sein . Es war eine schöne und etwas strenge Frühlingsluft gewesen , welche die Nerven anspannt und ein Gefühl in uns weckt , als stehe ein besonderes Glück vor uns . Auf dem Bahnsteig trafen sie einige andre Paare , die gleich ihnen frühzeitig zurückfahren wollten , und war ihnen ein eignes und sehnsüchtiges Gefühl , wie sie so diese heimlich flüsternden und vertraulichen jungen Leute sahen . In dem Zuge , der wegen der Frühe fast leer war , hatten sie ein Wagenabteil für sich , so fuhren sie allein durch das Dunkel nach Hause . Da wurde die Frau von einem neuen bräutlichen Gefühl übermannt , und die Tränen kamen ihr , sie lehnte sich an die Schulter des Mannes , der faßte ihre Hände , und so fuhren sie schweigend . In der Folge entwickelte sich ein Trotz bei der Frau , weil sie ihr Unrecht fühlte , sie behielt ihren Grund , daß sie ihr Leben genießen wolle , solange sie jung war , und sagte auch , daß die Wohnungsverhältnisse Ursache seien , und endlich fand sie sogar , daß ihr Mann , weil er zu sehr an die Partei gedacht , die Familie vernachlässigt habe . Wie sie aber ihrem Manne von allem schrieb , erwähnte sie von diesen Gründen und Ursachen nichts , sondern sagte nur , daß sie den andern lieber gewonnen habe , und als freier Mensch wolle sie sich von ihm trennen und sich mit dem verbinden . Dieser Brief kam gerade in Weilands schönste Hoffnungen und machte ihm einen sehr tiefen Schmerz , denn es war ihm , als sei er plötzlich wie eine Pflanze , die aus der Erde gerissen ist , und nachdem er etwa eine Woche in dieser Stimmung verharrt hatte , wurde ihm in seinem ganzen täglichen Leben so trostlos zumute , daß er dachte , es könne so nicht bleiben , sonst werde ihn der Überdruß zum Trinken verführen , deshalb beschloß er , daß er Deutschland gänzlich verlassen wollte , und nach Amerika gehen , um in eine völlig neue Umgebung zu kommen und hier durch die Arbeit der Anpassung vielleicht neuen Sinn zu kriegen , denn er dachte sich , daß er noch jung war und sein Leben noch nicht verloren zu geben brauchte , weil er es ja immer noch ganz von neuem zu begründen vermochte . Indem er aber vorher noch von seiner Frau und seinem Kinde Abschied nehmen wollte und besonders das Kind noch zum letzten Male sehen , dachte er , erst nach Berlin zu fahren , und zwar war er ja dort ausgewiesen , aber er hoffte , daß die Polizei , wenn er die Reise geheim betreibe , doch nichts von ihm erfahren werde ; und zur besonderen Vorsicht ließ er sich den Bart abnehmen und das Haar schneiden , um weniger leicht erkannt zu werden ; aber gerade diese Vorbereitung erweckte einen Verdacht , denn da er aus irgend einem Grunde für einen besonders gefährlichen Menschen gehalten wurde , so war er sehr genau beobachtet . So kam er in Berlin an und ging die bekannten alten Wege zu seiner Wohnung , die er früher immer mit großer Fröhlichkeit gegangen war , und klingelte an der Tür , und weil ihn seine Frau nicht gleich erkannte auf dem dunkeln Flur , so hieß sie ihn unbefangen eintreten ; da stand er auf der Küchenschwelle , und der Tisch , der damals ganz neu gewesen , hatte auf der Platte seine Farbe verloren durch den Gebrauch ; aber es war eine weiße Gardine vor dem Fenster , und plötzlich wurde ihm so wehmütig zu Sinn , daß er hätte weinen mögen . Seine Frau stand in der äußersten Ecke und sah erschreckt auf ihn hin , und das Kind war auf ihn zugeeilt und hatte » Papa « gerufen , in der Meinung , er sei der neue Vater , aber dann hatte es seinen Irrtum erkannt und war vor dem fremden Manne erschreckt zurückgelaufen und versteckte jetzt sein Gesicht in der Schürze der Mutter . Das erschütterte ihn mehr wie das Entsetzen seiner Frau , daß sein Kind sich vor ihm fürchtete , da rief er mit schluchzender Stimme : » Sehe ich denn aus wie ein Verbrecher , daß ihr vor mir Angst habt ? « Aber die Frau starrte ihn nur immer besinnungslos an , und das Kind machte das Köpfchen etwas los und blickte scheu zurück ; da kamen ihm die Tränen , und er wagte nicht , einen Schritt vorzusetzen . In diesem Augenblick traten Schutzleute durch die Flurtür herein , die in der Aufregung der beiden offen geblieben war , und einer legte die Hand auf Weilands Schulter und erklärte ihn für verhaftet wegen Bannbruchs ; zerstreut sah er dem bärtigen Mann ins Gesicht , dann schrie er laut den Namen seiner Frau , der kamen jetzt auch große Tränen über die Wangen , aber sie stand noch immer gelähmt . Vor der Tür draußen sammelten sich neugierige Hausbewohner , ein Murmeln und die befehlende Stimme eines Schutzmannes wurde gehört . Da wendete sich Weiland langsam um und ging die Treppe hinab mit den Männern , die ihn verhaftet hatten , und die Knie zitterten ihm , und seine Frau mit dem Kind waren oben in der Küche . Wie er zwischen den Polizisten aus der Haustür auf die sonnenhelle Straße trat , in deren Mitte ein Pferdebahnwagen fuhr , da flüsterten Leute hinter ihm , er sei betrunken ; da ergriff ihn eine unbändige Wut und eine sinnlose Verzweiflung , daß er sich auf den einen Mann stürzen wollte . Wie er eben die Bewegung begann , hörte er eine scharfe und schneidige Stimme rufen : » Achtung ! « Das durchzuckte ihn , und das alte , bekannte Schlagwort , das er selbst vielhundert Mal gerufen , kehrte in ihn : » Laß dich nicht provozieren . « So ging er denn ruhig mit , nur die Fäuste