gewogen hätte , wenn die Tür nicht von drinnen geöffnet worden wäre , können wir nicht sagen . Aber sie wurde geöffnet , und eine hübsche junge Dame mit sehr schwarzem Haar und einem etwas aufgestülpten Näschen blickte auf den Korridor hinaus und auf den schwarzen Theologen . Sie lachte sehr über den letzteren , gab aber der Kürze der Zeit wegen keinen Grund dafür an . Hinter diesem heitern Fräulein tauchte das Gesicht Theophiles auf , und zwar mit etwas ärgerlich verlegenem Ausdruck : er schien das Gebaren der jungen Dame für unpassend zu halten und suchte sie in das Zimmer zurückzuziehen . Als er jedoch den Mann erkannte , der geklopft hatte , zuckte er die Achseln und lächelte : » Ah , du bist ' s , Hans . Komm herein ! Du durftest auch ohne Anklopfen hereintreten ! « Er flüsterte dann der jungen Dame etwas sehr ernst , fast böse ins Ohr , diese aber zuckte wiederum die Achseln - fast wie Kleophea Götz - und lachte , ohne viel auf die Worte des Doktors zu achten . Sie hüpfte zurück in das Zimmer , griff ein zierliches , rosiges Hütchen von einem Stuhl , setzte dasselbe vor dem Spiegel auf und warf zum größten Schrecken des Kandidaten der Theologie Johannes Unwirrsch aus Neustadt diesem durch denselben Spiegel eine Kußhand zu , was der Doktor Theophile Stein wieder sehr mißbilligte . Den Zipfel eines schönen großen Manteltuches reichte das Fräulein dem Kandidaten Unwirrsch und deutete ihm durch lebendige Zeichen an , daß sie ohne seine spezielle Hülfe nicht imstande sei , dieses Tuch um ihre hübschen Schultern zu legen . In seine Verlegenheit und in die weiten Falten des Schals verwickelte sich der Kandidat natürlich so sehr , daß die Heiterkeit des Fräuleins ihren Höhepunkt erreichte . Der Doktor Theophile machte der Sache dadurch ein Ende , daß er dem unbeholfenen Theologen den Umhang entriß und den Ritterdienst selber versah . Nun verbeugte sich das Fräulein sehr tief und feierlich vor beiden Herren , um jedoch in demselben Augenblick in ihre vorherige Lustigkeit zu verfallen . Wieder küßte sie die Hand gegen den Kandidaten Unwirrsch , und merkwürdigerweise rief sie ihm , obgleich er ihr gar nicht vorgestellt worden war , von der Tür aus zu : » Bonjour , monsieur le curé ! « Zierlich wie ein Vogel entschlüpfte sie , und der Doktor Stein folgte ihr auf den Gang hinaus . Noch längere Zeit vernahm Hans ihr helles Gelächter , während er sich in dem Zimmer seines Jugendfreundes umsah . » Famos ! « sagte er unwillkürlich beim ersten Blick , und dieser Studentenausruf war ganz und gar an seinem Platze . Im reichsten Maße entfaltete Moses Freudenstein den Luxus des gebildeten Mannes . Die Unordnung , die in dem Gemache herrschte , war nur scheinbar : jedes Möbel stand da , wo es stehen mußte , um zur Bequemlichkeit beizutragen . Bei einem zweiten Blick schüttelte der gute Hans freilich den Kopf ; manches gefiel ihm bei näherer Betrachtung doch nicht ganz , einige Bilder und Statuetten erregten sogar seine höchste Mißbilligung ; - die Reste eines üppigen Frühstücks auf dem Tische beunruhigten sein Schicklichkeitsgefühl viel weniger als die Tiziansche Venus , welche sich auf ihrem Ruhebett so breitmachte . » Traitre , va ! « rief die helle Stimme draußen auf dem Gange , und einen Augenblick später trat Moses in das Zimmer zurück und begrüßte nun den Jugendgenossen aufs freundlichste . » Da bist du also endlich , alter Hans ! « rief er . » Du hattest an jenem Abend , wo du aus der Wolke tratest wie ein griechischer Gott , versäumt , mir deine Karte zu geben , ich würde dich sonst jedenfalls selbst aufgesucht haben , denn ich brenne vor Neugier , zu erfahren , wie du in jene Weinstube und in diese Stadt kommst . Setze dich , Alter ; hoffentlich hast du noch nicht gefrühstückt ? « Hans dankte sehr für alle leibliche Nahrung ; sein Herz war zu voll . Über die alten Erinnerungen vergaß er alles andere , für diesen Augenblick gewann Moses den alten Einfluß über ihn in seinem ganzen Umfange zurück . Übrigens ließ ihm der Freund auch gar nicht Zeit , seine Ideen zu ordnen . » Es würde mir sehr leid tun , wenn ich dich eben gestört hätte « , hub Hans an . » Gestört ? In diesem Nest der Langeweile ? Keineswegs . Du bist mir willkommener als irgend jemand . « » Wahrscheinlich eine Verwandte von dir ? « » Des südlichen Teints , der schwarzen Locken und Augen wegen ? Du irrst dich , Schlaukopf . Es ist eine Tochter Frankreichs - echtes Pariser Vollblut , das heißt , es ist eine - eine arme Waise , eine kleine Putzmacherin - que sais je ? - , der ich in Paris allerlei Gefälligkeiten erwiesen habe und die hierhergekommen ist , um bei den Damen hiesiger Stadt ihr Glück zu machen . Denke nicht zu schlecht von mir , du frommes Blut . « Weshalb sollte Hans darum schlechter von dem Freunde denken , weil dieser sich einer armen Waise in bedrängten Umständen hülfreich angenommen hatte ? Eifrig sprach er ihm seine ganze Billigung aus und setzte hinzu , daß er etwas anderes auch gar nicht von dem Jugendgenossen erwartet habe . Moses Freudenstein freute sich sehr , die Meinung des Theologen getroffen zu haben , und das Gespräch wandte sich zu wichtigeren Dingen . Obgleich nun eigentlich Hans die meisten Fragen zu stellen hatte und obgleich Moses Freudenstein von Rechts wegen hätte Antwort darauf geben müssen , so drehte letzterer sogleich das Verhältnis um : Moses fragte , und Hans antwortete . » Nun sage , alter Knabe , wie ist ' s gekommen , daß du der Kröppelgasse untreu wurdest ? Weshalb haben sie dich nicht zum Stadtpfarrer von Neustadt gemacht , die Philister ? Was treibst du hier in Babylon ?