, das nicht bei mir verhallte und von mir bei euch . Und doch liebe ich euch , als wäret ihr ein Bilderbuch meines Lebens , und Mutters und Vaters . Ich liebe euch sehr . Ich liebe euch wie ein Kind . Und ich werde euch , wenn ich ein ganz Alter bin , noch lieben , als wäre ich ein Kind . « Das war jetzt Einharts Art und Einsamkeit . Und er arbeitete daheim auch in den Jahren in derselben Art , wie er an der Grabhöhle seines toten Vaters Schaufel um Schaufel warf , versunken in den Sinn seines Tuns . Und er atmete und schaute und ließ die Zeit ungehört gehen Jahre um Jahre . 2 Einhart war jetzt ein Mann von einigen vierzig Jahren . Er stand ganz allein , mehr wie je . Ein feiner Herr ging er einher , bekannt unter Freund und Feind wegen der Fremdheit und Eigensinnigkeit seiner Bildwerke und wegen seines vereinsamten , eigensinnigen Lebens . Eines Winters kam es ihm inmitten seiner Farbenträume , inmitten auch der Regsamkeit in den Klubs und Koterien der Stadt , in denen er sich manchmal beobachtend und herumprüfend blicken ließ , plötzlich an wie einem Wandervogel , alles Bekannte zurückzulassen und fortzuziehen . Es waren neu allerhand Zerrissenheiten in ihm aufgebrochen und vieles von seinen Erfüllungen zum Zweifel geworden . Die Menschen um ihn deuchten ihm zu bekannt in ihren Stimmen und Bewegungen . Und er selber dünkte sich durch sein eigenes , langes Herkommen eingeschnürt und ermüdet . Er verlangte den freien Horizont des Lebens zu sehen , wie es den Wandervogel fortreißt in den Höhenwind . Er wollte weit ausblicken und aus der Höhe hinab , einmal zu sehen , wo er eine Erfüllung fände , eine Feier , einen Festtag in die Reihe der eintönigen , einsamen Wandertage , die sein Leben jetzt lange hingegangen . So war Einhart nach Antwerpen gekommen , und wohnte dort am Platz der Grüne . Hinter den Hausern des Platzes ragt der Dom . Er überwächst mit seinem breiten Steinleib alle die kleinen Häuser rings . Der Regen fiel an dem Morgen , als Einhart vor die Tür seines kleinen Hotels hinaustrat . Der Turm ragte dunkelgrau in die graue Märzluft . Als Einhart eintrat , war es drinnen still , wie im Grabe . Die Düsternisse der Nischen breiteten sich in Schattendunkel . Die Bilder um den Hochaltar hatten kaum Farben . Eine kaum merkbare Erhellung ging aus den Fenstern , die gen Morgen lagen , und schwebte streifig über den grauen Steinfliesen des Mittelschiffs . Einhart war lange dem einsamen Dämmerklang seines Schrittes unter den Wölbungen hingegeben . Die graue Schattenweite der kalten Raumtiefen umspann ihn , wie wenn die Stille darin eine Schönheit wäre für alle Sinne . Die marmornen Altargestalten schienen ihm lebendige Leiber , ragend , um zu antworten , was seine Seele zu fragen begann . Ein Dom ! Ein grauer Steinleib mit Zacken und Dach , Zinken und Türmen . In dessen Höhle sich Menschen drängen mit Gebeten , mit Gesängen , mit Wehklagen , mit Hymnen zum Lobe . Und den jetzt die ewige Ruhe ausfüllte wie mit dem Schlafe aller erhabenen Herrlichkeiten . Hoch oben begannen sich die bunten Lunetten der Fenster am Hochaltar zu belichten mit blauen und goldenen Scheinen . Die Säulen sprangen aus dem Dämmer lebendiger fühlbar in die Runde . Die Stimmen vereinsamter Beter gaben ein fernes Raunen , ohne daß Einhart seinen Blick aus der Höhe zurücknahm . Ein Dom ! Und wahrhaftig in Stein getürmt von Menschenhand ! Und wahrhaftig erst einmal im Traum gesehen von Menschenaugen ! Das da steht , wölbt sich wie Berge , und gibt ewige , stumme Kunde . Und es kam Einhart so vor , als ob er aus den Wölbungen und Säulen und ragenden Gestalten in Stein , und hinaus in Dach und Zinnen und Türme einen Ruf , eine Anbetung , eine gewaltige Sturmwelle aus Menschenstimmen , eine unerhörte Macht der Seele lautlos vernähme . Hier schien ihm ein Leib gebaut , dessen Seele mehr deuchte , als seine Seele , dessen Stimme bandenloser aufklang , als seine Stimme . Dessen Gewalt ewig stumm und manchmal mit ehernem Munde rufend , sich belebte , in Stürme und Wolken zu hallen , und sich in das große Rufen der Gebirge und der Wüsten einzumischen . Graue , kanadische Schifferknechte traten durch eine Seitentür unter dem holzgetäfelten Chore , darüber die Silberflöten der gewaltigen Orgel , von Engeln umflogen , schwiegen , und trappten langsam und verschüchtert in die tiefe Stummheit . Das Angesicht dem lichtdurchstrahlten Dunkelraume des Hochaltars kindlich staunend entgegen gewandt , warfen sie sich auf die grauen Steine nieder , bald auch die Häupter tief dem Boden zugeneigt . Kanadische Schifferknechte , die im Hafen gelandet waren , harte , rauhe Männer . Und doch scheu wie das Wild , auch vor dem Erhabenen nur heimlich geängstigt , weil immer und immer bedroht nicht von bestimmten Dingen . Sie beteten in sich eingesunken auf Knieen die kleinen Gebete um ihr enges Leben . Umhergeworfen in harter Frohn , wie Wellen im Meere , hörten sie nie das große Rauschen über den Wassern , darein ihr graues Leben verschäumte . Sie baten : » Hilf uns ! Rette uns ! Bewahre uns ! Bewahre uns ewig für uns ! Laß uns nicht aufgehen ! « Der Glanz vom Hochaltar her fiel eine Weile auch auf sie . Es waren rauhe Seelen , die oft fluchten im Sturmstreit . Sie waren in Furcht niedergesunken . Ein Dom ! Wer hört die Symphonien seiner Einsamkeit ? Wer hört die stumme Sprache der Steine , aus der weiten , ewigen Seele gespeist , die einig ist über unzähligen Menschenhäuptern und Menschenwünschen . Ein Dom ! Kein Kirchenlied ! Der steingewordene Ruf des großen Christ . Auch wenn alle Erinnerung verginge , wird ihn der Steinleib beständig rufen . Es ist ein stummer Ruf