Und keine Zukunft er drin fand : O Liebe , wo du gegenwärtig , Da ist das eigne Leben aus , Die Seele ist dann reisefertig , Du trägst sie in ein andres Haus . » O Muttererde laß dich grüßen , Du trugst mich treu in stiller Qual , Laß deine kühlen Lippen küssen , Hast andre Kinder ohne Zahl , Doch ich gehör dem Vaterlande , Dem Vater in dem Himmelreich , Es lösen sich die alten Bande , Zum letztenmal die Hand mir reich . « Er kann sich selber nicht begreifen , Es wird ihm wohl , so auf einmal , Da sieht er dann die Engel schweifen Auf seines Tränenbogens Strahl , Wie sie die bunten Flügel schlagen , Daß jede Farbe klingt im Glanz , Er fühlt von ihnen sich getragen , Den Fuß bewegt in ihrem Tanz . Was ihm das Herz sonst abgestoßen , Das singt er jetzt mit kaltem Blut , Sein Blut hat sich in Lieb ergossen , Und keine Furcht beschränkt den Mut , Wo sich das Auge sonst geschlossen , Da hebt es nun den Blick von hier , Er ruft : » Der Himmel ist erschlossen , Ich fürchte mich nicht mehr vor mir . « Da ruft er wonnig allen Lieben : » Es kommt ein Tag , wie ' s keinen gab , Die Ernte dürft ihr nicht verschieben , Die Liebe greift zum Wanderstab ! « Er ruft : » Brich an du Tag der Sage , Der ew ' ges Wetter mir verspricht ! « Sein Herz schläft ein - am jüngsten Tage Erwacht es rein zum Weltgericht . Dreißigstes Kapitel Überdruß der Gräfin gegen das Landleben Wir wollen uns nicht wehmütiger machen mit dem Wiedererzählen der Totenfeier des Kleinen , der die vereinte Teilnahme des Grafen und der Gemeine eine Feierlichkeit schenkte : das letzte Geschenk ; mir wird bei diesem traurigen Einhalte des frohen Laufes ländlicher Freuden , als erblinde ich plötzlich ; manches nahe fröhlich Sichtbare verschwindet mir , und selbst der Anblick der schönen Gräfin , der mich so oft erquickt , läßt eine leere Sehnsucht in mir zurück . Sie selbst fühlte diese Öde wohl am schwersten , und viel länger schon , denn eigentlich nahm sie keinen eigenen Anteil an den Erzählungen anderer , die uns unterhalten haben ; sie kam meist dabei auf fremde Gedanken an die Stadt und ihre Bekannte dort . An den Beschäftigungen des Grafen fand sie noch weniger Geschmack ; ihre Umstände widerrieten ihr das Reiten und die Jagd , an denen sie Gefallen fand , und die einzige Gesellschaft , die ihr behaglich , die des Barons und der tollen Ilse , war ihr verloren . Doch läßt sich alles bei schönem Wetter und im frischen Grün ertragen , wenn aber die Blätter gelben , abfallen und am Boden rauschen , die starren Herbstblumen mit ihren geruchlosen Blättern vorscheinen , der Sämann im Nebel ernst über den schwarzen Acker schreitet : Ach ! warum haben wir den ziehenden Vögeln so oft nachzurufen , und sie bleiben doch nicht ; statt ihres freundlichen Morgengrußes aus heitrer Höhe , statt ihres Abendrauschens in den dichten Kastanien vor dem Schlosse , tönt Morgens und Abends ein rastloses Sausen der Luft , die vergebens ein Winterlager sucht und Fenster und Türen dicht gegen sich verschlossen findet . Hat eine junge lebendige Frau dieses Sausen einen Tag angehört auf hochgelegenen Schlössern , den Schlag der Axt in den Wäldern vernommen , und die hochbelaubten Häupter niederstürzen sehen , - in die Nebel zwischen den Bergen dann stundenlang hingeblickt , ohne eigene Beschäftigung , einsam , körperlich leidend , und kommt dann der lange Abend bei einem rauchenden Kamine und kommt der langersehnte Briefbote , und sie liest da Briefe aus der Stadt , die von unzähligen Lustbarkeiten unterbrochen sind , aber immer das Verlangen aller Jugendfreundinnen wiederholen , daß sie zurückkehren möchte : es kann doch eine trübe Stunde ihr machen , wo sie ihres jungfräulichen Standes mit Sehnsucht denkt , ihrer goldnen Freiheit , des leichten Tanzes , der unbestimmten Hoffnung , die weit über alles bestehende Glück hinaus ihre nährenden luftsaugenden Zweige treibt . Und so saß einst die Gräfin in Tränen beim Kamine und die Lichter waren ungeputzt heruntergebrannt , als der Graf voll Ärger über einen Wassersturz , der eine seiner schönsten Gartenanlagen zerstört hatte , ins Zimmer trat , um bei ihr Trost zu suchen . Auch er hatte noch nicht die dem Landwirte vor allen andern Menschenklassen notwendige Gelassenheit gewonnen , die auf jeden Verlust gefaßt , an tausend Anker ihre Wünsche legt ; ein Verlust in Nebensachen konnte ihm ein ganzes Unternehmen verhaßt machen und für diesen Herbst gab er diesmal , wegen des einen Unfalls , alle Pflanzungen im Garten auf , zu denen schon alle Gruben ausgegraben waren . So im Aufgeben lang gehegter Wünsche trat er zu seiner Frau ; sie wollte ihm erst die Ursache ihrer Tränen nicht entdecken , aber das war nur scheinbar , sie war entschlossen noch den Abend alle ihre Anklagen gegen das Land ausströmen zu lassen , und so entwickelte sich eine Fülle von Mißvergnügen und Übelbefinden über den Grafen , daß er mit den nächsten Tagen aus sorglicher Liebe für Frau und Kind heim zu kehren beschloß . Nie wurde ihm eine Äußerung zärtlicher belohnt . Einunddreißigstes Kapitel Abschied vom Landleben Die nächsten Tage gehörten dem Abschiednehmen in der Gegend . Die Gräfin , heitrer gestimmt und gewiß , daß sie die Leute so bald nicht wiedersehe , war ihnen so verbindlich , daß keiner begreifen konnte , wie er ihr je etwas übel genommen . » Ich habe es immer gesagt « , sprach einer zum andern , » sie ist so übel nicht , aber noch jung , es fehlt ihr nur noch an guter Lebensart . « - Sie selbst fand sich von der Behaglichkeit in dem Innern mancher dieser verachteten Familien sehr überrascht , sie