, weil ich im Geiste Dich ansah , nun haben wir eine Pause gemacht beinah vier Monate , Du hast mir noch nicht geantwortet auf zwei Briefe . Es liegt mir an allem nichts , aber daran liegt mir , daß ich um Dich nicht betrogen werde ; daß mir kein Wort , kein Blick von Dir gestohlen werde , ich hab Dich so lieb , das ist alles , mehr wird nicht in mich gehen , und anders wird man nichts an mir erkennen , und ich denke auch , das ist genug , um mein ganzes Leben den Musen als ein wichtiges Dokument zu hinterlassen ; darum vergeht mir manche Zeit so hart und kalt wie dieser harte Winter , darum blüht ' s wieder und drängt von allen Seiten wieder ins Leben . - Darum hüt ich oft meine Gedanken vor Dir . Diese ganze Zeit konnte ich kein Buch von Dir anrühren . Nein , ich konnte keine Zeile lesen , es war mir zu traurig , daß ich nicht bei Dir sein kann . Ach , die Mutter fehlt mir , die mich beschwichtigte , die mich hart machte gegen mich selber , ihr klares feuriges Auge sah mich durch und durch , ich brauchte ihr nicht zu gestehen , sie wußte alles , ihr feines Ohr hörte bei dem leisesten Klang meiner Stimme , wie es um mich stehe ; o sie hat mir manche Gegengeschichte zu meiner Empfindung erzählt , ohne daß ich sie ihr wörtlich mitteilte , wie oft hat ein freudiges Zurufen von ihr alle Wolken in mir zerteilt , welche freundliche Briefe hat sie mir ins Rheingau geschrieben ; » Tapfer ! « - rief sie mir zu ; » sei tapfer , da sie dich doch nicht für ein echtes Mädchen wollen gelten lassen , und sagen , man könne sich nicht in dich verlieben , so bist du die eine Plage los , sie höflich abzuweisen , so sei denn ein tapferer Soldat , wehr dich dagegen , daß du meinst , du müßtest immer bei ihm sein und ihn bei der Hand halten , wehr dich gegen deine eigne Melancholie , so ist er immer ganz und innigst dein und kein Mensch kann dir ihn rauben . « Solche Zeilen machten mich unendlich glücklich , wahrhaftig ich fand Dich in ihr wieder , wenn ich nach Frankfurt kam , so flog ich zu ihr hin ; wenn ich die Tür aufmachte , wir grüßten uns nicht , es war als ob wir schon mitten im Gespräch seien . Wir zwei waren wohl die einzig lebendigen Menschen in ganz Frankfurt und überall , manchmal küßte sie mich und sprach davon , daß ich in meinem Wesen sie an Dich erinnere , sie habe auch Dein Sorgenbrecher sein müssen . Sie baute auf mein Herz . Man konnte ihr nicht weismachen , daß ich falsch gegen sie sei , sie sagte : » Der ist falsch , der mir meine Lust an ihr verderben will « ; ich war stolz auf ihre Liebe . Wenn Du nun nicht mehr auf der Welt wärst ! Ach , ich würde keine Hand mehr regen . Ach , es regen sich so viel tausend Hoffnungen und wird nichts draus . Wenn ich nur manchmal bei Dir sitzen könnte eine halbe Stunde lang ; - da wird vielleicht auch nichts draus ; mein Freund ! ! - Am 3. Februar In den wenig Wochen , die ich in Landshut zubrachte , hab ich trotz Schnee und Eis nah und ferne Berge bestiegen , da lag mir das ganze Land im blendendsten Gewand vor Augen ; alle Farben vom Winter getötet und vom Schnee begraben , nur mir rötete die Kälte die Wangen ; - wie ein einsames Feuer in der Wüste , so brennt der einzige Blick , der beleuchtet und erkennt , während die ganze Welt schläft . Ich hatte so kurz vorher den Sommer verlassen , so reich beladen mit Frucht . - Wo war ' s doch , wo ich den letzten Berg am Rhein bestieg ? - In Godesberg ; warst Du da auch oft ? - Es war bald Abend , da wir oben waren ; Du wirst Dich noch erinnern , es steht oben ein einziger hoher Turm , und rund auf der Fläche stehen noch die alten Mauern . Die Sonne in großer Pracht senkte einen glühenden Purpur über die Stadt der Heiligen ; der Kölner Dom , an dessen dornigen Zierraten die Nebel wie eine vorüberstreifende Schafherde ihre Flocken hängen ließen , in denen Schein und Widerschein so fein spielten , da sah ich ihn zum letztenmal ; alles war zerflossen in dem ungeheuren Brand , und der kühle ruhige Rhein , den man viele Stunden weit sieht , und die Siebenberge hoch über den Ufergegenden . Im Sommer , in dem leidenschaftlichen Leben und Weben aller Farben , wo die Natur die Sinne als den rührendsten Zauber ihrer Schönheit festhält ; wo der Mensch durch das Mitempfinden selbst schön wird : da ist er sich selbst auch oft wie ein Traum , der vor dem Begriff wie Duft verfliegt . - Das Lebensfeuer in ihm verzehrt alles ; den Gedanken im Gedanken , und bildet sich wieder in allem . Was das Aug erreichen kann , gewinnt er nur , um sich wieder ganz dafür hinzugeben ; und so fühlt man sich frei und keck in den höchsten Felsspitzen , in dem kühnsten Wassersturz , ja mit dem Vogel in der Luft , mit dem man in die Ferne zieht , und höher mit ihm steigt , um früher den Ort der Sehnsucht zu erblicken . Im Winter ist ' s anders , da ruhen die Sinne mit der Natur , nur die Gedanken graben , wie die Arbeiter im Bergwerk , heimlich in der Seele fort . - Darauf hoffe und baue auch ich , lieber Goethe , jetzt , wo ich empfinde