flatternden Fahnen , die Uniformen aller Art , die sich bäumenden Rosse gleich wildempörten Fluten durcheinander wogen ; darüber Dampfwolken , die an manchen Stellen zu dichten , das Bild verhüllenden Schleiern sich ballen , und wenn sie reißen , kämpfende Gruppen enthüllen ... Dazu als Begleitung der durch die Berge rollende Lärm der Geschütze , von welchem jeder Schlag das Wort Tod - Tod - Tod - durch die Lüfte donnert ... Ja , so etwas mag zu Kriegsliedern begeistern ! Auch zu der Verfassung jener zeithistorischen Berichte , welche nach dem Feldzug veröffentlicht werden müssen , bietet die Hügelposition günstige Gelegenheit . Da läßt sich allenfalls mit einiger Richtigkeit erzählen : die Division X stößt bei N. auf den Feind ; - drängt ihn zurück ; - erreicht das Gros der Armee ; - starke feindliche Abteilungen zeigen sich an der linken Flanke des Korps u.s.w. u.s.w. Aber wer nicht auf dem Hügel durch den Feldstecher schaut , wer selber an der » Aktion « teilnimmt , der kann nie - nie etwas Glaubwürdiges über den Fortgang einer Schlacht erzählen . Er sieht , denkt und fühlt nur das Nächste ; was er nachher berichtet , ist Konjektur zu deren Veranschaulichung er sich der alten Clichés bedient . » He , Tilling , « sagte mir heute einer der Generäle , neben denen ich auf dem Hügel stand - » Ist das nicht imposant ? Ein Prachtheer , wie ? Woran denken Sie eben ? « Woran ich dachte ? Das konnte ich dem Vorgesetzten nicht gut sagen ; ich antwortete also allergehorsamst etwas Unwahres . Allergehorsamlichkeit und Wahrheit haben ohnedies nichts miteinander zu schaffen . Letztere ist ein gar stolzes Wesen : von allem Knechtischen wendet sie sich verächtlich ab . - - - - - - - - - - - - - - - » Das Dorf ist unser - nein , es ist des Feindes - und wieder unser - und abermals des Feindes , aber ein Dorf ist ' s nicht mehr , sondern ein rauchender Trümmerhaufen . Die Bewohner ( war es nicht eigentlich ihr Dorf ? ) hatten es schon früher verlassen und waren geflohen . Zum Glück - denn der Kampf in einem bewohnten Orte ist gar etwas Fürchterliches , denn da fallen die Kugeln von Feind und Freund mitten in die Stuben hinein und töten Weiber und Kinder . - Eine Familie war dennoch in dem Orte zurückgeblieben , den wir gestern genommen , verloren , wieder genommen und wieder verloren haben , nämlich ein altes Ehepaar und dessen Tochter - diese im Kindbett . Der Gatte dient in unserem Regiment . Er sagte mir ' s , als wir uns dem Dorf näherten : » Dort , Herr Oberstlieutenant in dem Hause mit dem roten Dach , lebt mein Weib mit ihren alten Eltern ... Sie haben nicht fliehen können , die Armen ... mein Weib muß jede Stunde niederkommen und die Alten sind halb gelähmt - um Gotteswillen , Herr Oberstlieutenant , kommandieren Sie mich dorthin . « - Der arme Teufel ! er kam gerade zurecht , um die Wöchnerin und das Kind sterben zu sehen ; eine Bombe war neben dem Bette geplatzt ... Was mit den Alten geschehen - ich weiß es nicht . Vermutlich unter den Trümmern begraben ; das Haus war eins der ersten , welches in Brand geschossen wurde . Der Kampf auf offenem Felde ist schaurig genug , aber der Kampf inzwischen menschlicher Wohnstätten ist noch zehnmal grausiger . Stürzendes Gebälk , aufschlagende Flammen , erstickender Rauch - vor Angst tollgewordenes Vieh - jede Mauer Festung oder Barrikade , jedes Fenster Schießscharte ... Eine Brustwehr habe ich da gesehen , die war aus Leichen gebildet . Da hatten die Verteidiger alle in der Nähe liegenden Gefallenen aufeinandergeschichtet , um , so geschützt , darüber auf den Angreifer hinwegzuschießen . Diese Mauer vergesse ich wohl im Leben nicht : ... Einer , der als Ziegel diente - zwischen den anderen Leichenziegeln eingepfercht - der lebte noch , bewegte die Arme . - - - » Lebte noch : das ist ein Zustand - im Krieg in tausend Varianten vorkommend - der die maßlosesten Leiden in sich birgt . Gäb ' es irgend einen Engel der Barmherzigkeit , der über den Schlachtfeldern schwebte , er hätte vollauf zu thun , den armen Wichten - Mensch und Tier - die noch lebten den Gnadenstoß zu geben . « - - - - - - - - - - - - - - - » Heute hatten wir ein kleines Kavalleriegefecht auf offenem Felde . Da kam ein preußisches Dragonerregiment im Trab einher , deployierte in Linie und , die Pferde fest im Zügel , den Säbel über dem Kopf , ritten sie in kurzem Galopp gerade auf uns zu . Wir warteten den Angriff nicht ab , sondern sprengten dem Feind entgegen . Kein Schuß wurde gewechselt . Wenige Schritte von einander brachen beide Reihen in ein donnerndes Hurra aus ( Schreien berauscht : das wissen die Indianer und Zulus noch besser als wir ) , und so stürzten wir aufeinander , Pferd an Pferd und Knie an Knie ; die Säbel sausten in die Höhe und kamen auf die Köpfe nieder . Bald waren Alle zu dicht ineinander geraten , um die Waffen zu gebrauchen ; da wurde Brust an Brust gerungen , wobei die scheu und wild gewordenen Pferde schnaufend stürzten , sich bäumten und um sich schlugen . Ich war auch einmal zu Boden und sah - das ist kein angenehmer Anblick - schlagende Pferdehufe eine Linie weit von meiner Schläfe entfernt . « - - - - - - - - - - - - - - - » Wieder ein Marschtag mit ein oder zwei Gefechten . Ich habe einen großen Kummer erlebt . Es verfolgt mich ein so trauriges Bild ... Unter den vielen Trauerbildern , die mich rings umgeben , sollte dies nicht auffallen , sollte