Freude - und diese ist die Gemahlin des Königs Glück . Dann wollen wir auch - in anderen Stunden - ernst sein , dem Leben mit seinen Rätseln tief ins Auge schauen , wir wollen - - Ich breche ab - Ungeduld erfaßt mich . Diesen Brief trage ich selbst in Dein Haus , um ihn Deinem Mädchen in die Hand zu geben , damit er Dir schnell und sicher zukomme . Und Du : hab ' Erbarmen und hab ' Mut . « Zur selben Zeit war Sylvia gleichfalls mit Schreiben beschäftigt . Es war ein Brief an ihren Mann . » Lieber Anton ! Es gibt Dinge , die sich leichter schriftlich als mündlich sagen lassen . Ich wünsche - und wahrscheinlich komme ich dabei Deinem eigenen Wunsch entgegen - eine Trennung unserer Ehe . Du liebst seit mehreren Jahren eine schöne Künstlerin , die Dir einen Sohn geschenkt hat ; Du verbringst mehr als die Hälfte Deiner Zeit in ihrem Hause - das Du ihr geschenkt hast ; Du versuchst nicht einmal den Schein der Treue gegen mich zu wahren - kurz , Du hast tatsächlich unsere Ehe schon gelöst . Ich war allein und dadurch - frei . Ich aber blieb allein und hielt meinen Part in dem von Dir gebrochenen Vertrage aufrecht . Jetzt aber muß es anders werden . Ich habe mein Herz verschenkt und will meine Freiheit vindizieren . Betrügen will ich nicht . Weder Dich noch die Welt . Ich bitte Dich also , übereinstimmend mit mir Schritte zu einer regelrechten Scheidung anzubahnen . Von meiner Liebe lasse ich unter keinen Umständen . Solltest Du in eine Scheidung nicht willigen , so würde ich einfach abreisen - und nicht allein . Ich besitze selbständiges Vermögen , das weißt Du , und kann wo immer unabhängig leben . Die Hauptsache ist jetzt gesagt . Das Übrige kann , wenn Du einverstanden bist , mündlich verhandelt oder zwei Rechtsfreunden zur Durchführung übergeben werden . Nicht ganz ohne Wehmut scheide ich von Dir ; denn ich erinnere mich der Zeit , da ich glaubte , wir beide würden mit- und durcheinander glücklich werden . Es ist anders gekommen . Du warst der erste , der sein Glück fern von unserem Herde gesucht und gefunden - die Reihe ist an mir . Nur möchte ich - « Bis hierher hatte sie geschrieben , als die Jungfer eintrat und ihr Hugos Brief übergab . Sylvia erkannte die teuere Schrift , aber sie zerriß nicht sofort den Umschlag . Erst wollte sie ihr eigenes Schreiben vollenden und an seine Bestimmung kommen lassen » Warte einen Augenblick , « sagte sie und mit vor Erregung zitternder Hand - der unerbrochene Brief wirkte auf sie wie eine geliebte Nähe - warf sie noch ein paar Schlußzeilen auf den begonnenen Briefbogen und schob ihn in ein Kuvert . » So , das trage hinüber zum Herrn Grafen und übergib es ihm selber . « » Wissen Frau Gräfin nicht , daß der Herr Graf heute früh abgefahren ist ? Der Kammerdiener hat ihm seinen Koffer gebracht , dann einen Fiaker geholt ... und der Herr Graf ist auf die Südbahn , und dem Portier hat er gesagt , daß er erst morgen oder übermorgen zurückkommt - - « » Ach so - einerlei ... leg ' den Brief auf seinen Schreibtisch . « Jetzt war sie allein und vertiefte sich in Hugos Zeilen . Sie las sie einmal durch , dann ein zweites Mal , Satz für Satz - jeden ein paarmal hintereinander ; einzelne Worte wiederholte sie laut und lauschte ihrem Klang , als wären sie Musik : » Ein Netz - aus Flammen gewoben ... Dein Schützer , Kind ... schmelzende Zärtlichkeit ... « Alle Töne , die der Briefschreiber angeschlagen - Leidenschaft , Wagemut , Ruhesehnsucht , glühende Extase und schäumender Frohsinn , alles das vibrierte in ihrer Seele nach , und weckte solches Verlangen nach seiner Nähe , daß sie » aus Erbarmen « mit sich selber mehr noch als mit ihm , ihn am liebsten gleich gerufen hätte ... Aber sie widerstand der Lockung . Rufen würde sie ihn nicht , aber wenn er käme ... Bei dem Gedanken fühlte sie eine Beklemmung , von der sie nicht hätte sagen können , ob sie Schmerz oder Seligkeit war - - Gewaltsam raffte sie sich aus dieser Träumerei empor und klingelte ihrer Jungfer . » Schnell , einen Fiaker , « befahl sie . Sie hatte den raschen Entschluß gefaßt , ihre Mutter aufzusuchen und bei ihr den Tag zu verbringen . Sie wollte nicht allein bleiben - allein mit ihrer gefährlichen Sehnsucht . Aber Baronin Tilling war nicht zu Hause . Auch sie war - so sagte der Diener - diesen Morgen von Wien weggefahren , nach Grumitz , in geschäftlicher Angelegenheit . Den Wagen hatte Sylvia fortgeschickt , also ging sie zu Fuß wieder in die Richtung des Rings zurück . Bei einer Kreuzung mußte sie stehen bleiben , um ein paar Wagen vorüberfahren zu lassen und plötzlich hörte sie eine Stimme hinter sich : » Sylvia ! « Sie wandte sich um . » Ach ! « rief sie - Hugo Bresser stand neben ihr . Er war ebenso bewegt wie sie , ebenso blaß wie sie . Mit weit aufgerissenen Augen , einen fast schmerzlichen Zug um den zitternden Lippen , blickten sie einander eine Weile starr an . Ein eilig Vorübergehender , der ein Paket trug , stieß unsanft an ihnen an ; da kamen sie rasch zur Besinnung und erinnerten sich , daß sie auf belebter Straße waren . Sylvia wandte sich zum Gehen und als wäre es selbstverständlich , schritt Hugo neben ihr . » Sie haben meinen Brief - « begann er . Das » Du « , welches er niedergeschrieben , wollte ihm auf diesem öffentlichen Orte nicht über die Lippen und auch von dem Briefe zu reden , schien ihm gar nicht am Platze und so vollendete