einzelne verlorne Töne der Turteltaube , durch die Äste der Bäume am Freistuhle fingen die wilden Lindenschwärmer an mit den grünroten Flügeln zu schwirren . Allgemach begann es auch im Walde am Boden sich zu rühren . Ein Igel kroch schläfrig durch das Laub ; ein Wieselchen zog den geschmeidigen Leib aus einer Steinspalte , nicht breiter , als der Kiel einer Feder , hervor . Buschhäslein sprangen mit vorsichtigen Sätzen , zwischen jedem innehaltend , sich duckend und die Löffel legend , ins Freie , bis sie , mutiger geworden , auf dem Rain am Kornfelde sich emporhoben , tänzelten , miteinander spielten , und die Vorderläufe zu scherzenden Schlägen brauchten . Der Jäger hütete sich wohl , dieses Hasenvolk zu stören . Endlich trat ein schlankes Reh aus dem Walde . Klug die Nase in den Wind streckend , links und rechts aus den großen , braunen Augen umherschauend , schritt das Tier auf den feinen Füßen mit leichter Grazie einher . Jetzt war das Zarte , Wilde , Flüchtige dem Geschosse des Versteckten gegenüber angelangt , es war so nahe , daß es fast nicht gefehlt werden konnte , er wollte abdrücken , da schreckte das Reh zusammen , tat einen Sprung in veränderter Richtung gerade auf den Baum zu , hinter welchem der Jäger stand , sein Schuß ging los , das Wild setzte in gewaltigen Sprüngen unverwundet waldein , zwischen dem Korne aber war ein Schrei erschollen , und wenige Augenblicke nachher kam eine weibliche Gestalt auf einem schmale Pfade , der in der Linie des Schusses lag , aus den Feldern hervorgewankt . Der Jäger warf die Flinte weg , stürzte auf die Gestalt zu und meinte vergehen zu müssen , als er sie erkannte . Es war das schöne Mädchen von der Blume im Walde . Sie hatte er statt des Rehes getroffen . Sie hielt die eine Hand auf der Gegend zwischen Schulter und linker Brust , dort quoll unter dem Tuche reichlich das Blut hervor . Ihr Antlitz war bleich und etwas von Schmerz verzogen , doch nicht entstellt . Sie holte dreimal tief Atem und sagte dann mit sanfter und matter Stimme : » Gottlob , es muß nichts gefährlich verletzt sein , denn ich kann Atem holen , wenn es mir auch Schmerzen macht . - Ich will versuchen « , fuhr sie fort , » den Oberhof zu erreichen , zu dem ich auf diesem Richtwege gelangen wollte , wo mich nun das Unglück treffen mußte . Geben Sie mir Ihren Arm . « - Er führte sie einige Schritte hügelabwärts , da zuckte sie zusammen und sagte : » Es geht doch nicht , die Schmerzen sind zu heftig , ich könnte unterweges ohnmächtig werden . Wir müssen schon an diesem Orte aushalten , bis Leute herbeikommen und eine Tragbahre verschaffen können . « Trotz ihrer Wundschmerzen hielt sie ein Päckchen fest in der linken Hand , dieses reichte sie ihm jetzt und sagte : » Verwahren Sie es mir , es ist das Geld , welches ich für den Herrn Baron eingesammelt habe , ich möchte es verlieren . - Wir müssen auf längeres Bleiben uns gefaßt machen « , fügte sie hinzu . » Wenn es Ihnen möglich wäre , mir ein Lager zu bereiten und etwas Wärmendes zu geben , daß die Kälte nicht zur Wunde schlägt ! « So hatte sie die Besonnenheit für sich und ihn . Er stand sprachlos , bleich und starr , wie eine Bildsäule ; die Verzweiflung wühlte in seinem Herzen und ließ kein lautes Wort über die Lippen . Jetzt gab ihm ihre Aufforderung Bewegung , er eilte nach dem Baume , hinter dem er seine Weidtasche abgelegt hatte . Dort sah er auch das unglückliche Gewehr liegen . Wütend ergriff er es und schlug es mit solcher Kraft gegen einen Stein , daß der Schaft zersplitterte , die Läufe sich bogen , und die Schlösser von ihren Schrauben lossprangen . Er verwünschte den Tag , sich , seine Hand . Zu dem Mädchen zurückgestürzt , welches sich auf einen Stein des Freistuhls gesetzt hatte , fiel er ihr zu Füßen und flehte , den Saum ihres Kleides küssend , unter heftigen Tränen , die nun aus seinen Augen mit Gewalt brachen , sie um ihre Vergebung an . Sie bat ihn , doch nur aufzustehen , er habe ja nicht dafür gekonnt , die Wunde sei gewiß nicht bedeutend , er möge ihr nur jetzt helfen . Er richtete ihr nun einen Sitz auf dem Steine zu , indem er die Weidtasche auf denselben legte . Um ihren Hals band er sein Tuch , um ihre Schultern legte er locker und lose seinen Rock . Sie setzte sich auf den Stein , er nahm neben ihr Platz und bat sie , zu ihrer Erleichterung ihr Haupt an seine Brust zu neigen . Sie tat es . Der Mond war in völliger Klarheit über einen Teil des Himmels gedrungen und beschien fast taghell die beiden durch einen rohen Zufall einander so Nahegerückten . In der vertraulichsten Nähe saß der Fremde mit der Fremden , sie stieß leise Schmerzenstöne an seiner Brust aus , und von seinen Wangen flossen unaufhaltsame Tränen . Rings aber um sie her verbreitete sich nach und nach das Schweigen und die Einsamkeit der Nacht . Endlich wollte es das Glück , daß ein später Wanderer durch die Kornfelder ging . Der Ruf des Jägers erreichte sein Ohr , er eilte herzu und wurde nach dem Oberhofe geschickt . Bald darauf ließen sich Fußtritte hügelan Kommender vernehmen ; es waren die Knechte , welche einen Tragsessel mit Kissen brachten . Der Jäger hob die Verwundete sanft hinein und so gelangte sie spät in der Nacht unter das Obdach ihres alten Gastfreundes , der sich freilich sehr verwunderte , die Erwartete in diesem Zustande ankommen zu sehen . Zweiter Teil Drittes Buch Acta Schnickschnackschnurriana Erstes Kapitel Gegenseitige Offenheiten » Diese Ziegen am Helikon - «