzertum bekennen müsse . Zu den Höhen der alten Etruskerstadt Faesulae zog es ihn hinauf , als ob er da oben das Licht suchen müsse . Verschlungene Wege ging er : zwischen Mauern , durch graue Olivenhaine , an geheimnisvoll lockenden