glaubt , was sie hört und was sie mitbetet , so ist sie mutig . Die gnädige Baronin sollten sich darüber freuen und auch etwas Mut fassen . « Regina kam aus dem Garten zurück und sagte : » Ich gehe jetzt wieder zu Onkel Levin . Werd ' ich aber abgerufen , so bitte ich Sie , Herr Ernest , mich bei ihm zu ersetzen und dafür zu sorgen , daß er sich weder erschrecke noch ängstige . Welch Glück , daß er gartenwärts wohnt . « » Nein ! « rief die Baronin sich ermannend ; » dann gehe ich zu ihm und Herr Ernest bleibt an Deiner Seite . « » Wenn Du mir versprichst , Onkel Levin nicht zu beunruhigen , liebe Tante , « wendete Regina ein und verließ den Salon . Sie ging zuerst in die Kapelle , um sich daran zu erinnern , wer unter dem Dach ihres Vaterhauses weile . Du bist es , o göttlicher Heiland , flüsterte sie vor dem Tabernakel niederknieend ; und Du hast gesagt : » Gebet dem Kaiser , was des Kaisers ist und Gott , was Gottes ist . « Aber verwilderte , abtrünnige , ungläubige Menschen nehmen die Rechte , die den Fürsten gehören , und daß Du , gnadenreicher Herr , noch ganz andere Rechte habest - und daß sie diese mit Füßen treten : darauf sind sie stolz . Und solchen Menschen soll man aus Furcht nachgeben ? Nimmermehr ! Ich fürchte mich nicht » vor Denen , die nur den Leib töten können , « wenn ich » im Schatten Deiner Flügel wandele . « Als Regina die Kapelle verließ , war es fast ganz dunkel , umsomehr , als sich ein schweres Gewitter über den westlichen Himmel und den Sonnenuntergang gelagert hatte . Sie wollte die Treppe hinauf steigen - da trat ein Diener rasch von Außen in die Halle und meldete , unten im Hof sei eine Truppe von Männern , die den Grafen oder sonst jemand im Schloß zu sprechen begehrten . » Gut , « sagte Regina , » lassen Sie sie nur kommen ; ich werde ihnen auf dem Perron entgegen gehen . « Sie eilte in den Salon und rief : » Nun , liebe Tante , auf Deinen Platz ! zu Onkel Levin . « Die Baronin und Corona flogen beide auf sie zu und umschlangen sie , um sie festzuhalten . » Zu Onkel Levin ! « sagte Regina dringend und suchte sich los zu machen . » Nein , nein , nein ! « stammelte die Baronin wie besinnungslos vor Angst . » So wollen wir in die Kapelle gehen , « sagte Regina , und zog beide rasch dahin . Als sie aber eingetreten waren , floh Regina mit einer schnellen Wendung hinaus und schloß die Türen von außen zu . Das alles ging blitzgeschwind vor sich . In der Halle stand Brigitte und warf eine Mantille um Regina ' s Schultern . » Wer ist bei Onkel Levin ? « fragte Regina . » Herr Ernest . « » Ah , das ist gut ! « sagte sie und ging durch die Halle auf den Perron , wo sie stehen blieb , während eine Truppe von zwölf bis fünfzehn Männern durch den Hof auf den Perron zuschritt . Sie trugen das beliebte Kostüm des Tages , Blousen , wilde Bärte , Schlapphüte und hatten rohe , gemeine Gesichter . Vor dem Perron machten sie Halt , denn Regina trat ihnen entgegen und sagte : » Sie haben meinen Vater sprechen wollen ; er ist verreist . Was wünschen Sie von ihm ? « » Wir wollen nach Holstein ziehen , « sagte der eine . » Und nach Baden ! « rief der andere . » Nein , nach Holstein ! « » Ich bitte allen Lärm zu vermeiden , « sagte Regina , » und möglichst kurz zu sagen , was Sie von meinem Vater wünschen . Wir haben einen Schwerverwundeten im Hause , der nicht beunruhigt werden darf und den ich nicht gern verlasse . « » Wir wollen also für die Einheit und Freiheit des deutschen Volkes überall kämpfen , wo sie bedroht wird . Dazu brauchen wir Waffen , Flinten , Säbel , Pistolen - und da sich hier ein förmliches Waffendepot befindet , so kann es zu gar keinem besseren Zweck verwendet werden , als zur Volksverteidigung . « » Sie sind im Irrtum über ein Waffendepot . Mein Vater besitzt nur Jagdgewehre , und eine Sammlung von altertümlichen , seltenen , für den Krieg ganz unbrauchbaren Waffen . « » Mit denen aber doch auf das Volk eingehauen und geschossen werden kann ! « » Mein Vater schießt auf Wild , nicht auf Menschen . « » Da jetzt die Grundrechte dem Volk die Jagd frei gegeben haben : so wird er seine Gewehre nicht mehr nötig haben und andere können sie besser brauchen - vorzüglich in den edlen Freiheitskämpfen . « » Ich bedauere , Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können , indem mir nicht das Recht zusteht , über den Besitz meines Vaters zu verfügen - was Sie ganz in der Ordnung finden werden . Ich darf nichts fortgeben , was mir nicht gehört . « » Sie brauchen es auch gar nicht zu geben , « rief derjenige , welcher den Freischarenzug nach Baden statt nach Holstein führen wollte , und schlug mit der Faust seinen Hut tiefer auf die Stirn . Wir borgen es ! « » Auch dazu hab ' ich kein Recht . « » So nehmen wir es ! « schrie der Mensch . » Dazu haben Sie kein Recht , « sagte Regina mit unverändert gelassenem Tone , wendete sich dann wieder zu dem Wortführer und setzte hinzu : » Sie sehen also , daß ich nicht im Stande bin , Ihren Wunsch zu erfüllen . Da nun die Nacht einbricht , das Gewitter heraufzieht und