? - Ach - so deutlich steht es geschrieben in meiner Brust ! - Gefaßt und besonnen muß der Geist sein , - das weiß ich - und das Herz ist oft ein ungeduldiger Kranker , aber der Geist wird auch alles für es aufbieten , und eine Höhe muß es geben , wo grade durch den Geist es mit allem Leiden versöhnt werde . - Das denke , wenn es zu hart Dich bedroht , lasse Dir nicht schwindeln und denk , daß Begeistrung immer das höchste Erdenschicksal ist , und daß die aus dem Schmerz sich erzeuge , wie aus der Freude . - Und mag ' s kommen , wie ' s will , so sollen zu Helden wir uns bilden , mit der Freude wie mit dem Schmerz unsre Freiheit erkaufen . - O kommt mir das Feld der Schicksale doch vor wie der Blumengarten Gottes , wo jede Knospe in ihren eigentümlichen Farben sich erschließt , der weise Gärtner gibt Schatten den einen und Kühle und harten Boden , den andern Sonne und fruchtbare Erde , so wie jedes bedarf zum Blühen . - Und das Blühen ist ja die Erfüllung aller Sehnsucht . Drum lasse uns das Leben lieben , weil es uns zu dieser Blüte bringt , und denken , die Wolke über uns schütte sich aus , den Staub von uns abzuwaschen , und daß dann die Sonne aufs neue uns anglänzt . Ich bin traurig - ich kann nicht von Dir los - Dein Lied schmerzt mich - ja es weckt Melodien - aber so schmerzliche - daß ich in ihrem Gesang den Widerhall Deines Wehs empfinde und mich schäme , daß ich so heiter war diese Zeit über , an jedem Weg mir Blumen sammelte und Dir zuwarf in Scherz und Übermut , und das war schlecht lieben gelernt von mir , wo ich doch herausgezogen war , um dieser Schule mich ganz zu widmen . Was werd ich dem Clemens sagen , wenn er auf meine Bildung zu sprechen kommt ? - Ich freu mich sehr auf den Clemens , das wird mich für Dein Fortlaufen trösten , ich mag gar nicht dran denken , daß Du mit so viel Menschen umgehen kannst , mit denen ich kein ungescheut Wort zu sprechen vermag . - Wie ist mir doch Hören und Sehen verkürzt durch Dein Weggehen ! - Gestern abend noch blies mir die hundertjährige Cousine das Licht aus , ich solle nicht die ganze Nacht durch schreiben , meinte sie , oder sie wolle es der Großmama sagen , daß ich meine Gesundheit verderbe , ich hatte einen Schachteldeckel vors Licht gestellt , daß sie ' s nicht sehen sollt durchs Schlüsselloch , aber sie bemerkte den Widerschein ; - ich sagte : » Sie alte Hundertjährige , was will Sie mit mir auf der Welt , Sie kann doch unmöglich noch einmal hundert Jahr leben , dann gehen wir zusammen . « - » Nein , wenn Du ' s so machst , dann kannst Du mir nit e mal Quartier bestellen , ich überleb Dich hundertmal . « Ich mußt mir ' s gefallen lassen , das Licht war aus , ich nahm sie aber dafür auf den Arm und trug sie mitsamt ihrem Laternchen hinunter auf ihren Ledersessel . Sie schrie erst , ich werde sie die Treppe herunterwerfen , aber mitten in der Todesgefahr war sie vor Angst ganz still , unten auf dem Sessel wollte sie anfangen zu zanken , ich nahm aber ihr Federbett und warf ' s ihr auf den Kopf und lief fort . - Jetzt kommt sie gewiß nicht wieder . - Obschon ich müde war , hätt gern noch geschrieben , was ich jetzt nicht mehr weiß , heut schwärmt mir ' s nur vor Augen und Ohren , daß Du nicht mehr auf Deinem alten Plätzchen meine Briefe bekommen sollst . Die Großmama hatte gestern einen Anfall von Schwindel , ich mag nicht nach Frankfurt verlangen , und auch mag ich nicht hin , was soll ich dort , wenn Deine Haiden , Deine Holzhausen , Deine Nees Dich in Beschlag nehmen ! - Ich glaubte , ja wahrhaftig , ich glaubte , ich wär Dir lieber wie die andern und es wär Dir Ernst mit unsrer religiösen Weltumwälzung , wie ' s auch mir ist , und so war ' s auch recht von Gott angeordnet , daß wir beide nicht beisammen und doch so nah waren , daß jeden Tag unsere Briefe sich erreichten , so kam es doch zu Papier , sonst hätten wir ' s verschwätzt . Was hilft ' s ! - Übermorgen gehst Du bis Würzburg , das liegt außer der Welt , und läßt mich hier auf dem Dach vom Taubenschlag schmachten . - Wenn Du gut sein willst , so komm morgen früh um sieben Uhr auf die Gerbermühl ; hierher komme nicht , weil die Großmama unwohl ist , da ich jetzt immer in ihrem Vorzimmer bin , aber bis morgen um zehn Uhr , wo ich erst zu ihr gehe , kann ich mit Dir sein , um sechs Uhr geh ich auf die Gerbermühl , der George läßt Dich hinfahren , ich hab ' s ihm geschrieben . Hinter der Mühl in dem langen Heckengang auf dem Stein am Kreuz wollen wir uns ein bißchen hinsetzen zusammen , Du kannst nach der Stadt zurückfahren , Du kannst auch das Kabriolett zurückschicken und zu Wasser heimfahren , das wär mir lieber , damit Du nicht ängstlich sein sollst , ums Kabriolett halten zu lassen , solang mir beliebt . Ach , am Sonntag hab ich auch eine Wasserfahrt gemacht mit Jeannot und Dorwille auf Bernhards Nachen hinter dem Schiff mit der Harmonie , alles war in Scherz und Liebesreden begriffen , wenn die Musik pausierte , ich aber hatte keinen Anteil dran , der Gärtner saß am Steuer , dem wollt ich nicht Leid tun , er