Parlamente , und mit wenigen Figuren erschien die Bühne doch angefüllt , weil der Raum rechts und links beschränkt war , und man sich so die Bänke erweitert denken konnte . Auf den Stufen vorn und an den Seiten fielen die Sterbenden hin und lagen natürlich viel malerischer , als auf unsern Theatern ; an die freien Säulen lehnten sich die Melancholischen , oder Nachdenkenden ; die Stufen rechts oder links schritt Macbeth hinauf , sowie Falstaff in den lustigen Weibern ; auf dem obern Balkon standen die Bürger und parlamentierten mit dem Könige Johann und Philipp August ; hier unten , von den Stufen erhöht , saßen König und Königin im Hamlet ; hier war Macbeths Tafel , wo Banquo erschien . Ohne weitläuftige Belehrung ergibt sich der Vorteil dieser Bühneneinrichtung . Rechts und links auf dem Proszenium konnten zwei sich deutlich absondernde Gruppen stehen ; stand die eine etwas zurück , so war die Fiktion sehr natürlich , daß jene gegenüber sie nicht mehr bemerkte ; mit zwei einzelnen Personen war die Sache noch natürlicher . Eine dritte Gruppe stand oder saß hier höher , auf der innern kleinern Bühne , die aber doch durch diese Einrichtung den Zuschauern ganz nahe stand . Keine Person deckte die andere , alle waren frei und gleichsam in Rahmen eingefaßt , wodurch das Bildliche und Malerische noch deutlicher hervortrat . War es nun nötig , wie etwa in historischen Stücken , so zeigten sich oben auf dem Altan handelnde und sprechende Figuren ; in Heinrich dem Achten waren die Treppen rechts und links vom Parlament besetzt , auf der Stufe in der Mitte saß Wolsey , und über ihm auf der innern Bühne der König Heinrich . So war in allen Umständen , mochte das Bild aus vielen oder wenigen Figuren bestehen , die Gruppierung immer ungefähr so , wie Raffael und die guten Maler ihre Gemälde ordnen . Auf diese Weise war die Bühne für die wesentlichen Forderungen ungefähr in ähnlicher Art wie die des Sophokles beschaffen ; doch behaupte ich , man kann im Shakespeare und seinen Zeitgenossen nicht alles verstehen , manches bleibt unklar , wenn man nicht soviel Kenntnis von der Sache hat , um jene echte europäische oder wenigstens englische Bühne sich zu vergegenwärtigen . Frankreich , Deutschland sogar , ebenso Spanien hatten anfangs auch eine ähnliche Einrichtung ; als die Franzosen scheinbar aufgeklärt ihre Dramen nach dem Muster der Alten , wie sie sich einbildeten , formten , errichteten sie die neuere Bühne , welche den Tragödien und Lustspielen , in welchen nur wenige Personen sprechen , in welchen sich niemals Gruppen zu stellen brauchen , wo keine Volksaufläufe , Belagerungen und dergleichen sich gestalten , auch vollkommen angemessen ist . Wir Deutschen haben jetzt dieses konventionelle , eng begrenzte Schauspiel wieder aufgegeben ; nun paßt uns die angenommene Bühne nicht , diese alte englische oder europäische Form ist vergessen , und wir quälen uns daher höchst unkünstlerisch mit Dekorationen , bauen in den Zwischenakten Hügel und Festungen auf , Galerieen und Terrassen , und fühlen , wie Text und Theater sich gegenseitig hindern , miteinander streiten , alles schwierig , zeitraubend , ungeschickt herauskommt , und der Regisseur sich erleichtert fühlt , wenn er einmal wieder ein Drama einrichtet , in welchem ohne Holzböcke und aufgelegte Bretter , ohne Balcons und Festungswälle gespielt werden kann . Dieses ältere Theater aber , welches wir hier im kleinen nachahmen , spielt in jeder Szene selber mit , es darf sogar zu den Hauptpersonen gerechnet werden , es erleichtert auch jedem Auftretenden sein Spiel , es hilft ihm , es unterstützt ihn , er steht nicht verlassen in einem wüsten leeren Viereck , sondern kann sich geistig und körperlich allenthalben anlehnen und wie ein Gemälde in seinen Rahmen treten . Wollen wir den Shakespeare nun wirklich aufführen , ohne ihn zu entstellen , so müssen wir damit anfangen , uns ein Theater einzurichten , das dem seinigen ähnlich ist . « » So sind uns jene Dekorationen , die kürzlich gemalt sind , auch ganz überflüssig « , sagte Leonhard . Emmrich antwortete : » Wenn wir die Räume anständig bekleiden und verzieren , wenn die Vorhänge , die die innere Bühne verdecken , mit Schicklichkeit sich schließen und öffnen , wenn in diesem kleineren Theater die Hinterwand wieder aus Seide oder Tuch besteht , so sind sie uns freilich überflüssig . Indessen können wir einzelne Stücke von Wald , Feld und Garten drinnen aufstellen , um manche Szenen noch bestimmter anzudeuten . « » Ein sehr viel breiterer Vorhang , als jener , wird aber notwendig sein « , sagte Leonhard . » Wir brauchen gar keinen , der vorn die ganze Bühne schlösse « , antwortete Emmrich , » wie Shakespeare auch keinen solchen auf seinem Theater hatte . Sorgen wir nur , daß durch Verzierung die Bühne sich geschmackvoll und nicht allzu störend mit dem übrigen Saal verbindet . Bei den Engländern war das ganze Gebäude eine Rotunde oder ein Viereck , und die Logenreihen standen in Verhältnis mit dem Balcon hier ; dieser war fast nur eine Fortsetzung derselben , so daß die Bühne in sich selbst ein schön geordnetes Ganzes war , und die Zuschauenden dadurch gleichsam zu den Mitspielenden gehörten , ganz ähnlich dem griechischen Theater . Bei uns ist der grelle Abschnitt der Bühne vom Schauspielhause völlig unkünstlerisch und barbarisch ; schon vorher , besonders aber , wenn der Vorhang aufgezogen ist , sieht das Haus nicht anders aus , als wenn die eine Hälfte weggeworfen wäre . Wir setzen gerade darin den Vorzug , daß Bühne und Zuschauer in gar keiner Verbindung sein sollen . « Leonhard entfernte sich mit der Zeichnung , um darnach eine genauere auszuarbeiten , damit gleich am folgenden Tage der Anfang gemacht werden könne , die Bühne nach dieser neuen Ansicht einzurichten . Indem er fleißig arbeitete und rechnete , fielen ihm die Szenen in Romeo und Othello ein , in Heinrich dem Sechsten