Ellbogen auf den Knien , den Kopf zwischen den Händen , kauerte sie dort . Immer vortretender ward ihr Mund , immer breiter warfen sich ihre Lippen auf , hinter denen ihr das Wasser zusammenfloß . Pfui ! Sie spuckte aus . Grausliche Narrischkeit ! - Wie übel es bekommt , ein Weib zu sein - und daß sie ein Mann wäre , mochte sie sich auch nimmer wünschen . XX Sonntags wollte Helene allein , wie sie gekommen war , die Kirche auch wieder verlassen ; als sie die breiten Steinstufen hinunterstieg , gesellte sich die Matzner Sepherl zu ihr und sprach sie an : » Grüß Gott , Kleebinderin , ich hör ja , dein Mon soll recht schlecht sein ? « Helene nickte . » Mein « , fuhr die Dirne fort , » mit ihm kannst noch a wahrs Kreuz habn ; mir scheint , er is gern krank . « » Ich wüßt nit , daß er ' s früher gwest wär ! « » O doch , hab ich nit schon einmal seiner Mutter krankenwarten gholfen ? « Die Kleebinderin blickte sie finster an . Aber Sepherl achtete es nicht und sprach weiter und wunderte dazu immer mehr mit den Augen , als überrasche sie das ruhige Zuhören der anderen oder ihre eigene Rede . » Und wann d ' nix dagegen hättst , ich sähet ' n wohl gern amal wieder und tät ' n auch öfter bsuchen , und wann dir recht wär , so ging ich dir auch an die Hand , und Übels denkst wohl nit von so einm Beisammsein ? « » Bist gscheit ? « fragte Helene . » Wann d ' ' n heimsuchen willst , werd ich dir ' s doch nit verwehren ? Und wann d ' mer beistehn willst in der Pfleg , so wünsch ich dir dafür Gotts Lohn , und Übels denken wär grad sündhaft , wo der Mann siech dahinliegt , keine argn Gedanken hat und auf keine bringt . « » So ging ich gleich mit dir . « » Is recht . Komm nur . « Als die beiden in die Hütte traten , erhob sich die alte Zinshofer von der Waschbank , worauf sie gesessen . » Er hat sich die ganze Zeit über nit grührt , nit grufen , nix verlangt « , raunte sie ihrer Tochter zu , dabei blinkte sie mit den Augen verwundert nach Sepherl und schüttelte kaum merklich mit dem Kopfe . Helene machte eine kurze , ärgerliche Bewegung , mit dem Kinne den Weg nach der Türe weisend , und nachdem die Alte duchsig davongeschlichen , drückte das junge Weib sachte an der Klinke und rief halblaut in die Krankenstube hinein : » Muckerl , schlafst ? D ' Matzner Sepherl wär da , dich heimsuchen . « Der Kranke lächelte und sagte mit matter Stimme : » Schön , is ja rechtschaffen lieb von ihr . S ' soll nur hreinkommen . Grüß Gott , Sepherl ! « » Grüß dich Gott , Muckerl ! No , was is ' s denn mit dir ? « » Was soll sein ? Aus wird ' s ! « » Geh sei nit dumm und bild dir so was ein . « » Werdn mer ja sehn , wer recht bhalt . « » Schau nur so was « , rief die Dirne Helenen zu , die an der Schwelle stehengeblieben war . » Redt er nit , als möcht er frei aus Trutz und reiner Rechthaberei halber versterbn ? ! « » Mein liebe Sepherl , jeder weiß , wie ihm is . Doch tu dich setzen , daß d ' mir das bissel Schlaf , was ich hab , nit auch noch austragst . « Während Sepherl einen Stuhl an das Bett trug , zog Helene die Türe ins Schloß und ließ die beiden allein . Sie hielt es auch fürderhin damit so und gesellte sich nie zu ihnen . Obgleich sie den Kranken mit aller Sorgfalt und Geduld betreute und Nächte durch wach an seinem Bette saß , so litt er sie doch nur ungerne um sich , schickte sie unter manchen Vorwänden hinweg , verlangte nie eine Handreichung von ihr und ließ sich nur die allernotwendigsten widerwillig gefallen , aber Helene kam ihm zuvor , sie wußte zu erraten , was ihm fehle oder wonach er verlange , worauf die etwas beschränkte Dirne nie verfiel , und setzte , was not tat , flinker und geschickter ins Werk , als es jene bei ihrer Täppischkeit imstande war ; trotzdem behagte sich Muckerl im Umgange mit der Sepherl , und diese brauchte sich dabei auch gar nicht den Kopf zu zerbrechen , denn ihr sagte er geradezu , was er wolle und sie zu tun habe , ja , er tyrannisierte sie förmlich . Als er merkte , daß er jeden Abend auf ihren Besuch rechnen konnte , untersagte er Helene , daß sie in seiner Stube Ordnung mache , das werde die Sepherl besorgen , und wenn diese dann kam , so trug er ihr das » Zsammräumen « auf und lächelte über die Ängstlichkeit und Ungeschicklichkeit der Dirne , zankte auch oft » ganz rechtschaffen « mit ihr . » Du mußt nit meinen « , sagte , als es damit anhob , Helene zu Sepherl , » ich ließ ein liederlich Wirtschaft einreißen im Haus oder mißbrauchet dein Gutheit , aber der Muckerl will dich amal zu seiner Stubendirn , und ich soll mer da drin nix mehr z ' schaffen machen . « » Aber liebe Kleebinderin « , beteuerte Sepherl , » wie könnt ich nur so was von dir denken ? ! Kranke sein oft wunderlich , und ihnen muß mer halt nachgeben . « Mit einmal ward es dem Herrgottlmacher ganz unleidlich , daß er so müßig ' n lieben langen Tag über daliegen solle , er verlangte , etwas zu schnitzen ,