Einreißen , zuletzt gar vom Wegbrennen dieses Tempels ; die Lohe dieses Hauses der Abgötterei müsse als ein Gott wohlgefälliges Opfer zum Himmel steigen . Ich gab mir alle Mühe , ihn zu beruhigen ; ich bat ihn ; ich beschwor ihn , diese entsetzlichen Gedanken , Liebe mit Haß , Gastfreundschaft mit Feuer zu vergelten , fallen zu lassen ; aber ich hatte nur den Erfolg , daß er nun gegen mich schwieg . In seinem Innern jedoch schrieen die bösen unchristlichen Stimmen fort . Er konnte ihnen nicht wiederstehen . « » Er war krank , sehr krank ! « erklärte ich . » Nichts als nur das ! Nur ein Kranker kann glauben , das , was ihm heilig ist , durch die Vernichtung dessen , was Andern heilig ist , zu fördern ! Das ist stets meine Ansicht gewesen , die ich dem Eifer des Vaters gegenüber mit allen Mitteln , welche einer Tochter erlaubt sind , vertreten habe , und nun ist ihre Wahrheit ihm und mir bewiesen worden . Ich getraute mich nicht , ihn zu verlassen ; aber der nächste Tag war ein konfuzianischer Feiertag , der meine Wißbegierde weckte . Die weite Umgegend sandte eine Menge Pilger , welche ihre Opfergaben brachten , in Backwerk , Früchten und einer schier unglaublichen Menge von Blumen bestehend . Der Priester gab uns von Allem überreichlich . Das war so rührend , er , dem feindlich gesinnten Missionar , von dem er doch wußte , was er war , denn unsere Träger hatten es ihm gesagt . Vater schien auch gerührt zu sein ; er verhielt sich sehr still , und das machte mich so glücklich . Am Nachmittage schlief er sogar ein , was seit einigen Tagen nicht geschehen war . Da glaubte ich , einmal durch das Kampong gehen zu dürfen , wo die Bewohner mit den Festgästen sich an heiteren Spielen erfreuten . Ich wurde überall so freundlich begrüßt , und Jeder und Jede reichte mir Früchte und Blumen dar , so viel , daß ich sie nicht fassen konnte , sondern wieder an Andere verschenken mußte . Da entstand plötzlich große Verwirrung ; ich hörte die beiden Worte Panas37 und Klinting38 rufen und sah , daß Alles nach der Gegend eilte , in welcher der Tempel lag . Ich wollte vor Schreck zusammenbrechen , raffte mich aber auf , warf alle Blumen weg und lief , so schnell ich konnte , dorthin zurück , woher ich gekommen war . Als ich hinkam , stand der ganze Tempel in hochlodernden Flammen . Die Hitze war so groß , daß man sich ihm nicht nähern konnte . Unweit davon brannte ein kleineres Feuer , aus welchem der Luftzug verkohlte Zeugreste und glimmende Papierblätter in die Höhe trieb . Mein Vater hatte von den Opfergewändern des Priesters und den heiligen Büchern vor dem Tempel einen Scheiterhaufen errichtet und diesen auch in Brand gesetzt . Er selbst war von einer großen , schreienden Menschenmenge umgeben . Wie es mir gelingen konnte , mich hindurchzudrängen , das kann ich nicht sagen , aber die Todesangst verleiht ja selbst dem schwachen Weibe Riesenkräfte . Ich erreichte ihn grad in dem Augenblick , als man ihn angriff und zu Boden riß . Da wurde ich ohnmächtig und fiel neben ihm hin . « Sie hielt inne . Ihre Gestalt schauderte noch jetzt , infolge der Erinnerung . Ich sagte nichts , kein Wort ; ich konnte nur denken - - denken - - - denken ! » Als ich wieder zu mir kam , « fuhr sie nach einer Weile fort , » lag ich auf einer Matte . Neben mir saß der Priester und unweit von ihm einer unserer Träger , um den Dolmetscher zu machen . Fern standen oder saßen viele Leute . Der Geruch des niedergegangenen Brandes wurde von Weitem hergeweht . Den Vater sah ich nicht . Ich fragte voller Angst nach ihm . Der Priester antwortete mir in einem so milden Tone , daß ich ihn nie vergessen werde , und der Träger übersetzte es mir : Sei ruhig ! Er befindet sich wohl , und es ist ihm bis jetzt nichts geschehen . - - - Was hat euch unser Gott , was hat euch unser Land und was hat euch unser Volk getan ? Unser Gott ist auch der eurige ! Unser Land hat euch vertraut und euch willkommen geheißen ! Und wir selbst , wir haben euch Alles gegeben , was wir geben konnten , obgleich wir wußten , daß ihr gegen unsern Himmel wütet ! Und was ist euer Dank ? Hochmut - - Verachtung - - Zerstörung ! Wir gaben euch Blumen - - und ihr gabt uns - - was ? O ihr Toren ! Wißt ihr denn nicht , daß Alles , was ihr Andern tut , das tut ihr für die Zukunft an euch selbst ? ! - - - Fürchte dich nicht vor mir ! Ich bin Priester , und ein Priester richtet nicht , sondern er verzeiht ! Ich habe für deinen Vater gesorgt , daß ihm einstweilen nichts geschehe . Und ich habe dich hierher bringen lassen , damit du Ruhe habest und ich dir bei deinem Erwachen gleich sagen könne , daß du frei bist . Unser Glaube rächt die Sünde nicht an den Kindern bis in das dritte oder vierte Glied . Einen Gott , der den Unschuldigen straft , kann man sich den wohl denken ? Hierauf war er still und sprach nicht weiter , doch bewegte er seine Lippen im Gebete . Von dem Träger erfuhr ich , daß die zum Feste anwesenden Häuptlinge zusammengetreten seien , um über meinen Vater zu Gericht zu sitzen . Die Zeit bis zur Entscheidung wurde mir zur fürchterlichen Qual , denn ich fühlte , daß - - - « » Bitte , Miß Mary , « unterbrach ich sie , » quälen Sie sich nicht auch noch jetzt . Sagen Sie