zweites , freies und selbständiges Wesen nicht mehr in diesen Bann sich finden kann , und die Sache notwendig mit Scheidung oder vollendeter Herrschaft des Pantoffels schließen muß . « Er erzählte ihm aus dem Stegreife einige Geschichten von verspäteten Heiraten , die wirklich ein betrübtes Ende genommen hatten , so daß der andre ganz nachdenklich wurde , und mit trauriger Miene sagte : » Aber heiraten will ich und muß ich , denn , was Ihr gestern abend zuletzt sagtet , Doktor , das hat Grund , und es ist mir über Nacht schon die Bestätigung geworden . Ich konnte nicht schlafen , versenkte mich in Eure Unsterblichkeitstheorie , und auf einmal , nicht träumend , sondern wie gesagt , hellwachend im Bezirke jener Gedanken und Gefühle , die Ihr in mir aufgeregt hattet , empfand ich etwas , was mir die unumstößlichste Wahrheit Eurer Behauptungen erwies . Plötzlich war ich nämlich nicht mehr ich selbst , der Domherr aus dem neunzehnten Jahrhundert , sondern mein Urgroßvater , der General in venezianischen Diensten . Ich hielt um die Hand meiner Urgroßmutter an , ich drückte mich in dem damals üblichen Kauderwelsch von Deutsch und Französisch aus , und , Ihr mögt mir ' s glauben oder nicht , ich habe den roten Plüsch mit silbernen Litzen , den er zu tragen pflegte , deutlich auf meinem Leibe gefühlt . « » Lieber « , sagte der Arzt mit ungläubigem Gesichte , » transzendentale Dinge so ins Einzelne verfolgen , führt nur zu Phantastereien . « » Ich weiß wohl , daß Ihr gleich wieder skeptisch werdet , wenn Ihr etwas behauptet habt « , versetzte der Domherr . » Aber ich lasse mich dadurch nicht irreführen . Den Verjüngungstrank , von dem Ihr neulich spracht , und den Ihr jetzt ableugnet , muß ich auch noch von Euch herausholen . Kurz , seht mich an : Bin ich mein Urgroßvater oder bin ich es nicht ? « » Domherr « , sagte der Arzt , welcher sich während dieses Gesprächs vor seinem Gaste unbefangen ankleidete , » Ihr seid ein großer Narr . « » Ihr könnt mich gar nicht beleidigen ! « rief der Domherr . » Heimführen wollt Ihr mich , wie man den Bauer nach Hause schickt ; aber es wird Euch nicht gelingen . So gewiß ich in mir die Tatsache erlebt habe , daß der Urgroßvater in mir wirklich fortbesteht , so gewiß werde ich in einem Sohne fortdauern , den ich daher fest entschlossen bin , zu erzeugen . Was soll nun dieses Abschweifen , dieses Ironisieren ? Gestern waren wir ja ganz einverstanden ; geht doch ehrlich mit mir um . « » Kann man sich denn auf Sie verlassen ? « erwiderte der Arzt , indem er begann , sich zu rasieren . » Muß man nicht immer besorgen , daß Sie umschlagen , sobald man glaubt , Sie bei einem Punkte fest zu haben . Seit mehreren Tagen trage ich mich mit einer Idee , Ihre Unsterblichkeit festzustellen , doch , was hilft das ? Sie werden nach Ihrem Kopfe heiraten , höchst unglücklich , vielleicht ein Hahnrei werden , und ohne Ihren Zweck zu erreichen , früh ins Grab sinken . « Der Domherr drang hierauf angelegentlichst in den Arzt , ihm seine Idee zu eröffnen . Dieser ließ sich lange bitten , endlich sagte er ihm , daß Heiraten ältlicher Männer nur dann zum Heile führen könnten , wenn der Gatte die Gattin sich erzöge . Er könne ihm ein schönes durch allerhand Unglück hülflos gewordenes Kind aus guter Familie zuweisen , welches gewiß das Erziehungswerk verlohnen , und mit der Zeit die allein für ihn passende Frau abgeben werde . Als der Domherr nun heftig verlangte , mit diesem Kinde bekanntgemacht zu werden , verwies ihn der Arzt zur Geduld und sagte , er müsse zuerst sich überzeugen , daß er die arme Verlaßne ihm auch sicher anvertrauen könne . Durch seine Reden schimmerte so etwas von fürstlicher Abkunft , wodurch die Einbildungskraft des Domherrn in Feuer und Flammen gesetzt wurde . Ihr Gespräch wurde durch einen Bedienten unterbrochen , welcher die Meldung machte , daß Waffenschmiede und andre Handwerker angekommen seien , die nötigen Zurüstungen zum Turnier ins Werk zu richten . Der Arzt erklärte nun dem Domherrn rundheraus , daß er zuerst das Kampfspiel in Gang bringen helfen müsse , ehe an weitre Unterhandlung über den bewußten Gegenstand zu denken sei . Dieser fügte sich in die Bedingung und ging mit erneuter Tätigkeit an die halbvergeßnen Arbeiten . Nun wurden im Ahnensaale rüstige Schmiede und gewandte Polierer beschäftigt , die Rüstungen zu ordnen , auszubessern und zu putzen , so daß in kurzem alles ein blankes Ansehn gewann . Wo etwas fehlte , wo einem Schwerte , einem Schilde durch leichte Vergoldung nachzuhelfen war , ließ der geschäftige Mann gleich das Nötige besorgen , und da er viel Geschmack besaß , die Kosten nicht schonte , und geschickte Werkmeister unter sich hatte , so konnte er der Herzogin bald eine Sammlung der spiegelhellsten Schutz- und Trutzwaffen vorweisen . Auf einem grünen Platze hinter dem Park , von dem ein gewundner Weg zu der Anhöhe führte , auf welcher der Geistliche Hermann versucht hatte , sollte das Turnier gehalten werden . Der Domherr ließ den Rasen abstechen , Sand anfahren , Schranken und Tribünen aufrichten . Mit Hülfe reichlicher Trinkgelder erhoben sich , zum Erstaunen schnell , zierliche gotische Gerüste , die auf leichten Pfeilern um den reinlichen Plan liefen . Im Innern des Schlosses beschäftigte er fünf fleißige Tapezierer , welche die Fahnen , Behänge , Festons und Pavillone so rasch lieferten , daß man berechnen konnte , mit allen Vorbereitungen wenigstens acht Tage vor dem Geburtsfeste des Herzogs , welches in die Mitte des Junius fiel , fertig zu werden . Unter dem Hammern , Klopfen und Nieten , wovon das Geräusch durch das ganze Schloß schallte , drangen eine Menge Hausierer und Juden