, ja sie sprach sich einst , da sie es nicht umgehen konnte , hierüber ganz deutlich aus . » Wenn dein Entschluß , « entgegnete ihr Charlotte , » Eduarden zu entsagen , so fest und unveränderlich ist , so hüte dich nur vor der Gefahr des Wiedersehens . In der Entfernung von dem geliebten Gegenstande scheinen wir , je lebhafter unsere Neigung ist , desto mehr Herr von uns selbst zu werden , indem wir die ganze Gewalt der Leidenschaft , wie sie sich nach außen erstreckte , nach innen wenden ; aber wie bald , wie geschwind sind wir aus diesem Irrtum gerissen , wenn dasjenige , was wir entbehren zu können glaubten , auf einmal wieder als unentbehrlich vor unsern Augen steht . Tue jetzt , was du deinen Zuständen am gemäßesten hältst ; prüfe dich , ja verändre lieber deinen gegenwärtigen Entschluß : aber aus dir selbst , aus freiem , wollendem Herzen . Laß dich nicht zufällig , nicht durch Überraschung in die vorigen Verhältnisse wieder hineinziehen ; dann gibt es erst einen Zwiespalt im Gemüt , der unerträglich ist . Wie gesagt , ehe du diesen Schritt tust , ehe du dich von mir entfernst und ein neues Leben anfängst , das dich wer weiß auf welche Wege leitet , so bedenke noch einmal , ob du denn wirklich für alle Zukunft Eduarden entsagen kannst . Hast du dich aber hierzu bestimmt , so schließen wir einen Bund , daß du dich mit ihm nicht einlassen willst , selbst nicht in eine Unterredung , wenn er dich aufsuchen , wenn er sich zu dir drängen sollte . « Ottilie besann sich nicht einen Augenblick , sie gab Charlotten das Wort , das sie sich schon selbst gegeben hatte . Nun aber schwebte Charlotten immer noch jene Drohung Eduards vor der Seele , daß er Ottilien nur so lange entsagen könne , als sie sich von Charlotten nicht trennte . Es hatten sich zwar seit der Zeit die Umstände so verändert , es war so mancherlei vorgefallen , daß jenes vom Augenblick ihm abgedrungene Wort gegen die folgenden Ereignisse für aufgehoben zu achten war ; dennoch wollte sie auch im entferntesten Sinne weder etwas wagen noch etwas vornehmen , das ihn verletzen könnte , und so sollte Mittler in diesem Falle Eduards Gesinnungen erforschen . Mittler hatte seit dem Tode des Kindes Charlotten öfters , obgleich nur auf Augenblicke , besucht . Dieser Unfall , der ihm die Wiedervereinigung beider Gatten höchst unwahrscheinlich machte , wirkte gewaltsam auf ihn ; aber immer nach seiner Sinnesweise hoffend und strebend , freute er sich nun im stillen über den Entschluß Ottiliens . Er vertraute der lindernden , vorüberziehenden Zeit , dachte noch immer die beiden Gatten zusammenzuhalten und sah diese leidenschaftlichen Bewegungen nur als Prüfungen ehelicher Liebe und Treue an . Charlotte hatte gleich anfangs den Major von Ottiliens erster Erklärung schriftlich unterrichtet , ihn auf das inständigste gebeten , Eduarden dahin zu vermögen , daß keine weiteren Schritte geschähen , daß man sich ruhig verhalte , daß man abwarte , ob das Gemüt des schönen Kindes sich wieder herstelle . Auch von den spätern Ereignissen und Gesinnungen hatte sie das Nötige mitgeteilt , und nun war freilich Mittlern die schwierige Aufgabe übertragen , auf eine Veränderung des Zustandes Eduarden vorzubereiten . Mittler aber , wohl wissend , daß man das Geschehene sich eher gefallen läßt , als daß man in ein noch zu Geschehendes einwilligt , überredete Charlotten , es sei das beste , Ottilien gleich nach der Pension zu schicken . Deshalb wurden , sobald er weg war , Anstalten zur Reise gemacht . Ottilie packte zusammen , aber Charlotte sah wohl , daß sie weder das schöne Köfferchen noch irgend etwas daraus mitzunehmen sich anschickte . Die Freundin schwieg und ließ das schweigende Kind gewähren . Der Tag der Abreise kam herbei ; Charlottens Wagen sollte Ottilien den ersten Tag bis in ein bekanntes Nachtquartier , den zweiten bis in die Pension bringen ; Nanny sollte sie begleiten und ihre Dienerin bleiben . Das leidenschaftliche Mädchen hatte sich gleich nach dem Tode des Kindes wieder an Ottilien zurückgefunden und hing nun an ihr wie sonst durch Natur und Neigung , ja sie schien durch unterhaltende Redseligkeit das bisher Versäumte wieder nachbringen und sich ihrer geliebten Herrin völlig widmen zu wollen . Ganz außer sich war sie nun über das Glück , mitzureisen , fremde Gegenden zu sehen , da sie noch niemals außer ihrem Geburtsort gewesen , und rannte vom Schlosse ins Dorf , zu ihren Eltern , Verwandten , um ihr Glück zu verkündigen und Abschied zu nehmen . Unglücklicherweise traf sie dabei in die Zimmer der Maserkranken und empfand sogleich die Folgen der Ansteckung . Man wollte die Reise nicht aufschieben ; Ottilie drang selbst darauf ; sie hatte den Weg schon gemacht , sie kannte die Wirtsleute , bei denen sie einkehren sollte ; der Kutscher vom Schlosse führte sie ; es war nichts zu besorgen . Charlotte widersetzte sich nicht ; auch sie eilte schon in Gedanken aus diesen Umgebungen weg , nur wollte sie noch die Zimmer , die Ottilie im Schloß bewohnt hatte , wieder für Eduarden einrichten , gerade so wie sie vor der Ankunft des Hauptmanns gewesen . Die Hoffnung , ein altes Glück wiederherzustellen , flammt immer einmal wieder in dem Menschen auf , und Charlotte war zu solchen Hoffnungen abermals berechtigt , ja genötigt . Sechzehntes Kapitel Als Mittler gekommen war , sich mit Eduarden über die Sache zu unterhalten , fand er ihn allein , den Kopf in die rechte Hand gelehnt , den Arm auf den Tisch gestemmt . Er schien sehr zu leiden . » Plagt Ihr Kopfweh Sie wieder ? « fragte Mittler . » Es plagt mich , « versetzte jener ; » und doch kann ich es nicht hassen , denn es erinnert mich an Ottilien . Vielleicht leidet auch sie jetzt , denk ich , auf