Seele zu kommen und alle Lebenspulse gewaltsam zu ergreifen . Ich war oft der Ohnmacht nahe , dann kamen allerlei wunderliche Bilder und Träume , und es war mir , als solle ich einen glänzenden Himmel voll Seligkeit und Wonne erschauen und könne nur wie ein schlaftrunknes Kind die Augen nicht öffnen . Ohne zu wissen , warum , konnte ich oft bis zum Tode betrübt , oft ausgelassen fröhlich sein . Bei dem geringsten Anlaß stürzten mir die Tränen aus den Augen , eine unerklärliche Sehnsucht stieg oft bis zu körperlichem Schmerz , so daß alle Glieder krampfhaft zuckten . Der Vater bemerkte meinen Zustand , schrieb ihn überreizten Nerven zu und suchte die Hilfe des Arztes , der allerlei Mittel verordnete , die ohne Wirkung blieben . Ich weiß selbst nicht , wie es kam , urplötzlich erschien mir das vergessene Bild jenes unbekannten Mannes so lebhaft , daß es mir war , als stehe es vor mir , Blicke des Mitleids auf mich gerichtet . » Ach ! - soll ich denn sterben ? - was ist es , das mich so unaussprechlich quält ? « So rief ich dem Traumbilde entgegen , da lächelte der Unbekannte und antwortete : » Du liebst mich , Aurelie ; das ist deine Qual , aber kannst du die Gelübde des Gottgeweihten brechen ? « - Zu meinem Erstaunen wurde ich nun gewahr , daß der Unbekannte das Ordenskleid der Kapuziner trug . - Ich raffte mich mit aller Gewalt auf , um nur aus dem träumerischen Zustande zu erwachen . Es gelang mir . Fest war ich überzeugt , daß jener Mönch nur ein loses trügerisches Spiel meiner Einbildung gewesen , und doch ahnte ich nur zu deutlich , daß das Geheimnis der Liebe sich mir erschlossen hatte . Ja ! - ich liebte den Unbekannten mit aller Stärke des erwachten Gefühls , mit aller Leidenschaft und Inbrunst , deren das jugendliche Herz fähig . In jenen Augenblicken träumerischen Hinbrütens , als ich den Unbekannten zu sehen glaubte , schien mein Übelbefinden den höchsten Punkt erreicht zu haben , ich wurde zusehends wohler , indem meine Nervenschwäche nachließ , und nur das stete starre Festhalten jenes Bildes , die phantastische Liebe zu einem Wesen , das nur in mir lebte , gab mir das Ansehen einer Träumerin . Ich war für alles verstummt , ich saß in der Gesellschaft , ohne mich zu regen , und indem ich , mit meinem Ideal beschäftigt , nicht darauf achtete , was man sprach , gab ich oft verkehrte Antworten , so daß man mich für ein einfältig Ding achten mochte . In meines Bruders Zimmer sah ich ein fremdes Buch auf dem Tische liegen ; ich schlug es auf , es war ein aus dem Englischen übersetzter Roman : » Der Mönch « ! - Mit eiskaltem Schauer durchbebte mich der Gedanke , daß der unbekannte Geliebte ein Mönch sei . Nie hatte ich geahnt , daß die Liebe zu einem Gottgeweihten sündlich sein könne , nun kamen mir plötzlich die Worte des Traumbildes ein : » Kannst du die Gelübde des Gottgeweihten brechen ? « - und nun erst verwundeten sie , mit schwerem Gewicht in mein Innres fallend , mich tief . Es war mir , als könne jenes Buch mir manchen Aufschluß geben . Ich nahm es mit mir , ich fing an zu lesen , die wunderbare Geschichte riß mich hin , aber als der erste Mord geschehen , als immer verruchter der gräßliche Mönch frevelt , als er endlich ins Bündnis tritt mit dem Bösen , da ergriff mich namenloses Entsetzen , denn ich gedachte jener Worte Hermogens : » Die Mutter spricht mit dem Teufel ! « Nun glaubte ich , so wie jener Mönch im Roman , sei der Unbekannte ein dem Bösen Verkaufter , der mich verlocken wolle . Und doch konnte ich nicht gebieten der Liebe zu dem Mönch , der in mir lebte . Nun erst wußte ich , daß es frevelhafte Liebe gebe , mein Abscheu dagegen kämpfte mit dem Gefühl , das meine Brust erfüllte , und dieser Kampf machte mich auf eigne Weise reizbar . Oft bemeisterte sich meiner in der Nähe eines Mannes ein unheimliches Gefühl , weil es mir plötzlich war , als sei es der Mönch , der nun mich erfassen und fortreißen werde ins Verderben . Reinhold kam von einer Reise zurück und erzählte viel von einem Kapuziner Medardus , der als Kanzelredner weit und breit berühmt sei und den er selbst in ... r mit Verwunderung gehört habe . Ich dachte an den Mönch im Roman , und es überfiel mich eine seltsame Ahnung , daß das geliebte und gefürchtete Traumbild jener Medardus sein könne . Der Gedanke war mir schrecklich , selbst wußte ich nicht , warum , und mein Zustand wurde in der Tat peinlicher und verstörter , als ich es zu ertragen vermochte . Ich schwamm in einem Meer von Ahnungen und Träumen . Aber vergebens suchte ich das Bild des Mönchs aus meinem Innern zu verbannen ; ich unglückliches Kind konnte nicht widerstehen der sündigen Liebe zu dem Gottgeweihten . - Ein Geistlicher besuchte einst , wie er es wohl manchmal zu tun pflegte , den Vater . Er ließ sich weitläuftig über die mannigfachen Versuchungen des Teufels aus , und mancher Funke fiel in meine Seele , indem der Geistliche den trostlosen Zustand des jungen Gemüts beschrieb , in das sich der Böse den Weg bahnen wolle und worin er nur schwaches Widerstreben fände . Mein Vater fügte manches hinzu , als ob er von mir rede . Nur unbegrenzte Zuversicht , sagte endlich der Geistliche , nur unwandelbares Vertrauen , nicht sowohl zu befreundeten Menschen , als zur Religion und ihren Dienern , könne Rettung bringen . Dies merkwürdige Gespräch bestimmte mich , den Trost der Kirche zu suchen und meine Brust durch reuiges Geständnis in heiliger Beichte zu erleichtern . Am frühen Morgen des andern Tages