, heißt der ! Gott sei Dank ! Sie lenken ein ! Bleiben Sie auf der Fährte ! Oder der Feldwebel seines Sohnes , der in der dritten Compagnie des Leibregiments steht , unter dem Major von Werdeck ... Bartusch ! Gegen solchen Trotz und den Stolz der Dummheit vermag keine Drohung Etwas ; sagte Bartusch immer ruhig . Berichten Sie ' s nur , beschied die Mutter , Herrn von Reichmeyer ! Er war über diesen Sandrart am meisten indignirt .... Was das Schloß anbetrifft , fuhr Bartusch unerschütterlich fort , so scheinen Herr und Frau Commerzienrath von Reichmeyer sehr angenehm geruht zu haben . Sie sind schon früh im Felde spazieren gegangen , haben mit Arbeitern herablassend gesprochen und sich die Wirthschaftsgebäude wiederholt angesehen . Man kann daraus schließen , daß von dieser Seite der Gedanke , Hohenberg anzukaufen noch immer nicht ganz fallen gelassen wird . Die Mutter nickte .... Lasally - fuhr Bartusch fort ... Was Der gethan oder nicht gethan , können Sie überschlagen ! rief Melanie , aufs Äußerste gereizt . In der That weiß ich auch nichts Weiteres von Lasally , sagte Bartusch gemüthlich , als daß er noch schläft und sich gestern Abend über Ihre Coquetterie bitter beklagt hat . Ein Opfer derselben - Mehr Thatsachen , weniger Betrachtungen ! Ein Opfer derselben , wiederholte Bartusch sehr nachdrücklich , der Pfarrer ... Guido Stromer ... Guido Stromer soll gestern Nacht noch Veranlassung zu einer häuslichen Scene gegeben haben . Ob Eifersucht der Gattin , Verzweiflung über seine seit dem Tode der Fürstin nicht mehr besonders gesicherte Lage oder ob die Wirkung des Champagners - Bei diesen Vermuthungen klopfte es . Man wollte die Störung nicht , deshalb sprang Melanie , ihr ungeordnetes Haar zusammenraffend und über die halboffene Brust zusammenschlagend , an die Thür des Zimmers , um zuzuriegeln . Doch war es nur ihr Mädchen Jeannette , die , schon zierlich geputzt , einen großen Blumenstrauß in der Hand hielt . Das Geschenk kam vom Pfarrer und war als Morgengruß für Fräulein Melanie Schlurck bestimmt . Jeannette lächelte bei dieser Meldung etwas maliciös . Da sieht man die Ursache des gestrigen Zanks , bemerkte Bartusch , als Jeannette auf später beschieden wurde und sich mit feiner Miene entfernt hatte ; im Entzücken über den erlebten Abend wurde von ihm beschlossen , heute früh wieder ein Blumenbouquet hierherzusenden , und dieser Plan gab ohne Zweifel die Veranlassung zu einem Ausbruch längst verhaltener Gefühle . Während die Mutter den großen frischduftenden Strauß zertheilte , um ihn vorläufig in die kleinen Wassergläser , die mit dem Frühstück gekommen waren , setzen zu können und kein weiteres Klingeln erst nöthig zu haben , sagte Melanie , die das Geschenk mit aufrichtiger Theilnahme entgegengenommen hatte : Und wer weiß , kluger Mann , ob diese Blumen nicht heute ganz früh in der Stille im Pfarrgarten gepflückt wurden , während die gute treue Gattin und die fünf Schreihälse von Kindern noch schliefen ! Laßt mir den Pfarrer ! Und die gestrige Scene ? fragte die Mutter . Die stille Frau , die hier saß , als könnte sie nicht Fünf zählen und zu Allem lächelte , sagte Bartusch , hat einen Anfall von Leidenschaft gehabt und sehr geweint . Stromer aber schlug auf die Tische , drohte mit allen möglichen Entschließungen und die Kinder , aufgeschreckt aus den Betten , in denen sie schon schliefen , warfen sich zwischen die beiden Streiter und suchten Frieden zu stiften , bis die Hunde der Mühle anfingen zu bellen und die Eheleute zur Besinnung auf die geistliche Würde des Hauses zurückriefen . Die Frau schwieg , aber , wie sie gesagt haben soll , nur aus Schonung für die kranke Müllerin . Unglückliches Bild der Ehe ! seufzte Melanie ' s Mutter , die zwar aus ihrem eigenen Leben solche Scenen nur von ganz früh kannte , die Welt aber hinlänglich beobachtet hatte , um dergleichen Nachspiele zu einem heitern gesellschaftlichen Abende , wo der Mann mit der Frau , die Frau mit dem Manne nicht vollkommen zufrieden war , zu verstehen . Melanie aber , aufgeregt , sagte noch nachdrücklicher : Laßt mir nur den Pfarrer gehen ! Guido Stromer kommt mir vor , wie ein Apfelbaum , dem , nachdem er lange keine Früchte getragen hat , plötzlich einfällt , im November zu blühen ! Der Mama gesteh ' ich ' s , er hat mir gar nicht misfallen . Er ist nicht schön und schon über die Jahre hinweg , wo man noch eines angenehmen Eindrucks durch sein Äußeres gewiß ist , und dennoch besitzt er eine Frische , die auf ein nur gehemmtes , nicht erstorbenes Bedürfniß zur Lebensfreude schließen läßt . Ich denke der Zeit , wo die kleinen Linien , die ich da im Spiegel im Zorn über Bartusch ' s mich quälende Grausamkeit schon mit feinen Strichen auf der Stirn und den Schläfen gezeichnet sehe , einmal auch garstige Furchen sein werden , die weder Schminke noch ein Schönheitswasser fortjagen kann ! Da wär ' es vielleicht nur der Verstand , der sie auslöscht . Jung erhält nur der Geist . In dem Pfarrer schlummert viel . Das du doch nicht etwa wirst wecken wollen ? sagte fast erschrocken die Mutter . Warum nicht ich ? Jeder ! antwortete Melanie . Guido Stromer hat große schöne Augen , die er oft so gewaltig lüftet , als sollte man in eine ganz helle Krystallwelt sehen , auf der Alles anders aussieht , wie auf der unsern . Wenn der Mann mich lange und prüfend betrachtet , fühl ' ich Etwas von den Vampyren , die schon mit ihren Blicken Andern das Leben aussaugen . Verpflanzt doch nur einmal einen solchen Mann , wie mir Siegbert Wildungen ja von einem lateinischen Schulmeister , dem großen Winkelmann , erzählt hat , verpflanzt ihn aus einem Städtchen in der Priegnitz oder Altmark von seinen Büchern und seinen häuslichen Jämmerlichkeiten hinweg nach Rom und zu den Göttern Griechenlands