sehen , da er doch an Deutschen Adelsvorurtheilen etwas hängt ? Und wenn Alles glücklich gehen sollte , so bleibt doch der Schmerz unabwendbar , daß ich den Grafen und die Gräfin verlassen muß , und kann ich es wissen , ob ich nicht gezwungen bin , vielleicht einmal mit dem französischen Heer als Feind wiederzukehren ? Zuerst denke ich , sagte der junge Graf , thun Sie am Besten , Ihre Mutter zu erwarten und dann meinem Oheim Ihr ganzes Vertrauen zu schenken ; seine Welterfahrung und sein edles , liebevolles Gemüth werden Ihre Zukunft am Besten ordnen . Dieser Rath schien dem jungen Franzosen so vernünftig , daß er ihn ohne Einschränkung zu befolgen beschloß und sich vornahm , die Gegenwart in ungetrübter Heiterkeit zu genießen . Er vernahm es ungern , als ihm sein Freund eröffnete , daß er gleich nach dem Feste des Baron Löbau das Schloß zu verlassen gedenke ; indeß tröstete ihn die Versicherung , daß die Abwesenheit nicht von langer Dauer sein würde . Des folgenden Tages , als der junge Graf sich zum Feste des Baron Löbau ankleidete und sein Knabe ihm dabei Hülfe leistete , sagte er diesem : Heute , mein lieber Gustav , leistest Du mir diesen Dienst zum letzten Mal . Wie ! rief der Knabe erschreckt , wollen Sie mich von sich entfernen ; was habe ich gethan , Ihre Unzufriedenheit zu verdienen ? Nichts , mein liebes Kind , erwiederte der junge Graf , aber ich will mir nicht mehr erlauben , Deine Liebe zu mißbrauchen und Dich selbst zu erniedrigen , da die Noth mich nicht mehr dazu zwingt . Er theilte ihm nun alle mit seinem Oheim verabredeten Pläne mit , schrieb ihm vor , wie er sich in der Zukunft zu betragen habe , und händigte ihm mehrere Goldstücke ein , mit dem Auftrage , durch Dübois Beistand sich eine anständige Kleidung dafür zu verschaffen . Der Knabe ging mit dem Golde in der Hand zu Dübois zurück , sobald der junge Graf seiner Hülfe nicht mehr bedurfte ; sein Gefühl war überrascht , seine kühnsten Wünsche auf ein Mal befriedigt , und dieß Glück schien ihm so groß , kam ihm so unerwartet , daß er noch nicht den Muth sich zu freuen finden konnte . Ist Dein Herr schon zur Gesellschaft in den Saal gegangen ? fragte ihn Dübois , als er eingetreten war . Ich habe keinen Herrn mehr , erwiederte der Knabe mit einigem Stolz , der Graf Robert aber ist in dem Saale , und Alle werden gleich zum Baron Löbau fahren . Wie verstehe ich das , fragte der Haushofmeister ; will der junge Graf Dich von sich entfernen ? Ach lieber Herr Dübois ! rief der Knabe und die Thränen flossen ihm über die glühenden Wangen , Alles ist jetzt anders ; mein guter , lieber Herr , doch so darf ich ihn ja nicht mehr nennen , das hat er mir streng verboten , er hat es ja mit Ihrem Grafen verabredet , daß ich wieder auf die gelehrte Schule soll , dann auf die Universität , damit ein rechter Gelehrter aus mir werden kann . Indeß er nach Hause reist in Geschäften , soll ich hier bleiben und in der hiesigen Bibliothek studiren ; wenn er wieder kommt , will er mich selbst nach Breslau auf die gelehrte Schule bringen , und bis dahin soll ich Sie bitten , mir für dieß viele Geld gute Kleider zu verschaffen , damit ich wie sein Freund und Pflegesohn dort erscheinen kann , und ihn , meinen lieben Herrn , den soll ich nie mehr so nennen , sondern Graf Robert , oder meinen Freund und meinen Beschützer . Ich habe es erwartet , mein Sohn , sagte der Haushofmeister , daß Dein Schicksal diese Wendung nehmen würde , und nun , da mein Graf sich mit seinem Verwandten verständigt hat , kann ich für Dich thun , was in meinen Kräften steht , und brauche nicht mehr zu befürchten , Deinen Beschützer dadurch zu beleidigen ; behalte also nur das Geld , mein Söhnchen , es wird Dir auf der gelehrten Schule recht angenehm sein , wenn Du gleich ein hübsches Taschengeld mitbringst , wofür Du Dir manches anschaffen kannst , was Du vielleicht sonst entbehren müßtest , und überlasse es nur mir , Dich mit Wäsche und Kleidern zu versorgen , und ich werde es schon so einrichten , daß sich der junge Graf Deiner nicht zu schämen braucht . Ach lieber Herr Dübois , rief der Knabe , wie gut sind Sie , wie gut sind hier alle Menschen auf dem Schlosse ! Ach ! hätte ich damals wohl hoffen können , daß ich solchen Beistand finden würde , als unser Dorf verbrannt und mein Vater getödtet wurde . Ach , mein guter , lieber Vater ! fuhr er laut weinend fort , jetzt könnte ich ihm nun doch wieder Ehre und Freude machen , wenn er lebte und es sehen könnte , wie nun Alles wieder so gut wird . Ist es nicht traurig , daß ich so einsam in der Welt bin , daß Niemand mit Stolz mehr auf mich blicken wird , wenn ich mich auch noch so sehr anstrenge , kein Vater , keine Mutter , kein Bruder und keine Schwester , Alle sind dahin , Alles ist begraben ! Jetzt , sagte Dübois , gerührt von dem Schmerz des Knaben , mußt Du Deinem Beschützer Ehre zu machen streben . Ach ! erwiederte dieser , der Graf ist so gut , so milde gegen mich , aber er ist ein vornehmer Herr , er wird immer mein Wohlthäter bleiben , es wird ihn auch freuen , wenn ich etwas recht Tüchtiges lerne , weil er glaubt , daß es mir dadurch wohl gehen muß ; aber welche Ehre kann ich ihm bringen ? Welchen Stolz kann er empfinden , wenn er mich betrachtet , wenn ich auch alle Kräfte