ein Jahr , bis diese Procedur zu Stande kam ... Terschka ' s Dankesbriefe hoben nicht wenig das Gefühl des alten Mannes , der sich einer guten That bewußt war und oft mit Schmerz von seinem Schicksal sprach , das ihn gerade über die , denen er Gutes erweisen wollte , zum willenlosen und wie von Gott bestimmten Richter machte ... Die Räthsel , die den deutschen Pilger umgaben , hatten sich für Hubertus nur theilweise gelüftet ... Bald nach dem Vorfall mit jener Uhr , einem Zusammentreffen , das Federigo am wenigsten aufklären mochte , kam das Ende des treuen Sultan , der , von seiner Wunde geheilt und einen Augenblick die Freiheit nutzend , seinem Herrn wieder bis auf mehr als funfzig Meilen gefolgt war und am Ziel seiner Sehnsucht durch den Pfarrer von San-Giovanni so misverständlich sein Ende finden mußte3 ... Lebhafter denn je gedachte Hubertus heute der Folgen , welche damals eine an sich so entschuldigte That des edlen Paolo Vigo nach sich zog ... Er gedachte seiner Klagen damals , als sein zufälliger Ausgang aus dem Kloster , um zu terminiren , ihn nach San-Gio führte , ein Volkshaufe um den verendenden Hund stand , er ihn erkannte , ins Kloster trug , ganz so , wie zuweilen Sanct-Philippo Neri , mit dem ihn Klingsohr so oft verglichen , abgebildet wird ... Paolo Vigo erfuhr die Geschichte des Hundes , war davon aufs tiefste ergriffen und besuchte den Eremiten unter den Bluteichen , gleichsam um seine rasche That zu entschuldigen ... So knüpfte sich zuletzt eine Freundschaft , die auch ihn ins Strafkloster Firmiano brachte ... Hier aber zeigte sich die gute Wirkung solcher Nachbarschaft ... Jähzorn , Völlerei , alle Leidenschaften , von denen das Amt des Priesters geschändet wird , fingen dort allmählich zu verschwinden an ... Nicht genug konnte der Guardian , ein milder gutgesinnter Mann , nach Cosenza rühmen , wie sich seine Pfleglinge gebessert hätten ... Schickte man aber eben deshalb schon seit lange niemanden mehr her ? ... Nahm man eben deshalb niemanden mehr fort ? ... Es war , als wenn dies stille Waldkloster in der Welt vergessen war ... Hatte Hubertus Recht gethan , so ausdrücklich die Jesuiten an die Existenz desselben zu erinnern ? ... Gerade Diesem vorzugsweise nachdenkend , hörte Hubertus jetzt die Uhr des Klosters die vierte , d.i. die elfte Stunde schlagen und machte sich , von Unruhe getrieben , noch früher auf den Weg , als er anfangs beabsichtigt hatte ... Ueber die Höhen wehte ein frischer Nachtwind ... Noch eine halbe Stunde brauchte er , bis er am Klosterthor die Glocke zog ... Hier sollte ihn aber dann sogleich ein glücklicher Zufall begrüßen ... Es war Paolo Vigo selbst , der heute den Pförtnerdienst verrichtete ... Eine edle Gestalt voll ernster Würde , mager , abgezehrt , begrüßte ihn ... Der Pförtner trat Hubertus mit dem frohesten Willkommen entgegen ... Hubertus sah ihn voll Erstaunen , band sich seine beim Steigen losgegangene Kuttenschnur fester und sprach : Das muß ja dem Guardian ein Traum eingegeben haben , Euch gerade heute an die Thür zu stellen ! Ihr seid noch wach ? Ich bitte Euch , bleibt es ja ! ... Weckt unsere Schlafsäcke die Matutin , so laßt Euch nur vom Guardian auf der Stelle Urlaub geben - ... Nicht wahr ? Um unsern Vater aufzusuchen - ? ... fiel Paolo Vigo mit lebhaftester Erregung ein ... Ich konnte mir doch denken , daß Ihr gerade zum zwanzigsten August wieder zurücksein würdet ... Zum zwanzigsten August - ? ... Verderbt mir den Willkomm nicht ! entgegnete erschreckend Bruder Hubertus ... Bei Sanct-Hubert ! Wo hatt ' ich meinen Kalender ! ... Haben wir heute den heiligen Rupert und bei Witoborn die ersten Schnepfen - - ! Und ich - ich - - Esel - ! ... Morgen ist doch Sanct-Bernhard ! bestätigte Paolo Vigo . Wißt ihr das nicht - ? ... Ich stehe wie ein Soldat auf Schildwacht und bitte Gott , mir eine gute Ablösung zu geben ... Ihr seid voll guter Anschläge , Bruder ; sagt , wie fang ' ich es an , sofort zu den Bluteichen zu kommen ! ... Drei Nächte hatt ' ich denselben Traum und keinen guten mein ' ich ... Ich hörte an meiner Zelle kratzen , wie von einem Hunde , der herein wollte ... Ich sah im Geist den guten Sultan vor mir ... Oeffnete ich dann , so fand ich nichts - ... Dreimal das hintereinander ! - Ich glaube an solche Dinge nicht - aber ich meine doch - Federigo ist krank oder es geschieht ihm sonst nichts Gutes - ... Der heilige Bernhard ist morgen - ! sprach Hubertus dumpf und vor sich hinsinnend , immer besorgter und im Ton des härtesten Vorwurfs gegen sich selbst ... Leb ' ich so in den Tag hinein ! ... Ihr träumtet vom Sultan ? Und ich träume schon seit Neapel von nichts , als von Wölfen , die an den Bluteichen eine Lämmerheerde fressen ... Wißt Ihr hier denn auch nicht , warum unser San-Giovanni drüben so voll Soldaten steckt ? ... San-Giovanni ? ... entgegnete Paolo Vigo bestürzt ... Euer Pfarrhaus und alle Scheunen sind voll .... Auch in Spezzano siehts wie im Lager aus ... Ist morgen Sanct-Bernhard - ! ... Glaubtet Ihr , daß ich um irgendetwas Anderes Urlaub wünschte , als um an diesem Tage - Nun Ihr wißt doch , daß ich jedesmal , wo ich an diesem Tage nicht bei den Bluteichen war , erklärte , ein Jahr aus meinem Leben verloren zu haben - ! ... Hubertus hatte sich inzwischen durch die niedrig und rundbogig gewölbten Gänge zum Refectorium begeben , wo noch auf dem Speisetische die Lampe brannte ... Paolo Vigo folgte ihm in den anmuthig kühlen , von kleinen gewundenen Säulen arabischen Geschmacks getragenen Raum ... Ein Schrank enthielt die Vorrichtung , sich zu einem hier immer bereitstehenden Kruge voll