' n Abschied nimmt , überwältigt schlug das feurige Kind die Hände zusammen , und Leonin ' s Augen suchend , rief sie : » O , wie göttlich schön ist es , solchen Schmerz zu fühlen ! « Leonin eilte ihr näher , aber ein schnell hervorbrechendes Schluchzen des holden Wesens zeigte ihm , wie tief die poetische Erschütterung war , die sie erfahren , und er schämte sich fast , mehr ihrer Schönheit , als der herrlichen Dichtung gedacht zu haben . Doch sollte ihm keine Zeit bleiben , ihr seinen halben Antheil zu verbergen . Schritte wurden im offenen Nebenzimmer gehört ; der Graf ging dem eintretenden Kammerdiener entgegen und nahm ihm einen Brief ab , der so eben aus Paris mit einem reitenden Boten angekommen war , der Tag und Nacht den Weg gemacht hatte . Es durchzuckte Leonin , als er , den Lichtern näher tretend , durch wenige Zeilen des Marquis de Souvré von dem tödtlichen Erkranken seines Vaters benachrichtigt ward , und dem Begehren desselben , seinen Sohn noch einmal zu sehen . Er erhob den Blick von dem verhängnißvollen Blatte zu Fennimor empor , die ihn gespannt beobachtend noch an derselben Stelle saß ; er wollte noch ein Mal den Eindruck zurückrufen , dem er sich einen Moment früher so ganz hingegeben fühlte , aber schon hatte der Ausdruck seiner Züge , die sie so scharf beobachtet hatte , von ihrem Gesichte jene poetische Verklärung verwischt , die nur eben in dem Zurücktreten unserer eigenen Existenz Raum findet . Ahnungsvoll blickte sie ihn an , und er fand keine Worte ; stumm reichte er ihr den Brief , dessen Inhalt , in wenigen Worten bestehend , sie eben so schnell überflogen hatte . Fennimor erblaßte wie der Tod , und einen Augenblick schien der ungeheure Schmerz ihre Gestalt mit Erstarrung zu berühren . Leonin wagte nicht , sie länger anzublicken ; gebeugt stand er , an das Pult sich lehnend . - Da hörte er , wie sie aufstand ; bald sah er sie vor sich stehen . » Leonin , « sagte sie leise , aber fest und innig , » das ist Gottes Gebot ! Dein Vater ruft Dich ! - Du mußt fort - schnell reisen ! O , eile , eile , damit er Dir seinen Segen giebt , Du nicht , wie ich , die stumme , kalte Leiche findest ! « - » Fennimor , heil ' ger Engel , Du sendest mich selbst von Dir , Du willst mir das Allzuschwere mit Deiner frommen Kraft erleichtern ! « - » Ja , Leonin , das will ich , und Dich rüsten helfen , damit Du schnell Deinen Weg antreten kannst , und will standhaft sein und Dich nicht entkräften durch meinen Weiberschmerz , damit Du ein Mann bleibst , ein Held , wie Cid - das hätte Ximene auch gethan . « » Ha , « rief Leonin und drückte sie an seine Brust - » Corneille , welch ' ein Lorbeer sproßt heute um Deine Stirn ! Das ist Dichterberuf , die Begeisterung hervorzurufen , die das empfängliche Gemüth Dir nachfliegen macht und dem Leben den Karakter der Erhabenheit aufdrängt , mit dem Du es erfüllt hast ! « Sie sah ihn fragend an - sie wußte es nicht , daß es so war - aber , als sie an ihm vorüber aus dem Zimmer schwebte , die Worte zu verwirklichen , war in ihrer Gestalt eine Sicherheit und Ruhe , eine Erhabenheit , als schwebe der Goldreif Ximenen ' s um ihr jugendliches Haupt . - Und so hatte der helle Dezember-Morgen kaum den leichten Frost der Nacht in Thautropfen verwandelt , da zog durch das Thal von Ste . Roche der beflügelte Reisezug des jungen Grafen Crecy , und aus Eudoxiens Thurm wehte ein weißer Schleier als letzter Liebesgruß , während die fromm beherrschten Thränen jetzt wie Bäche aus den schönen Augen Fennimor ' s , vielleicht auf dieselbe Fensterbrüstung fielen , wo einst Eudoxia dem königlichen Geliebten nachgeweint . Zweiter Theil Das Gefühl , seinem sterbenden Vater entgegen zu eilen , verschlang jede andere Betrachtung in dem jungen Grafen von Crecy , und so war er weit davon entfernt , an die schwierigen Verhältnisse zu denken , mit denen er sich unter andern Umständen beladen gefunden haben würde . Eile war das Einzige , was er nöthig zu haben glaubte , und die Thürme von Paris tauchten aus dem Nebelmeere rauchender Essen und dem Dunstkreise einer zusammengedrängten Volksmasse schon am Abend des dritten Tages vor dem ungeduldigen Sohne auf , und übten auch auf ihn die magische Wirkung einer von Sehnsucht und Freude gemischten Rührung aus , von der sich vielleicht Keiner ganz losgegeben fühlen wird , der nach langer Abwesenheit die Vaterstadt zuerst wieder sieht . Die schmerzliche Erwartung , der er entgegen eilte , verschwand vor dem Anblicke dieser bekannten Spitzen und Kuppeln und machte einem kurzen Aufjauchzen seiner Brust Platz ; und als ob ihn schon geliebte Augen anlächelten , so blickte er zärtlich auf ihre im Nebel schimmernden Riesenbilder . - Es war ihm , als würde er sich seiner selbst erst bewußt , als wäre Alles , was er erlebt , bloß darum erlebt , um es hier durchzufühlen , an dieser Stelle ihn zu dem zu erheben , was er in unbestimmten Umrissen kreisen gefühlt hatte von Jugend auf ; und als ob sie die erste uud unabweisliche Autorität wären , die ihn zur Rechenschaft ziehen könnte , so bang bewegt ward sein Herz , obwol sie ihm zugleich eine Verheißung von versöhnender Liebe , ein Verständniß mit ihm und allen seinen Zuständen erschienen , wie jedes andere Gefühl dagegen zu einem fremden und oberflächlichen ward . Es sind auch gerade diese , an unser frühestes , harmlosestes Bewußtsein geknüpften jugendlichen Erinnerungen , welche den unaussprechlichen Zauber weben , von dem wir uns beim Wiedersehn des Vaterlandes ergriffen fühlen . Es ist die Hoffnung ,