der Erläuterung beizufügen . « » Kann uns ein Dritter begleiten ? « fragte ich den Rächer des Judenthums . » Wenn er Mann genug ist , um nicht zu erröthen vor einem nackten Geheimniß . « Oskar begleitete mich und den Juden , dessen Haus wir in wenig Minuten erreichten . Dunkle Gänge waren überfüllt mit Waarenballen , Kisten und Kasten . Ueberall herrschte Ordnung , aber auch eine öde fröstelnerregende Todtenstille . Ein geräumiges Gemach nahm uns auf , ausgeschmückt mit allen Luxusgegenständen modernen Lebens . Lange , niedrige Ottomanen zogen sich an den Wänden hin , mit purpurrothem Sammet überspannt , persische Teppiche bedeckten den Fußboden . Tische und Stühle waren vom feinsten Mahagony mit schwarzem Ebenholz zierlich ausgelegt . Auf einem derselben vor der Ottomane standen zwei Armleuchter von gediegenem Silber , auf denen weiße Wachskerzen brannten . Das Zimmer war leer , durchduftet von einem angenehm reizenden und das Gemüth erheiternden Wohlgeruche . Mardochai legte sich nach orientalischer Sitte auf die schwellend weichen Kissen und lud uns ein , ihm zu folgen . » Ich lebe nach den Vorschriften meiner Väter , « sagte er , » und erfreue mich so an dem künstlich geschaffenen Vaterlande der Verheißungen , die der Gott Abraham ' s seinen Nachkommen gegeben . Dieses Morgenland , das mich hier umgibt , läß manche andere Annehmlichkeiten vergessen . Unsere Nationalität ist hartnäckig und der Einzelne kann sich ihr nicht ganz entziehen , wenn er nicht laut als Apostat geschmäht sein will . « Er schellte , eine fein gefugte Thür öffnete sich und ein Mädchen von höchstens funfzehn Jahren , ächt orientalisch gekleidet , von den edelsten Formen , trat ein , sich vor dem Juden tief verbeugend . » Sara , « sprach Mardochai , » bringe unsern Gästen Wasser und besorge das Nachtessen . « - Die schöne Jüdin verließ das Zimmer und kehrte sogleich wieder zurück mit einem glänzenden silbernen Waschbecken und feinen Linnen . Sie bot zuerst ihrem Vater das Becken , dieser wiß sie jedoch zurück und mir zu . Obwol ein Feind aller Ceremonien konnte ich doch der reizenden Jüdin den Dienst nicht abschlagen . Ich tauchte die Hand in die krystallene Welle , aus der in zitternder Bewegung Sara ' s schönes Profil mich ansah . Nach der Abluition dankte ich dem holden Wesen , das in glücklicher Kindlichkeit die ganze Fülle seiner Schönheit meinem prüfenden Auge preis gab . Sara trug ganz die Züge ihres furchtbaren Vaters , nur gemildert durch des Weibes anmuthvolle Grazie und die schuldlose Sanftmuth ihres Alters . Das schwärzeste Haar quoll unter dem blau- und weißseidenen Turban hervor , und legte sich weich und schmeichelnd an den alabasterweißen Nacken . Ohrringe von orientalischen Perlen , eine unheimliche Flamme in sich tragend , schaukelten hin und wieder , wenn sie den Kopf bewegte . Das große , schwarze Auge beschatteten die längsten und zartesten Wimpern , die ich je gesehen hatte , und das feine Lid hob und senkte sich wie eine Wolkenflocke um den Glanz eines schönen Sternes . Gelbe Stiefeln schmiegten sich an den kleinen Fuß und das feine Knöchel , dessen Zartheit durch das weite Beinkleid noch mehr bemerkbar ward , das unter dem reichen Ueberwurf hervorlauschte . » Hast Du die Lastträger abgelöhnt ? « fragte Mardochai , eine lange türkische Pfeife , die neben der Ottomane lehnte , anbrennend . » Ich bin gehorsam gewesen Deinen Befehlen , « antwortete Sara und verschwand , wie sie gekommen , in der Thür . Ich glaubte in ein Mährchen aus tausend und eine Nacht versetzt zu sein , und hätte bald den Zweck vergessen , der mich in Mardochai ' s Zauberhöhle führte . » Während Sara für unsern Körper Sorge trägt , « begann Mardochai , » wollen wir selbst unser geistiges Heil bedenken . « - Er blies weiße Rauchwolken aus seiner Pfeife und legte sich bequem wie ein türkischer Bassa in die Kissen . » Wenn Sie längere Zeit mit Gleichmuth verkehrt haben , « fuhr er fort , » so werden Ihnen auch die frühern Schicksale Friedrich ' s nicht unbekannt geblieben sein . Vieles freilich weiß Gleichmuth selbst nicht , und ich , der sich nur gezwungen , aus Noth , Politik , Vorsicht , oder wie Sie ' s sonst nennen mögen , in die Angelegenheiten Fremder mischt , fühle mich jetzt gedrungen , über Friedrich ' s Zustand ein Wort zu sprechen , um sehr nahe liegenden Verläumdungen vorzubeugen . Wir lebten vor vielen Jahren in Bonn zusammen , ich als Arzt , Friedrich als Musiker . Gleichmuth , ein Mensch voll Leidenschaft , aber von dem launenhaften Zufall bestimmt , Theolog zu werden , schloß sich eng an uns an . Andere kamen dazu und es bildete sich ein kleiner Kreis , der originell genug war und sobald wol nicht wieder in dieser widerstrebenden Curiosität zusammentreten möchte . Es ward Manches probirt , was der Gemeinheit frevelhaft erscheinen könnte . Wir studirten das Leben der Nationen , den Geist der Religionen und den Ungeist der Culte . Dabei wurden denn Entdeckungen gemacht , die nicht zu den gewöhnlichen gehörten . Auch ohne Streit und heftiges Widersprechen ging es nicht ab . Mancher schied aus , um die besprochene Theorie in die Praxis zu übersetzen , ja ein Narr war so begeistert von den witzigen Einfällen , womit einige gutmüthige Schwachköpfe vor vielen hundert Jahren einmal die Weltgeschichte ergötzten , daß er augenblicklich beschloß , ein Märtyrer zu werden . Dies Alles gehört indeß wenig zu dem , was ich Ihnen mitzutheilen habe . Eng an mich und Gleichmuth drängte sich Friedrich und ein gewisser Casimir , der seit langer Zeit verschollen ist . Friedrich war mir nächst Gleichmuth der Interessanteste , nicht , weil seine geistige Kraft überwiegend der meinigen sich opponirte , sondern des unwiderstehlichen Hanges wegen nach tiefer religiöser Befriedigung . Es gehört zu meinen geheimen Inclinationen , dasjenige fördern zu helfen , was in