Bedingung , solches vor der Abreise treulich wiederzugeben , auch in der Zwischenzeit an irgendeinem Sonn- oder Feiertage zu erscheinen und die Familie zu erfreuen . Ganz anders war nunmehr See und Ufer belebt , Boot und Kahn buhlten um ihre Nachbarschaft , selbst Fracht- und Marktschiffe verweilten in ihrer Nähe , Reihen von Menschen zogen am Strande nach , und die Landenden sahen sich sogleich von einer frohsinnigen Menge umgeben ; die Scheidenden segnete jedermann , zufrieden , doch sehnsuchtsvoll . Nun hätte zuletzt ein Dritter , die Freunde beobachtend gar wohl bemerken können , daß die Sendung beider eigentlich geendigt sei : alle die auf Mignon sich beziehenden Gegenden und Lokalitäten waren sämtlich umrissen , teils in Licht , Schatten und Farbe gesetzt , teils in heißen Tagesstunden treulich ausgeführt . Dies zu leisten , hatten sie sich auf eine eigne Weise von Ort zu Ort bewegt , weil ihnen Wilhelms Gelübde gar oft hinderlich war ; doch wußten sie solches gelegentlich zu umgehen durch die Auslegung : es gelte nur für das Land , auf dem Wasser sei es nicht anwendbar . Auch fühlte Wilhelm selbst , daß ihre eigentliche Absicht erreicht sei , aber leugnen konnte er sich nicht , daß der Wunsch , Hilarien und die schöne Witwe zu sehen , auch noch befriedigt werden müsse , wenn man mit freiem Sinne diese Gegend verlassen wollte . Der Freund , dem er die Geschichte vertraut , war nicht weniger neugierig und freute sich schon , einen herrlichen Platz in einer seiner Zeichnungen leer und ledig zu wissen , den er mit den Gestalten so holder Personen künstlerisch zu verzieren gedachte . Nun stellten sie Kreuz-und-Quer-Fahrten an , die Punkte , wo der Fremde in dieses Paradies einzutreten pflegt , beobachtend . Ihre Schiffer hatten sie mit der Hoffnung , Freunde hier zu sehen , bekannt gemacht , und nun dauerte es nicht lange , so sahen sie ein wohlverziertes Prachtschiff herangleiten , worauf sie Jagd machten und sich nicht enthielten sogleich leidenschaftlich zu entern . Die Frauenzimmer , einigermaßen betroffen , faßten sich sogleich , als Wilhelm das Blättchen vorwies und beide den von ihnen selbst vorgezeichneten Pfeil ohne Bedenken anerkannten . Die Freunde wurden alsbald zutraulich eingeladen , das Schiff der Damen zu besteigen , welches eilig geschah . Und nun vergegenwärtige man sich die viere , wie sie , im zierlichsten Raum beisammen , gegen einander über sitzen in der seligsten Welt , von lindem Lufthauch angeweht , auf glänzenden Wellen geschaukelt . Man denke das weibliche Paar , wie wir sie vor kurzem geschildert gesehen , das männliche , mit dem wir schon seit Wochen ein gemeinsames Reiseleben führen , und wir sehen sie nach einiger Betrachtung sämtlich in der anmutigsten , obgleich gefährlichsten Lage . Für die drei , welche sich schon , willig oder unwillig , zu den Entsagenden gezählt , ist nicht das Schwerste zu besorgen , der Vierte jedoch dürfte sich nur allzubald in jenen Orden aufgenommen sehen . Nachdem man einigemal den See durchkreuzt und auf die interessantesten Lokalitäten sowohl des Ufers als der Inseln hingedeutet hatte , brachte man die Damen gegen den Ort , wo sie übernachten sollten und wo ein gewandter , für diese Reise angenommener Führer alle wünschenswerten Bequemlichkeiten zu besorgen wußte . Hier war nun Wilhelms Gelübde ein schicklicher , aber unbequemer Zeremonienmeister ; denn gerade an dieser Station hatten die Freunde vor kurzem drei Tage zugebracht und alles Merkwürdige der Umgebung erschöpft . Der Künstler , welchen kein Gelübde zurückhielt , wollte die Erlaubnis erbitten , die Damen ans Land zu geleiten , die es aber ablehnten , weswegen man sich in einiger Entfernung vom Hafen trennte . Kaum war der Sänger in sein Schiff gesprungen , das sich eiligst vom Ufer entfernte , als er nach der Laute griff und jenen wundersam-klagenden Gesang , den die venezianischen Schiffer von Land zu See , von See zu Land erschallen lassen , lieblich anzustimmen begann . Geübt genug zu solchem Vortrag , der ihm diesmal eigens zart und ausdrucksvoll gelang , verstärkte er , verhältnismäßig zur wachsenden Entfernung , den Ton , so daß man am Ufer immer die gleiche Nähe des Scheidenden zu hören glaubte . Er ließ zuletzt die Laute schweigen , seiner Stimme allein vertrauend , und hatte das Vergnügen , zu bemerken , daß die Damen , anstatt sich ins Haus zurückzuziehen , am Ufer zu verweilen beliebten . Er fühlte sich so begeistert , daß er nicht endigen konnte , auch selbst als zuletzt Nacht und Entfernung das Anschauen aller Gegenstände entzogen ; bis ihm endlich der mehr beruhigte Freund bemerklich machte , daß , wenn auch Finsternis den Ton begünstige , das Schiff den Kreis doch längst verlassen habe , in welchem derselbe wirken könne . Der Verabredung gemäß traf man sich des andern Tags abermals auf offener See . Vorüberfliegend befreundete man sich mit der schönen Reihe merkwürdig hingelagerter , bald reihenweis übersehbarer , bald sich verschiebender Ansichten , die , im Wasser sich gleichmäßig verdoppelnd , bei Uferfahrten das mannigfaltigste Vergnügen gewähren . Dabei ließen denn die künstlerischen Nachbildungen auf dem Papier dasjenige vermuten und ahnen , was man auf dem heutigen Zug nicht unmittelbar gewahrte . Für alles dieses schien die stille Hilarie freien und schönen Sinn zu besitzen . Aber nun gegen Mittag erschien abermals das Wunderbare : die Damen landeten allein , die Männer kreuzten vor dem Hafen . Nun suchte der Sänger seinen Vortrag einer solchen Annäherung zu bequemen , wo nicht bloß von einem zart und lebhaft jodelnden allgemeinen Sehnsuchtston , sondern von heiterer , zierlicher Andringlichkeit irgendeine glückliche Wirkung zu hoffen wäre . Da wollte denn manchmal ein und das andere der Lieder , die wir geliebten Personen der » Lehrjahre « schuldig sind , über den Saiten , über den Lippen schweben ; doch enthielt er sich , aus wohlmeinender Schonung , deren er selbst bedurfte , und schwärmte vielmehr in fremden Bildern und Gefühlen umher ,