Wildbach irgendwo ein Hemmniß hatte ... Von Weißdornbüschen wildüberwuchert zeigte sich ein Vorsprung , um den das schäumende Gewässer sich herumzwängen mußte ... Endlich fand sich - unter den Büschen das Schreckbild einer zerschmetterten und verwesten Leiche ... Der Kopf war schon unkenntlich , aber die andern Glieder hatten sich noch unzerstört erhalten - die kühle Wasserluft verzögerte die Auflösung ... Eine Weile währte es , bis Hubertus es wagte näher zu treten und den vollen Anblick des Schreckens dauernd zu ertragen ... Ein Dolch , den er nach Landessitte in seiner Kutte trug , schnitt die Kleider der Leiche auseinander ... In den Taschen lag noch Geld , eine Uhr ; die Brieftasche war nicht zu finden ... Hubertus durchsuchte den ganzen Körper ... Das Portefeuille war verschwunden ... Ohne Zweifel war es beim Sturze aus der Tasche geglitten ... Aber auf dem steinigen Grund der krystallenen Woge blinkte Gold auf ... Hubertus blickte weiter um sich ... Da lagen auch Blätter Papier , eingeklemmt in die spitzen Steine ... Die nassen Blätter gingen beim Aufnehmen auseinander ... Hubertus sah , daß es Bruchstücke waren , die einem Paß oder einem ähnlichen Document angehörten ... Wieder suchte er mit spähendem Auge ... sie fanden sich , jetzt auch am Ufer , einzelne zerstreute Blätter ... Vom Regen und vom Schaum des Neto waren sie so aufgeweicht , daß sie schon beim Aufnehmen unter der Hand auseinandergingen ... Dennoch nahm er alles vorsichtig an sich und wickelte es zum Trocknen in sein Taschentuch ... Nach langem Suchen dann nichts mehr findend , nahm er einige wild durcheinanderliegende Steine , bildete in Manneslänge in der Erde eine Höhlung , warf in sie die Reste des verwesten Körpers und bedeckte alles mit den Steinen und buschigen Weißdornzweigen , die er mit dem Dolch abschnitt ... Uhr und Geld nahm er in sein Bündel noch hinzu , sprach einen kurzen Segen und machte sich auf den Heimweg , dessen noch gesteigerte Schwierigkeiten die Gewandtheit seines Körpers überwand ... Von jener Brieftasche fand sich nichts mehr - er durfte sich sagen , daß die Papierreste , die er gefunden , hinreichten , um einem so kleinen Behälter schon einen ansehnlichen Umfang zu geben ... Das Geld floß dem nächsten Opferstock an der Kirche von San-Giovanni zu ; die Uhr und die Papiere wurden bei passender Gelegenheit für einen Besuch bei Federigo aufgespart ... Sie zu lesen verhinderten - natürliche Schwierigkeiten ... Nicht zu oft durfte es Hubertus wagen , die Bluteichen zu besuchen ... Nur dann ging er , wenn ihn zu mächtig die Sorge für den immer mehr verwitternden Greis ergriff - nach einem stürmischen Wetter , nach einem Briefe , deren zuweilen welche für Federigo - dann waren sie eingelegt an Hubertus - beim Guardian einliefen ; diese kamen von Rom und waren , wie Hubertus gelegentlich bemerkte , in seltsamen Chiffern geschrieben ... Als den Mönch eines Tages wieder die Hütte seines Freundes mit seinem , dem Leichnam abgenommenen Funde beherbergte , betrachtete dieser die Uhr mit äußerstem Erstaunen ... Der Eremit erkannte sie für die seinige ... Nicht daß sie ihm jetzt geraubt war , sie hatte ihm vor vielen Jahren gehört ... Daß Picard sie aus dem Grabe des alten Mevissen gestohlen , konnte durch die Mittheilungen des Mönches theilweise errathen werden - Hubertus wußte , daß Picard auf dem Friedhof eines deutschen Dorfes ein Grab erbrochen hatte ... War es das des alten Mevissen - ? dachte Federigo . Welche Verwickelungen konnten dann entstanden sein , falls sein Vertrauter an solchen Erinnerungen noch mehr in die Grube mit sich genommen hatte ! - ... Mit einer Aufregung , die Hubertus an seinem Freunde sonst nicht gewohnt war , durchflog dieser die Papierreste , die sich in Picard ' s Nähe gefunden hatten ... Ihr Inhalt schien ihn allmählich zu beruhigen ... Aus einigen Brieffragmenten ergab sich aber eine Beziehung Picard ' s zu Terschka ... Sie hatten sich , das ersah man deutlich , in London gekannt ... Die Briefe waren vorsichtig abgefaßt und enthielten sogar besonnene Mahnungen , manche Ablehnung der Picard ' schen Zudringlichkeit - Terschka ' s Ton war hier in hohem Grade vertrauenerweckend - ... Die nunmehrige Entdeckung der Thatsache , daß sich Hubertus damals auf Schloß Westerhof in Terschka ' s Person nicht geirrt hatte , nahm ihn trotz Terschka ' s damals so schroffer Ablehnung für ihn ein ... Die Klage Terschka ' s über seine eigene hülflose Lage , auch die zufälligerweise in diesen Briefen von ihm ausgesprochene Reue über seine schnöde Behandlung des » guten Franz Bosbeck « , der ihm so wohlgesinnt gewesen , alles das konnte Hubertus nicht hören , ohne an sein noch in Witoborn bei einem Advocaten stehendes Geld zu denken ... Auch Federigo kannte von Castellungo her den Lebenslauf Terschka ' s , kannte seinen Uebertritt zu einer Confession , die an Federigo und den Waldensern der nur in jüngeren Jahren fanatisch katholische Mönch zu achten gelernt hatte , und rieth dazu , diesen Wink des Schicksals zu beachten ... Wenn Hubertus doch einmal sein Vermögen dem Kloster Himmelpfort entziehen wollte - und nach seinem Tode würde Pater Maurus in Himmelpfort sich schon zu Gunsten seiner Ansprüche regen und geltend machen , daß Hubertus nur als ein auf Urlaub befindlicher Mönch seiner Provinz betrachtet werden konnte - so sollte er sich eilen , dem Erben , den er sich nun einmal gewählt und der hoffentlich besser damit verfahren würde , als Jân Picard , seine , wie man sähe , dringend ersehnte Hoffnung nicht zu entziehen - Die Partheilichkeit , die Gräfin Erdmuthe für Terschka von jeher gezeigt , hatte sich auch dem Einsiedler mitgetheilt ... Durch ihn , als Schreibkundigen , zugleich durch den wohlgesinnten Guardian des Klosters Firmiano , leitete Hubertus eine Verhandlung mit den Gerichten im fernen Witoborn ein , der zufolge Terschka die Summe , die er diesem gleich anfangs bestimmt hatte , richtig in London ausgezahlt erhielt ... Es währte