als ob er mit einem unzeitigen Lachen zu kämpfen habe . Ich konnte beide nicht sehen , wußte aber , daß ich ihn an seiner Sprache sofort erkennen würde . Er sprach die gutturalen Spiranten mit mehr als gewöhnlicher kurdischer Schärfe aus und hatte ein so uvular schnarrendes Rrrrrr , als ob er an einer bösartigen Zäpfchenkrankheit leide . » Ich weiß sogar , weshalb er diesmal kommt , « fuhr er fort . » Er will mit dem Ustad sprechen , und weil dieser nicht hier ist , mit dem fremden Effendi , da es nicht aufzuschieben ist . Ich ahnte nichts von der Anwesenheit dieses Stellvertreters , und es hat sich erst zu zeigen , ob sie gut oder nicht gut für uns ist . Dein Aschyk muß unbedingt als Gast im Hause des Ustad aufgenommen werden . Es war bezweckt , er solle in den Räumen wohnen , welche euer Herr sein Grab zu nennen pflegt . Leider habe ich von diesem Tifl erfahren , daß dort der Fremde aufgenommen worden ist . Dafür sind aber nun die eigenen Stuben des Ustad frei geworden , und es würde uns genügen , wenn dein Aschyk nun wenigstens doch diese bekäme . Du bist die Herrin dieses Hauses , Pekala . Das weiß ich ganz genau . Und deiner Freundlichkeit kann Niemand widerstehen . Dein Aschyk wird den Effendi unbedingt bewegen , ihn bei sich aufzunehmen , aber wo ! Ich hörte , daß du diesen Mann durch deine Holdseligkeit ganz für dich gewonnen habest . Nun sag : Glaubst du , ihn bewegen zu können , den Beglücker deines edlen Frauenherzens in den Räumen des Ustad wohnen zu lassen ? « » Sogleich , sogleich wird er es mir erlauben ! « jubelte sie so unvorsichtig auf , daß er ihr in schnellem Zorne befahl : » Schweig , unvorsichtige Katze ! Dein falsches Maul hat schon genug verraten ; mich aber soll es nicht - - - « Er hielt mitten im Satze inne und fuhr mit vollständig verändertem Ausdrucke fort : » Mein Herz begreift die Größe deines Glückes , den Aschyk als geliebten Gast hier bei dir zu haben , du treue , schöne Blume seines Lebens , aber ich bitte dich , dieses Glück tief und schweigsam in dich zu verschließen , bis die ersehnte Zeit gekommen ist , in welcher du es nicht mehr zu verheimlichen brauchst ! Du weißt ja , daß das Leben des Aschyk von deiner Verschwiegenheit abhängt , und das deinige wahrscheinlich auch ! « » Chodeh ! Auch mein Leben ? Mein eigenes ? « fragte sie erschrocken . » Ja . Seine Feinde sind auch die deinigen , und wenn sie ihn töten , können sie dich nicht leben lassen ! « » Wer aber sind sie denn ? Er hat sie mir noch nie genannt . « » Um den Blick deiner strahlenden Augen nicht zu trüben , der ihm über alles Andere geht . Darum schweige auch ich . Dein Herz soll rein und unbefangen bleiben . Den Ustad kenne ich , doch den Effendi nicht . Was ist er für ein Mann ? Welcher ist der klügere von beiden ? « » Kein Mann ist klug . Man hat sie alle zu erziehen . Ich habe da eine ganze Menge von Geheimnissen , die ich den meisten Menschen nicht sage , denn ich denke , daß sie es verraten . Zu dir aber habe ich Vertrauen . Darum will ich dir eines davon mitteilen : Der Ustad ist mir lieber als der Effendi . « » Aus welchem Grunde ? « » Weil der Effendi mich fortjagen will . « » Warum ? « » Wenn ich es Jemandem verrate , daß er mit meinem Aschyk sprechen wird . « » Oh Allah , welche Dummheit sondergleichen ! Und so ein Weib will Männer erziehen und - - - « Wieder brach er mitten im Satze ab , um sie nicht zu beleidigen . Dieser Mann verstand es nicht , sein Temperament zu beherrschen . Oder nahm er sich nur deshalb nicht besser in acht , weil er wußte , es mit einer » leeren Null « zu tun zu haben ? Wie freundlich und gelassen klang es dagegen , als er fortfuhr : » Fühlst du denn nicht , daß dieser Effendi dafür nicht zu tadeln , sondern zu loben ist ? Ich weiß , daß du einen scharfen Verstand besitzest . Du wirst also einsehen , daß er nur in der besten Absicht Verschwiegenheit gefordert haben kann . Auch ich bitte dich , nichts zu verraten . Er konnte dir nur drohen , dich fortzujagen ; ich aber weiß , daß es dein sicherer Tod ist , wenn du plauderst . Die Feinde deines Aschyk sind erbarmungslos , besonders gegen dich . Darum hüte dich , und schweig ! Ich habe von diesem Effendi schon oft gehört , werde ihn aber heut zum erstenmale sehen . Ist er gutmütig ? « » Sehr ! « » Scharfsinnig ? « » Ganz und gar nicht ! Er glaubt Alles , was man sagt ! « » Kennt er die hiesigen Verhältnisse ? « » Nein . Da ist mein Tifl hundertmal gescheiter ! « » Wie steht es mit seiner Religion ? « » Der hat gar keine . Es gibt hier gewiß Niemand , der ihn schon einmal beten sah . « » Ist er ein schöner Mann ? « Sie schwieg , wahrscheinlich um über diese Frage nachzudenken . Der sie aussprach , war ganz gewiß kein schlechter Menschenkenner , und die Köchin ahnte nicht , was er mit dieser höchst überflüssig erscheinenden Erkundigung eigentlich bezweckte . Dann antwortete sie : » Er ist nicht schön und auch nicht häßlich . Er hat ein ganz gewöhnliches Gesicht . Ich glaube , wenn er kein Fremder wäre , würde man ihn gar nicht beachten . « » Maschallah ! Das klingt nicht