Musik hatte auf meine spezielle Rekommandation den Einzugsmarsch aus dem Tannhäuser für die große Gelegenheit einstudiert ; aber sie brachte ihn leider nicht zustande , sondern brach schon an der nächsten Ecke damit zusammen und fiel natürlich wieder in die alte Leier : Heil dir im Siegeskranze , Freut euch des Lebens , Ich bin ein Preuße , kennt ihr meine Farben , und sonstige Angewohnheiten . Einerlei , es ging doch ; am Tor wurden die Fackeln angezündet , und wir marschierten mit polizeilicher Erlaubnis für den Ulk nach Bumsdorf , immer mit dem Blech und der großen Pauke voran und dem Onkel Schnödler zwischen mir und dem Steuerrat , hinter den Stadtmusikanten , doch vor dem Liederkranz . Das Dorf ist selbstverständlich bereits auf den Beinen und läuft uns mit Hurra entgegen oder erwartet uns an den ersten Düngerhaufen mit atemloser Spannung . Mit Knecht und Magd und allem , was sein ist , und ebenfalls mit Fackeln rückt der Ritter von Bumsdorf , welchem ich die nötige Instruktion zukommen ließ , aus und dem Alten vors Haus , wo wir in demselben Augenblick unter der Melodie Wir winden dir den Jungfernkranz anlangen und mit einem großartigen : Vivat Hagebucher ! Es lebe der Herr Steuerinspektor Hagebucher ! unsere Gegenwart ankündigen und den Zweck unseres Besuchs eröffnen . Ach , Leonhard , Leonhard , der schlaueste Diplomat geht immer nur so lange zu Wasser , bis er bricht , der feinste Plan hat gewöhnlich doch eine schwache Stelle , an welcher der Erfinder die Schuld trägt und die sich bei besserer Überlegung auch wohl hätte vermeiden lassen . Weshalb instruierte ich dich , mein Junge , nicht wie den Ritter Bumsdorf ? Weshalb nahm ich dich nicht mit herüber , daß du zur rechten Zeit hervortreten , die Exaltation zum Abschluß bringen und das benötigte kalte Wasser aufschütten konntest ? ! Ich kannte doch den Alten lange genug , um zu wissen , daß dein persönliches Erscheinen allem Übermaß der Gefühle den richtigen Dämpfer aufgesetzt hätte , und nie , nie werde ich es mir verzeihen , daß ich nicht daran dachte im Hotel de Prusse . - Nun stehen wir im Kreise um die Haustüre , sämtliche Hauptpersonen voran . Und der Garten ist voll , und die Landstraße ist voll von Menschen und Fackeln , und die Liedertafel hat zuerst das Wort und singt den Gefeierten an : Wir kommen ihn holen , Den bie-de-ren Mann , Den Nippenburg , ganz Nippenburg Nicht länger missen kann - und so weiter ; der Text liegt bei mir zu Hause , und ich bin verantwortlich für ihn , aber nicht für die Melodie , an welcher der Kantor Tüte von der Hauptkirche schuld ist . Tusch und Rede des Bürgermeisters , welcher sagt , daß wir hier sind im Namen der Stadt und der Gesellschaft im Goldenen Pfau und daß wir es uns zur Ehre anrechnen , hierzusein , worauf er auf die Nase fällt , wie die Musik mit meinem Tannhäusermarsch , und ich mit dem Onkel Schnödler für ihn eintrete . Ich mit dem Onkel Schnödler ! Ich als Redner und Opferpriester und der Onkel als bekränztes Opfervieh . Vetter , spreche ich , Vetter , hier sind wir , aber nicht allein im Namen der Stadt Nippenburg und des Goldenen Pfaus , sondern auch im Namen der ewigen Gerechtigkeit , und hier bringe ich das Lamm , welches so unverschämt und hinterlistig den Bach trübte . Sagen Sie ein Wort , Schnödler , oder nein , sagen Sie kein Wort , sondern lassen Sie mich reden , denn jeder weiß schon , was für ein loses Maul Sie haben . Vetter Hagebucher , mit Flöten und Fackeln , mit Pauken und Posaunen legen wir den Onkel und uns Euch zu Füßen und befehlen ihn Eurer grimmigsten Rache , uns aber Eurem innigsten Wohlwollen sowie Eurer klarsten Überlegung . Sie sehen , Vetter Steuerinspektor , wieviel Ihren besten Mitbürgern an Ihnen gelegen ist , lassen Sie also auch Ihnen an uns gelegen sein und kommen Sie wieder in den Pfau . Soeben kehre ich aus der Residenz zurück ; o wären Sie mit mir gegangen , Vetter , Sie hätten erfahren können , wie man Ihren Jungen in der großen Welt schätzt und ehrt . Fragen Sie nur den Ritter Bumsdorf , ob es nicht wahr ist ! Schönheit und Adel , Reichtum und Bildung , alles bezahlte seinen Gulden Eintrittsgeld , um ihn zu sehen , zu hören und sich über ihn zu verwundern . Er ist doch ein Stolz für Sie und Nippenburg , und er ist es um so mehr , je mehr man ihn verkannte ! Allen Sündern sei vergeben , Vetter Hagebucher , hier haben Sie den Onkel Schnödler , nehmen Sie ihn hin , nehmen Sie uns alle hin - einen Kuß der ganzen Welt - das festliche Mahl , das Mahl der Versöhnung wartet im Pfau , mit offenen Armen wartet der Ehrensessel - Hagebucher , Hagebucher senior , Würdigster aller Steuerinspektoren , da wir hier denn einmal so fröhlich beisammen sind , umarmen Sie in mir ganz Nippenburg , außer dem Onkel Schnödler , den Sie noch ganz speziell umarmen mögen ! Musik , Tusch , donnerndes Vivat ! Die Schützengilde präsentiert das Gewehr , der Liederkranz gibt seinen Gefühlen höchst unmotiviert durch das Lied Wer hat dich , du schöner Wald Ausdruck , und der Alte , der Alte hängt an meiner Schulter und schluchzt O Vetter , das ist eine gar zu große Freundlichkeit ! Ich drehe ihn , ehe er recht zur Besinnung kommt , hinunter von der Treppe in den Kreis der begeisterten Abderiten . Man schwenkt ein in die Marschlinie , und Arm in Arm mit dem Onkel Schnödler , unter Jubelruf , Trommelwirbel , Drommetenklang , begossen von dem roten Schein von hundertundfünfzig Pechfackeln , marschiert der Alte mit uns zurück nach Nippenburg , hinein in den glänzend illuminierten Goldenen Pfau ,