oft ein Stündchen mit ihr allein , von ihrem Vater geliebt - er hatte in seinen kühnsten Träumen kein ähnliches Glück ahnen können . Nur eine Wolke trübte den Himmel der Liebenden , die düstere Wolke , die zuweilen auf der Stirne des Vaters lag . Es schien , als habe er nicht die besten Nachrichten von seinem Herzog und dem Kriegsschauplatz . Es kamen zu verschiedenen Tageszeiten Boten in die Burg , aber sie kamen und gingen , ohne daß der Ritter seinem Gast eröffnete was sie gebracht haben . Einigemal glaubte Georg in der Abenddämmerung sogar den Pfeifer von Hardt über die Brücke schleichen zu sehen , er hoffte von diesem vielleicht etwas erfahren zu können , er eilte hinab , um ihn zu begegnen , aber wenn er bis an die Brücke kam , war jede Spur von ihm verschwunden . Der junge Mann fühlte sich etwas beleidigt über diesen Mangel an Zutrauen , wie er es bei sich und in seinen Äußerungen gegen Marie nannte . » Ich habe doch den Freunden des Herzogs mich ganz und gar angeboten , obgleich ihre Partie nicht viel Lockendes hat , der Mann in der Höhle und der Ritter von Lichtenstein bewiesen mir Freundschaft und Vertrauen , aber warum nur bis auf diesen Punkt ? warum darf ich nicht erfahren wie es mit Tübingen steht , warum nicht wie der Herzog operiert um sein Land wiederzuerobern ? Bin ich nur zum Dreinschlagen gut , verschmäht man mich im Rat ? « Marie suchte ihn zu trösten . Es gelang oft ihren schönen Augen , ihren freundlichen Reden , ihn diese Gedanken vergessen zu lassen , aber dennoch kehrten sie in manchem Augenblicke wieder , und die sorgenvolle Miene des alten Herrn mahnte ihn immer an die Sache , welcher er beigetreten war . Am Abend des Osterfestes konnte er endlich dieses Stillschweigen nicht länger ertragen ; er fragte auf die Gefahr hin , für unbescheiden zu gelten , wie es mit dem Herzog und seinen Planen stehe , ob man nicht auch seiner endlich einmal bedürfe ? Aber der Ritter von Lichtenstein drückte ihm freundlich die Hand und sagte : » Ich sehe schon lange , wackerer Junge , wie es dir das Herz beinahe abdrücken will , daß du nicht teilnehmen kannst an unseren Mühen und Sorgen ; aber gedulde dich noch einige Zeit , vielleicht nur einen Tag noch , so wird sich manches entscheiden . Was soll ich dich mit ungewissen Nachrichten , mit traurigen Botschaften plagen ? Dein heiterer Jugendsinn ist nicht gemacht , bedächtlich in ein Gewebe von Bosheit zu schauen , und die künstlich geschlungenen Fäden wieder loszumachen . Wenn die Entscheidung naht , dann , glaube mir , wirst du ein willkommener Genosse sein , bei Rat und Tat . Nur so viel brauchst du zu wissen , es steht mit unserer Sache weder schlimm noch gut ; doch bald muß es sich entscheiden . « Der junge Mann sah ein , daß der Alte recht haben könne , und doch war er nichts weniger als zufrieden mit dieser Antwort . Auch erfuhr er den Namen des Geächteten nicht . Marie hatte ihn , als er in der nächsten Nacht ins Schloß gekommen war , gefragt , ob sie ihrem Gast seinen Namen nennen dürfe , er hatte nichts darauf gesagt , als : » Noch ist ' s nicht an der Zeit ! « Noch ein dritter Umstand war es , der Georg beinahe beleidigend vorkam . Er hatte dem Herrn von Lichtenstein gesagt , wie sehr ihn der Mann in der Höhle angezogen habe , wie er nichts Erfreulicheres kenne , als recht oft in dessen Nähe zu sein , und dennoch hatte man ihn nie mit einem Wort eingeladen , eine Nacht mit dem geheimnisvollen Gaste zuzubringen . Er war zu stolz sich aufzudrängen , er wartete von Nacht zu Nacht , ob man ihn nicht herabrufen werde , jenen Mann zu sprechen ; es geschah nicht . Er beschloß wenigstens einmal uneingeladen zuzusehen , wie der Fremde in die Burg komme , und betrachtete sich deswegen die Gelegenheit genau . Seine Kammer , wohin er regelmäßig um acht Uhr geführt wurde , lag gegen das Tal hinaus ; gerade entgegengesetzt der Seite , wo die Brücke über den Abgrund führte . Von hier war es also nicht möglich , ihn kommen zu sehen . Das große Zimmer im zweiten Stock , das nicht weit entfernt von seiner Kammer lag , wurde jede Nacht abgeschlossen , von dort aus konnte er also auch nicht hinabsehen . Auf dem Vorplatz der die Kammern umher und den Saal verband , gingen zwar zwei Fenster gegen die Brücke hinaus , sie waren aber vergittert und hoch , so daß man zwar ins Freie hinüber , aber nicht hinab auf die Brücke sehen konnte . Es blieb ihm daher nichts übrig , als sich irgendwo zu verbergen , wenn er den nächtlichen Besuch sehen wollte . Im ersten Stock war dies nicht möglich , weil dort so viele Leute wohnten , daß er leicht entdeckt werden konnte . Doch als er den Torweg und die Ställe musterte , die unter dem Schloß in den Felsen gehauen waren , bemerkte er an der Zugbrücke eine Nische , die von den Torflügeln bedeckt wurde , welche man nur wenn der Feind vor den Toren war , verschloß . Dies war der Ort , der ihm Sicherheit und zugleich Raum genug zu gewähren schien , um zu beobachten , was um ihn her vorging ; links vor der Nische , schloß sich die Zugbrücke an das Tor , rechts war die Treppe , die hinaufführte , vor ihm der Torweg , den jeder gehen mußte , der ins Schloß kam . Dorthin beschloß er in der kommenden Nacht sich zu schleichen . Um acht Uhr kam der Knappe mit der Lampe , um ihm wie gewöhnlich ins Bett zu leuchten . Der Herr des Schlosses und