Auch auf der Treppe und im Corridore begegnete ihm Niemand , doch wehte hier schon eine behagliche Wärme , aus unzähligen Kaminen hörte man Feuer knistern und lodern . Jetzt steckte er leise seinen Kopf durch die eine Flügelthür , da es ihm war , als ob er hinter derselben sprechen höre , und der Narr machte eines seiner eigenthümlichsten halb schlauen und halb verblüfften Gesichter bei dem Gewahren einer Gruppe , die er gerade jetzt nicht erwartet hatte . Auf dem gelbplüschenen , mit Gold gestickten Divan saß Elisabeth - Kunz erkannte sie noch sehr wohl , auch wenn er sie nicht hier als die Herrin des Hauses erwartet hätte . Er hatte sich auch die Schönheit von Nürnberg recht gut gemerkt , die seinen königlichen Herrn wie mit Zauberschlingen an sich gezogen und doch verstanden hatte ihn in Schranken zu halten , daß es bei einer ehrbaren Huldigung verblieben war , und jetzt , da der Schalk sie wiedersah , fand er sie nicht minder reizend und meinte , daß man lange suchen könne unter den deutschen Fürstinnen , bis man eine fände , die sie an angeborener Majestät übertreffe . Freilich , fügte er hinzu , scheut sie sich auch nicht sich gleich einer Königin zu schmücken . Sie trug ein Kleid von kornblumenblauem Brokat mit einem breiten Besatz von weißem Pelz um seinen Saum , die eng anliegenden Aermel waren gleichfalls mit Pelz besetzt , so daß die kleine weiße Hand sich fast darin zu verlieren schien . Ein gleicher Pelzbesatz lief um den Ausschnitt des Kleides , in der Mitte der Brust von der funkelnden Demantrose des Königs gehalten . Eine dicke goldene Schnur mit großen Quasten schlang sich um die Taille des Schneppenleibchens . Ein Kopfputz von blauem Sammet und weißen Federn schmückte ihr Haupt , dessen glänzend kastanienbraunes Haar in üppigen Locken zum spielenden Schleier des blendend weißen Nackens ward . Vor ihr kniete ein Mann von mittlerer Größe , in ein Wamms von kirschbrauner Farbe gekleidet , aus dessen Aermelschlitzen weiße Puffen hervorsahen , ebenso waren die Beinkleider , die Stiefel von gelbem Leder mit kleinen Sporen . Ein Degen hing an seinem Gürtel und ein kleiner schwarzer Sammetmantel um seine Schultern . Ein hohes Baret von schwarzem Sammet lag neben ihm auf dem hohen Lehnstuhl . Kunz vermochte sein Gesicht nicht zu sehen , das küssend auf Elisabeth ' s Hand ruhte , indeß ihre andere auf seinem kurzgeschnittenen dunklen Haupthaar lag . Sie hatte sich vorwärts über ihn gebeugt , ihr Gesicht glühte und verrieth gleich dem unruhig wallenden Busen die innere Bewegung . Sie hatten beide geschwiegen , ehe Kunz geöffnet hatte , und bemerkten ihn dennoch nicht , Eines im Andern verloren , so daß er Elisabeth sagen hörte : » Celtes ! steh ' t auf ! Wohl ist es oft mein stilles Verlangen gewesen Euch wiederzusehen , wie es mein größtes Glück war , wenn ich von Euch las und Euren Namen preisen hörte ; aber ich durfte es nur dann wünschen , wenn diese Begegnung geschehen konnte , ohne die alten Schmerzen und Kämpfe aufzuwühlen ! - Seh ' t , ich trage ein Joch , das mir Pflichten auferlegt , und da es denn einmal mein Loos , so ringe ich Tag und Nacht danach , daß ich es mit Würde trage und mir selbst nicht noch mehr Unheil bereite , als das Schicksal schon über mich verhängt . Ihr seid ein Mann ! seid frei von kleinlichen Rücksichten und Pflichten , seid immerdar der Herr Eurer eigenen Handlungen und Niemanden davon Rechenschaft schuldig denn Euch selbst . Ein leichteres Loos ist Euch zu Theil geworden und ein erhabenes dazu . Die edle Poesie hab ' t Ihr zur göttlichen Lebensgefährtin empfangen , und Euer herrlicher Beruf ist ' s , die deutsche Jugend zu vaterländischem Sinn zu entflammen und vom Zwange inhaltloser Formen zu den lebensvollen Ideen des Humanismus zu führen - geb ' t Euch an dies Streben mit ganzer freier Kraft dahin , und nach Jahrhunderten noch wird man Euer Andenken feiern . Wer berufen ist zu leben für Jahrhunderte und für die Menschheit , der muß darauf verzichten können , dem Glück des Augenblicks und seinem eigenen Herzen zu leben ! « Konrad Celtes , der erst vor wenigen Augenblicken bei Elisabeth eingetreten , und auch nur erst an diesem Morgen mit seinem Gönner , dem Bischof von Worms , angekommen war , hatte zwar gemeint , er könne ihr nun ruhig und als Freund begegnen . Aber vor ihrer lebenswarmen Gegenwart waren alle früheren Empfindungen wieder in ihm aufgewacht und er hatte sie in seine Arme schließen wollen . Elisabeth , mit dem feinen Ahnungsvermögen eines liebenden Frauengemüthes , oder wenn man will , mit dem klugen Abwägen aller kleinen Möglichkeiten , das Künftige aus dem Gegenwärtigen berechnend , hatte zuweilen daran gedacht , daß Celtes wohl einmal in sein liebes Nürnberg zurückkehren werde , ja sie hatte es jetzt gewünscht - aber viel weniger aus persönlichem Interesse , sondern weil sie es für Celtes als ein Glück betrachtete , wenn König Max mit ihm zusammenkam und ihm seine Aufmerksamkeit schenkte , und wie hätte das besser geschehen können , als jetzt , wo der König in ihrem Hause wohnte und der Kaiser , der ihm zum Dichter krönen ließ , selbst in Nürnberg weilte . Ja , sie hatte lange mit sich gekämpft , ob sie nicht Celtes um dieses Glückes Willen eine Botschaft senden solle , herzukommen ; aber sie hatte doch eine Mißdeutung derselben gefürchtet , ja sich selbst nicht recht getraut , ob nicht persönliche und unrechte Empfindungen dabei im Spiele wären , und darum Alles dem Schicksal überlassen . Immerhin aber hatte sie sich auf diese Möglichkeit vorbereitet und sich mit der ganzen weiblichen Würde ihres Wesens gewaffnet , um sich für ein Wiedersehen mit Celtes gerüstet finden zu lassen , damit es ihr gelinge , nicht nur sich selbst zu bezwingen , sondern