, Stephan , gefürsteter Graf von Malikowsky-Waldernberg , Erbherr von Letbus - in unsere Dienste trat . Die Gesellschaft war mit der tiefsten Aufmerksamkeit dem genealogischen Vortrag des gelehrten Professors gefolgt , mit derselben Aufmerksamkeit ungefähr , mit welcher eine Gesellschaft gewöhnlicher Krähen dem Bericht einer Eule über die Abstammung eines Kolkraben , der von einem Flügelende bis zum andern fünf Schuh mißt , zuhören würde . In das andächtige Schweigen ertönte urplötzlich die Stimme des Bedienten , der die Thür aufriß und in das Zimmer schrie : Sr. Durchlaucht , der Fürst von Waldernberg . Die Meldung des Bedienten elektrisirte die im Salon versammelte Gesellschaft . Im nächsten Augenblick standen Alle ohne Ausnahme kerzengrade vor ihren Stühlen , die erwartungsvollen Blicke starr nach der Thür gerichtet , durch deren weit ausgesperrte Flügel der Fürst so rasch hereintrat , daß Anna-Maria ihm nicht ganz die drei Schritte , welche die Etiquette erheischte , sondern nur einen und einen halben vom Sopha aus entgegen gehen konnte . Sie haben die Güte gehabt , Madame , sagte der Fürst im reinsten Französisch , indem er der Baronin leicht die Hand küßte , mir mit einer Einladung zuvorgekommen , bevor ich Gelegenheit hatte , mich dieser Aufmerksamkeit würdig zu machen . Verstatten Sie mir , daß ich versuche , das Versäumte nachzuholen . Ein Versuch , mein Fürst , antwortete Anna-Maria mit ihrem huldvollsten Lächeln , ebenfalls auf französisch , der bei einem Cavalier , wie Sie , des Erfolges sicher ist . Erlauben Sie , daß ich Ihnen die Gesellschaft vorstelle . - Der Baron , mein Gemahl - Herr und Frau von Barnewitz - Herr und Frau von Cloten - Ich habe bereits die Ehre - sagte der Fürst lächelnd . Professor Jäger - ein vortrefflicher Gelehrter und treuer Freund unseres Hauses ; Frau Professor Jäger , eine Dame , deren poetisches Talent Aufmunterung verdient . Der Fürst verbeugte sich gegen jede der ihm vorgestellten Personen mit Würde und Höflichkeit , und gab , indem er neben Anna-Maria auf einem Lehnsessel Platz nahm , das Signal zum Niedersitzen . Der Fürst und die Baronin nahmen die Kosten der Unterhaltung im Anfang fast ausschließlich auf sich , bis es Hortense gelang , sich durch eine dazwischen geworfene Bemerkung des Wortes zu bemächtigen und es eine Zeit lang zu behaupten , zum größten Aerger Emiliens , die ihrer Gegnerin diesen Triumph unbestritten lassen mußte , da sie sehr mangelhaft französisch sprach und der rapiden Rede der Nebenbuhlerin kaum zu folgen vermochte . Hortense , welche Emiliens Schwäche kannte , trieb die Bosheit sogar so weit , sich alle Augenblicke mit einem qu ' en dites vous , chère amie ? n ' est ce pas , Emilie ! an sie zu wenden und sie so zu Antworten zu zwingen , die mindestens in der Form sehr viel zu wünschen ließen . Der ältern der beiden Damen gewährte dieser Triumph über ihre jüngere Rivalin ein Vergnügen , das sich zum Entzücken steigerte , als der Fürst Emilie zuletzt kaum noch beachtete und sich ganz dem Reiz von Hortense ' s pikanter Unterhaltung hingab . Indessen war Emilie zu keck und leichtsinnig , um sich durch eine momentane Niederlage um ihren guten Humor bringen zu lassen . Der Fürst war , obgleich sie ihn vorhin , ihre Nebenbuhlerin zu ärgern , so gerühmt hatte , gar nicht nach ihrem Geschmack , und wenn er nicht , wie er es gestern den ganzen Abend gethan , deutsch mit ihr sprechen wollte , so mochte er es bleiben lassen . Sie hatte schon während der ganzen Visite eine Gelegenheit erspäht , mit Frau Professor Jäger in ' s Gespräch zu kommen , von der sie vermuthete , daß sie ihr Nachricht von Oswald , den sie seit dem letzten Zusammentreffen neulich Abend nicht wieder gesehen hatte , geben könne . So benutzte sie denn jetzt den günstigsten Augenblick , wo der Fürst sich mit Hortense und der Baronin , der Baron mit dem Professor , und von Barnewitz mit ihrem Gemahl unterhielt , um sich bei Primula nach dem jungen Manne , der im Sommer bei Grenwitzens Hauslehrer war , Fels glaube ich , oder Berg , oder wie er sonst hieß , zu erkundigen , da eine ihr bekannte Familie einen Erzieher suche . Emilie hatte sich nicht geirrt ; Primula konnte über Herrn Stein - nicht Fels , obgleich er ein Felsenherz hat , nicht Berg , obgleich er berghoch über anderen Männern steht , - ganz genaue Auskunft geben . Er komme fast alle Tage zu ihr ( Oswald war einmal dagewesen ) ; er sei wie ein Kind im Hause und ihr in treuer Freundschaft ebenso verbunden , wie im gleichen Streben nach dem Höchsten . Sie glaube freilich nicht , daß Oswald jetzt eine Stelle annehmen werde , da er in den » dumpfen Banden der Schule schmachte , « indessen sie wolle ihm das Anerbieten mittheilen . Thun Sie das lieber nicht , beste Frau Professor , sagte Emilie nach kurzem Bedenken ; Sie wissen , daß Herr Stein - wie konnt ' ich doch den Namen vergessen ! - nicht ganz friedlich aus unserem Kreise geschieden ist . Er möchte das Anerbieten , wenn es ihm so gebracht wird , ohne weiteres zurückweisen . Können Sie nicht - wie machen wir das nur ? - ja ! so geht ' s ! Können Sie es nicht so einrichten , liebe Frau Professor , daß ich , wie zufällig , einmal mit Herrn Stein bei Ihnen zusammentreffe ! Ich habe so schon lange den Wunsch gehabt , einmal den Arbeitstisch der Dichterin der » Kornblumen « zu sehen ! Sie entzücken mich durch Ihre Güte , rief Primula , ich kann nur , wenn Sie wirklich in meine einfache Hütte treten wollen , mit dem Zeus der getheilten Erde sprechen : so oft Du kommst , sie soll Dir offen sein . Emilie war so in dies interessante Gespräch vertieft ,