, quer über den Lützowplatz , über den breiten Weg . Nun trat sie in die dunkle Allee längs des Kanals . Sie bog ab , nach links , ging mit immer schnelleren Schritten bis hinunter zur Freiarchenbrücke , - dort stand sie zögernd still . Dann ging sie auf die Brücke . In der Mitte blieb sie stehen und beugte sich über die Brüstung . Und auch er stand , wie gefesselt , verborgen in der Dunkelheit . Nachdem sie eine Weile bewegungslos gestanden und ins Wasser gestarrt , ging sie weiter , - bog nun auf der anderen Seite des Ufers nach rechts hinauf . Ihr Gang wurde leichter , sie hastete vorwärts . Jetzt ging sie so schnell , daß er Mühe hatte , ihr zu folgen ; sie lief ja beinahe , hier in der Finsternis . Längst waren sie an jenen Stellen des Kanals vorbei , wo die Böschung weich und niedrig , mit Rasen bewachsen , abfällt ; hier war schon der steinerne Quai , von dem , in bestimmten Entfernungen , Treppen zum Wasser hinunterführen . Und da - auf einmal - da setzte sie über das niedrige Gitter und lief flugs auf die Treppe zu . Ehe er recht begriff , ob er auch richtig gesehen , war sie unten . Er sah im Schein der Laterne die erhobenen Arme , er hörte den klatschenden Aufschlag , mit dem der Körper ins Wasser fiel . Da war auch schon sein Mantel zur Erde geworfen , er folgte ihr , - aber nicht auf dem Wege über die Treppen , er lief direkt über die glatte , steinerne , gewölbte Böschung , lief mit den großen Sprüngen des Militärs und sprang , mit gestreckten Armen , ihr nach . Und kaum schlug er ins Wasser , so sah er auch schon , dicht neben sich , ihren Kopf auftauchen , vollbelichtet vom Schein der Laterne , - sah das Gesicht , - unkenntlich geworden vom Krampf der Todesangst . Sie war ein einziges Mal erst untergetaucht , als er sie erfaßte . In der Sekunde , da sie unter Wasser gewesen und dann wieder an die Oberfläche gekommen war , hatte sie den Himmel gesehen mit den schimmernden Sternen - - - leben , leben ! Da erfaßte sie eine Hand . War das die Rettung ? ! - - - Sie umklammerte seinen Hals , sie umschlang ihn mit den Beinen , und er fühlte , wie sie beide untergehen mußten , auf diese Art. Er rief ihr zu , sich ruhig aufs Wasser zu legen und sich ihm zu überlassen , aber sie umstrickte ihn nur um so wilder . Schon erwog er , ob er nicht zu dem letzten verzweifelten Mittel , das die Rettung möglich machte , greifen und ihr jenen Schlag auf den Kopf geben sollte , der Ertrinkende in Betäubung versetzt und es dem Schwimmer dann möglich macht , sie herauszuziehen . Aber es kam nicht so weit . Plötzlich lockerten sich ihre ihn fest umschnürenden Glieder . Sie war bewußtlos geworden . Da kam es über ihn wie Glück , - nun konnte es gelingen . Neue Kräfte strömten ihm in die Glieder , stählten und streckten sie . Er machte kräftige Tempi mit den Beinen und dem einen Arm , faßte sie mit der anderen Hand im Genick , an den Kleidern , und schleifte sie behutsam übers Wasser . Keinen Augenblick sank ihr Kinn bis in die Flut , so fest und stark hielt er sie hoch . Und sie nahmen alles mit , diese dunklen Wasser , alle Sünden der Vergangenheit . Der Mensch , der da mit zwei Beinen und einem Arm die schwarze Fläche teilte und mit dem anderen Arm seine Beute hielt , dem der Krampf schon langsam in diesen Arm kroch , und der nun glücklich die Stufen wieder erreicht hatte , - für den war dieses nächtliche Bad ein heiliger Zauber , wohl heiliger noch , als es die Wasser des Jordans waren , wenn sie die Sünden der Getauften mit sich nahmen und sie fortspülten , ins Meer der Vergessenheit . - - - Er trug sie über die Stufen hinauf und legte sie bei der Laterne , die das Bild ihres Kampfes beschienen hatte , zur Erde . Sie hatte nicht viel Wasser geschluckt . Dennoch reinigte er mit dem vom Taschentuch umwickelten Finger kräftig den Rachen . Dann setzte er sich auf das niedrige Geländer der Rasenfläche und legte die leichte Gestalt quer über seine Knie , auf den Bauch , so daß Kopf und Rumpf nach unten hingen . Das Wasser tropfte ab . Er drückte regelmäßig gegen ihren Rücken . Nachdem er dies rhythmisch einige Minuten lang getan hatte , legte er sie auf die Erde nieder , holte den Mantel , der ein Stück weiter unten so da lag , wie er ihn abgeworfen hatte , schob ihn ihr als Rolle unter den Kopf . Dann führte er ihre Arme langsam nach oben - führte sie wieder zurück und drückte sie kräftig aber schonend gegen den Brustkorb . Zischend hörte er die Luft in die Lungen einströmen . Als er diese Bewegungen etwa dreißigmal ausgeführt hatte , begann sie zu atmen und schlug die Augen auf . Nun zog er den Mantel vorsichtig unter ihrem Kopf weg und hüllte sie hinein . Dann hob er die leichte Gestalt , ohne Mühe , auf seine Arme . Während er mit ihr weiterging , fielen ihr die Augen wieder zu , und er fühlte , wie sie zitterte . Niemand war in der ganzen Zeit durch die nächtliche Allee gekommen . Der Himmel schien glänzend , wie schwärzlich-violettes Glas und wölbte sich über den Bäumen . Der abnehmende Mond lag , als blanke Sichel , schräg zwischen unzähligen Sternen . Die nächste Brücke führte hinüber auf den Lützowplatz . Dort standen Automobile . Er blieb diesseits , im Dunkel , und pfiff . Sofort