» Sage , daß Johann anspannt . Den kleinen Wagen und die Ponies . Ich will nach Flensburg . « Es schlug drei , als Holk in Flensburg einfuhr , und bald danach hielt er vor dem Hillmannschen Gasthause , darin er , bei seinen häufigen Anwesenheiten in der Stadt , regelmäßig Wohnung zu nehmen pflegte . Der Wirt war einigermaßen überrascht , ihn zu sehen , bis er erfuhr , daß der Graf , dessen Stellung am Hofe der Prinzessin er kannte , nur auf kurzen Urlaub in Holkenäs gewesen sei . » Wann geht das nächste Kopenhagner Schiff , lieber Hillmann ? « Hillmann holte die Tabelle herbei , darauf Abfahrt und Ankunft der Dampfer genau verzeichnet waren , und glitt mit dem Finger über die Rubriken hin : » Richtig , Iversens Schiff ist an der Reihe und müßte morgen fahren . Aber der 24. fällt aus ; das ist altes Herkommen , und Iversen , der bei seiner Tochter wohnt und schon Enkel hat , wird an dem Herkommen nichts ändern ; er steht am Christabend auch lieber unterm Weihnachtsbaum als auf Deck . Ist aber sonst ein guter Kapitän , noch einer von den alten , die von der Pike an gedient haben . Er fährt also den 25. , ersten Feiertag , sieben Uhr abends . « » Und kommt an ? « » Und kommt an in Kopenhagen zweiten Feiertag früh . Das heißt um neun oder vielleicht auch eine Stunde später . « Holk zeigte sich wenig erbaut von dem allen , und nur wenn er an Holkenäs zurückdachte , war er doch herzlich froh , die lange Zeit von mehr als zwei Tagen in Flensburg verbringen zu können . Er bezog ein Zimmer im zweiten Stock , das auf den Rathausplatz hinaussah , und nachdem er mit leidlichem Appetit - denn er hatte seit dem Abend vorher so gut wie nichts genossen - eine verspätete Mittagsmahlzeit eingenommen , verließ er das Gasthaus , um an der Flensburger Bucht hin einen langen Spaziergang zu machen . Erst herrschte Dämmerung ; aber nicht lange , so zogen im winterlichen Glanze die Sterne herauf und spiegelten sich auf der weiten Wasserfläche . Holk fühlte , wie der auf ihm lastende Druck von Minute zu Minute geringer ward , und wenn er sich auch nach wie vor keineswegs in einem Zustand von Seelenruhe befand , so galt das , was ihm von Unruhe verblieb , doch mehr der Zukunft als der Vergangenheit und hatte vorwiegend den Charakter einer gewissen erwartungsvollen Erregung . Er malte sich allerlei anheimelnde Bilder aus , wie sie spätestens der nächste Mai heraufführen sollte . Bis dahin mußte alles geordnet sein ; die Hochzeit war festgesetzt , und er sah sich in der von Menschen überfüllten Hilleröder Kirche . Schleppegrell hielt die Traurede ; die gute Pastorsfrau war ergriffen von der Beredsamkeit ihres Gatten , und Doktor Bie freute sich , daß mit Hülfe einer schönen Schwedin ein schleswig-holsteinisches Herz für Dänemark erobert worden sei . In der kleinen Hofloge aber paradierte die Prinzessin , neben ihr die Schimmelmann und hinter beiden Pentz und Erichsen . Und dann verabschiedeten sie sich von Hilleröd und der Gesamtheit der Brautzeugen und fuhren in einem Extrazuge nach Kopenhagen und am selben Abend noch nach Korsör und Kiel , und in Hamburg war erste Rast . Und dann kam Dresden und München und dann der Gardasee mit einem Ausfluge nach Mantua , wo sie sonderbarerweise den Wallgraben , in dem Hofer erschossen wurde , besuchen wollten , und dann ging es immer südlicher bis nach Neapel und Sorrent . Da sollte die Fahrt abschließen , und den Blick rechts nach dem Vesuv und links nach Capri hinüber , wollt er die quälerische Welt vergessen und sich selbst und seiner Liebe leben . Ja , in Sorrent ! Da war auch eine so prächtige Bucht wie die Flensburger hier , und da schienen auch die Sterne hernieder , aber sie hatten einen helleren Glanz , und wenn dann die Sonne den neuen Tag heraufführte , da war es eine wirkliche Sonne und ein wirklicher Tag . So kamen ihm die Bilder , und während er sie greifbar vor sich sah , flutete das Wasser der Bucht dicht neben ihm , ernst und dunkel , trotz der Lichtstreifen , die darauf fielen . Erst zu später Stunde war er wieder in seinem Gasthaus , und unter Lesen und gelegentlichem Geplauder mit Hillmann verging ihm der andere Tag . Als aber der Abend hereinbrach , trieb es ihn doch hinaus , durch die Straßen und Gassen der Stadt , und überall , wo die Fensterläden noch offen oder nicht dicht geschlossen waren , tat er einen Blick hinein , und vor mehr als einem Hause , wenn er das Glück da drinnen und das Kind auf dem Arm der Mutter sah , und wie der Vater seiner Frau die Hand entgegenstreckte , wandelte ihn doch plötzlich eine Furcht vor dem Kommenden an , und auf Augenblicke stand nur all das vor ihm , was er verloren hatte , nicht das , was er gewinnen wollte . Welch Heiligabend ! Aber er verging , und nun war erster Feiertag , und so langsam sich seine Stunden auch hinschleppten , endlich war doch sieben Uhr heran , und die Schiffsglocke läutete . Holk stand neben dem alten Kapitän , und als man eine Stunde später in freies Fahrwasser kam , ließ sich schon ungefährdet ein Faden spinnen , und Iversen erzählte von Altem und Neuem . Es war eine schöne Fahrt , dazu eine milde Luft , und bis über Mitternacht hinaus stand man unter dem Sternenhimmel und berechnete , daß man mutmaßlich eine halbe Stunde vor der Zeit in Kopenhagen eintreffen werde . Dazu beglückwünschte man sich , und gleich danach zogen sich die wenigen Passagiere , die die Fahrt überhaupt mitmachten , in ihre Schlafkojen zurück . Aber bald änderte sich das Wetter draußen , und als man