ne blieben un is ne bleben , Vadder kummt wedder « , sagte Störtebeker bestimmt und ging davon . Seine Mutter tröstete er jeden Morgen und jeden Abend : » Schree doch ne , Mudder , gläuf doch ne , wat Vadder weg is ; de is ne weg , de kummt wedder « , aber er erreichte damit nur , daß sie noch heftiger weinte . Widerwillig trug er schwarze Strümpfe und ein dunkles Halstuch : sein Vater würde ihn auslachen , wenn er kam , meinte er mißmutig . Jeden Tag , der grau aus dem Hamburger Dunst stieg und golden in die Elbe versank , lag er mit seinem Kahn auf dem Wasser . Er wriggte weit hinaus , bis hinter Blankenese , und wartete und wartete . Immer waren seine Augen im Westen und suchten die Elbe ab , suchten den Ewer , suchten den Vater . Große Dampfer mahlten an ihm vorbei , und die Lotsen drohten ihm mit den Fäusten , aus dem Fahrwasser zu gehen , aber er dachte : ich habe hier ebensoviel Recht wie ihr , und kümmerte sich nicht darum . Die Dünung warf den Kahn wie eine Nußschale auf und ab : Störtebeker ging nicht vom Fleck . Wenn ein Ewer oder Kutter aufkam , wriggte er hin und fragte nach seinem Vater . » Hest Vadder ne sehn , Jannis ? « » Höh , Blankneeser , hett H.F. 125 ne bi di fischt ? « aber immer bekam er ein Kopfschütteln und ein Nein und den guten Rat , nach Hause zu schippern , den er aber nicht befolgte . Zuletzt kannten ihn alle . » Kiek , dor is wedder Klaus Mees sien lütten Jungen « , sagten die Schiffer zu den Knechten , wenn sie den Kahn in Sicht bekamen . Bei Wind und Wetter , bei Nebel und Sonnenschein , bei Regen und Brise dümpelte und trieb Störtebeker vor Blankenese und wartete auf seinen Vater . Starr blickte er nach Westen , wo immer wieder Segel erschienen , wo immer wieder Schiffe auftauchten . Einmal mußte sein Vater doch gewiß dabei sein , einmal mußte er ihn doch hergucken können ! So viele Schiffe ! » Is keen Breef van Vadder kommen ? « , fragte er abends , denn sie konnten ja auch nach der Weser gesegelt sein , wenn es gerade so gepaßt hätte . » Junge , gläufst du noch jümmer , wat Vadder wedderkummt ? « fragte Gesa bekümmert . » Ganz gewiß gläuf ik dat , Mudder ! Vadder kummt wedder ! « Als er wieder einmal dwars von Blankenese lauerte , kam hinter Schulau ein grüner Ewer in Sicht , der ganz so aussah wie der seines Vaters . Er dachte , er wäre es , und eine große Freude kam über ihn , daß ihm die blanken Tränen in die Augen traten . Hastig zog er seinen Draggen auf , den er ausgeworfen hatte , und wriggte dem Ewer entgegen , so schnell er nur schippern konnte . Wenn die Nummer zu lesen oder der Ewer sonst zu erkennen war , wollte er sich barfuß ausziehen , damit sein Vater die alten schwarzen Strümpfe gar nicht erst zu sehen bekam , dann wollte er die Flagge aufsetzen , die unter der Achterducht im Dollenkasten steckte , und so lange rufen und winken , bis sein Vater ihn gewahr wurde . Und dann wollte er längseit wriggen und überklettern und seinem Vater steuern helfen , wollte Kap Horn Gutentag sagen und Hein Mück ein bißchen ärgern , wollte mit Seemann spielen und nach den Segeln hinaufgucken , wie er immer getan hatte . Ach , - er wollte noch viel mehr und stand in Gedanken schon längst an Bord : als er aber bis Wittenbergen gekommen war , sah er einen fremden Ewer vor sich und kehrte traurig um . * * * Alle Fischerleute , Seefischer und Elbfischer haben den Jungen draußen auf der Elbe gesehen und sind von ihm nach seinem Vater gefragt worden . Die Jollen nahmen ihn oft ins Schlepptau und brachten ihn wieder an den Laden , wenn er sich zu weit hinabgewagt hatte und nicht gegen den Strom oder Wind konnte . Alle ermahnten ihn , nicht wieder so weit zu fahren , sondern am Bollwerk zu bleiben : sein Vater könne nicht wiederkommen , nach dem brauche er nicht mehr zu fragen oder zu suchen . Aber Störtebeker hörte nicht auf sie und glaubte ihnen nicht : mit der nächsten Tide fuhr er wieder elbabwärts und suchte seinen Vater . Oft hungerte ihn , er zitterte vor Frost , wenn der Wind wehte oder der Regen ihn bis auf die Haut durchnäßt hatte , aber er wriggte immer wieder , immer wieder nach Blankenese hinunter und guckte den Schiffen entgegen . Sein Vater kam wieder : von dieser Hoffnung ging er nicht ab , - und er wollte der erste sein , der ihn gewahr wurde . Die Bunge hing zerrissen an den Wicheln , und der Aalkorb verrottete im Gras , denn er hatte sich der Fischerei gänzlich begeben . Kluß , die alte Krähe , lag eines Morgens tot im Kasten : sie war verhungert ; er grub sie im Garten ein und stellte den Käfig in die Ecke . Die Kaninchen verschenkte seine Mutter an andere Knaben , weil er sich nicht mehr darum bekümmerte ; gleichgültig ließ er es geschehen , denn es war ihm einerlei geworden , ob er Viehwerk hatte oder nicht : erst mußte sein Vater wieder da sein , erst mußte der große Ewer wieder über den Deich schauen ! Dann kam auch all das andere wieder an die Reihe . In der gewissen Zuversicht : diese Tide kommt Vater ! - lief er nach seinem nordischen Kahn und nahm den Kurs auf Blankenese . Gesa , die ein seltner Gast auf dem Deiche geworden war , merkte zuerst nichts von diesen weiten