erwarten er angewiesen war , und die vielleicht gefährlichen Verlegenheiten ließen sich gar nicht absehen , in welche dieser bei seiner widerhärigen Unbeholfenheit gerathen konnte , wenn er für den übrigen Theil der Nacht seiner eignen Leitung überlassen blieb . Nach allen diesen Überlegungen hatte Richard zuletzt beschlossen hervorzutreten , um seine Gegenwart und die Veranlassung derselben kund zu thun , die ihn zwang , einen von ihm eingeführten , der Localitäten ganz unkundigen Fremden hier zu erwarten , als ein einziges Wort , deutlicher als alle übrigen sein Ohr traf , und augenblicklich an seinem Platze ihn festhielt : das Wort - Adhéran . Leiseres unverständliches Geflüster folgte diesem , aus welchem nur einzelne Ausdrücke zu ihm herüber schollen , die er in keinen Zusammenhang zu bringen wußte . Auch Namen hörte er nennen , die er anderswo oft vernommen . Er blickte schärfer nach der Gesellschaft hin und entdeckte zu seinem unsäglichen Entsetzen bekannte Gesichter aus jener Zeit , die er gern auf ewig vergessen hätte . In diesem heimlichen Winkel , so still verborgen im Gewühle vieler Tausende , wie eine einsame Felseninsel mitten im sie umbrausenden Gewoge des Weltmeers , an einem Orte , wo Lunin als völlig einheimisch sich benommen hatte , diese versammelt zu sehn , ergriff ihn mit grauenvollem Ahnen drohender , allgemeiner Gefahr . Was er sah und hörte , mußte auf das Lebhafteste an jenen verhängnißvollen Abend ihn erinnern , an welchem ein unseliger Zufall , wider seinen Willen , ihn Mitglied eines Bundes werden ließ , den er seitdem bis zu diesem Augenblicke zu seiner großen Beruhigung für ganz aufgelöst gehalten hatte . War es Absicht oder Zufall was diese , einzig aus früheren Theilnehmern an demselben bestehende Gesellschaft , hier zusammengeführt hatte ? Das einzige Wort Adhéran ausgenommen , ließ alles Übrige , was er von ihrer Unterhaltung bis jetzt verstanden , ihn das Letztere hoffen ; doch wenn er der Warnung sich erinnerte , welche Torson durch Lunin ihm hatte zukommen lassen , so ergriff ihn eine ungeheure Angst , und bange Schauer durchrieselten ihm Mark und Gebein . Der zuletzt Angekommene schien erst rechtes Leben in die Unterhaltung gebracht zu haben ; ein langer hagrer Vierziger , von militairischem Anstand , mit dem Ausdrucke tief gewurzelten Mißmuths in den dunkeln , stark hervortretenden Zügen , auf dessen Namen Richard in diesem Augenblicke sich nicht besinnen konnte , der aber durch sein schweigsames Aufmerken auf Alles , was um ihn her vorging , ihm in den Bundesversammlungen oft aufgefallen war . Sein Betragen hier war ganz anderer Art ; heftig gestikulirend , wahrscheinlich von einem leichten Champagnerrausche etwas exaltirt , sprach er viel , aber so leise , daß keine Sylbe von dem , was er sagte , bis zu Richards Ohr gelangte . Einige von seinen Zuhörern schienen eben so eifrig , aber auch eben so leise ihm zu widersprechen ; aller Vorsicht vergessend sprang er auf , und schlug mit geballter Faust auf den Tisch , daß die Gläser klirrten . Und warum nicht ? rief er mit überlauter Donnerstimme , warum nicht auf dem Balle ? warum nicht an einem Tage wie heute ? denkt einige dreißig Jahre zurück , denkt an Stockholm - Gelächter und Geschrei außerhalb des Zimmers erstickte den Rest seiner Worte . Die Tapetenthüre drehte sich wieder , lachend drängte eine Gruppe Masken hinein , Richard glaubte des Engländers Stimme zu hören und eilte hinaus ; da stand der edle Britte , so selig als man in dieser Welt es nur werden kann , von zwei Personen unterstützt , die ihn sogleich in Richards Arme legten , und dann den übrigen in das Zimmer folgten , dessen Thüre augenblicklich verschlossen wurde . Rule Britannia ! lallte Mr. Mitchell mit schwerer Zunge und noch schwererem Kopfe , während Richard den Taumelnden in den Wagen transportirte , aus welchem er fest schlafend in sein Bette getragen , und am nächsten Morgen bei einem Kruge Sodawasser nicht müde wurde , die gestern erhaltenen Beweise russischer Gastfreiheit bis in die Wolken zu erheben . Der Rausch war verschlafen , die Nachwehen desselben rein weggespült ; Mitchell war wieder die nüchterne , nur auf ihren Vortheil bedachte , Gewinn und Verlust berechnende Krämer-Seele geworden , die er von jeher gewesen . Er ging treufleißigst seinem Berufe nach , ließ bei den Bemühungen , seine Fabrikate zu empfehlen , weder durch kalten Empfang noch durch Äußerungen des Überdrusses sich zurückschrecken , und gehörte fast buchstäblich zu denen , von welchen man sprüchwörtlich zu sagen pflegt , daß sie zum Fenster wieder hineinkommen , wenn man sie eben zur Thüre hinaus gewiesen hat . Seine Beharrlichkeit blieb nicht unbelohnt . Es gelang ihm , in den Comptoiren einiger bedeutender Häuser Eingang zu finden , wo er seine und seiner Korrespondenten Industrie vortheilhaft geltend machen konnte , und Richard wurde auf diese Weise zuweilen von der belästigenden Gesellschaft seines schwerfälligen Landsmanns befreit . Dies war für ihn allerdings eine große Erleichterung , deren er jetzt zwiefach bedurfte . Es schien als ob seit jener , auf dem Maskenballe zugebrachten abenteuerlichen Nacht , die Folgen des Rausches , den Mitchell so glücklich verschlafen , auf den wahrlich sehr mäßig gebliebenen Richard übergegangen wären , und keinem dagegen angewandten Mittel weichen wollten . Ihm war fortwährend wie einem aus schweren Träumen nur halb Erwachten , der noch nicht mit Sicherheit zu unterscheiden weiß , ob was ihm widerfuhr ein Wahngebilde , oder Wirklichkeit sei . Noch immer war alles um ihn geblieben wie es gewesen ; so oft er Helena sah , lächelte ein Himmel von Seligkeit aus ihren Augen ihn an , und durch das gegen ihn sich immer gleich bleibende Betragen der Mutter dazu berechtigt , verging ihm selten ein Tag , an welchem er sie nicht gesehen hätte . Auch Kapellmeister Lange und Frau Karoline beeiferten sich , sein Leben zu verschönen . Mit innigem Vertrauen und warmer Herzlichkeit schlossen sie immer fester sich an den Jüngling an