Boccheciampo , ein ehemaliger sicilianischer Bravo , ging wie jeder andere Flüchtling unter einer Mehrzahl unbescholtener und den reinsten Ueberzeugungen lebender Männer .... Diesem schloß sich Picard an ... Mit goldenen Ringen , Uhrketten überladen , nannte er sich einen Belgier van der Meulen ... Boccheciampo leitete jene Intrigue des Cardinals Ceccone , der zufolge mit den römischen Invasionen der Flüchtlinge , um sie zu compromittiren , die Räuberelemente der Mark Ancona und der Abruzzen verbunden werden sollten ... Van der Meulen reiste mit Boccheciampo über Gibraltar und Malta nach Korfu ... Hier musterten die Bandiera ihr Fähnlein und beurtheilten es im besten Vertrauen auf die Bürgschaft der londoner Absender ... Schon sollte ein von ihnen gemiethetes und commandirtes Schiff nach Porto d ' Ascoli in See stechen , als die Briefe des von Hubertus befreiten Federigo ankamen und die Insurgenten vor einer ihnen gelegten Falle warnten ... So spielte sich der Schauplatz der demnach schon im Keim hoffnungslosen Unternehmung auf eine andere Stelle Italiens , wo eine gleichzeitige Erhebung Siciliens in Aussicht gestellt wurde ... Hier offenbarten sich die schlechten Elemente , die sich unter den Insurgenten befanden2 ... Mit der dreifarbigen Fahne marschirten die Verschworenen , die in Punta d ' Allice landeten , über Rossano auf Salerno zu , wo gleichfalls eine Erhebung angesagt war ... Aber im Gegentheil ; vorbereitet fand man überall nur den Widerstand ; sämmtliche Bürgergarden waren einberufen ... Wuchs auch der Haufen der Insurgenten von Ort zu Ort , so konnte er doch die erste Begegnung mit regulären Truppen nicht aushalten ... Die Trümmer des zersprengten Corps suchten Schutz auf dem hohen Kamm der Apenninen ... Hier irrten sie bis auf die höchsten Gipfel und bis da hinauf , wo im schmelzenden Schnee die Ströme des Neto , Leso , Arvo ihren Ursprung nehmen ... Hubertus erfuhr im Kloster , daß die Bandiera mit zwanzig ihrer Angehörigen in jene Schlucht gedrungen waren , wo unter den Bluteichen Frâ Federigo seine Hütte erbaut hatte ... Unruhig , ob sich die Nachricht bestätigte , daß von Spezzano aus eine Militärcolonne in den Wald rücken sollte , verließ Hubertus sein Kloster , ging die Windungen des Neto entlang und begegnete zweien zerlumpten , Banditen ähnlichen Männern , die in Eile daherlaufend und sich scheu umblickend ihn anriefen : Sind in San-Giovanni Soldaten ? ... Kaum waren sie so nahe , um unter seine Kapuze zu blicken , so wandte sich der eine ... Die Stimme , die Hubertus gehört , schien ihm bekannt ; der flüchtige Blick hatte ihm eine selbst in solcher Verwilderung erkennbare Physiognomie ins Gedächtniß gerufen ... Das ist ja Picard ! sagte er sich mit dem höchsten Erstaunen und beflügelte seine Schritte , die Flüchtigen einzuholen ... Je lebhafter sie von ihm verfolgt wurden , desto schneller eilten sie vorwärts ... Bei San-Giovanni machten sie einen Umweg und schlichen unterwärts durch die Kornfelder ... Hubertus folgte rastlos ; zumal da er sah , wie sie sich furchtsam die Mauern entlang drückten und den Schutz der Gärten suchten ... Es ist Picard ! wiederholte er sich . Picard , den ich in Amerika glaubte ! Picard , der die Kraft meines Armes fürchtet ! ... Der Ideenkreis unsres guten Hubertus war klein - aber klar trat ihm Picard ' s Theilnahme an jener von Porto d ' Ascoli aus irregeleiteten Unternehmung vors Auge ... Eine Gefahr , sowol für die ihm durch Federigo ' s Mittheilung bemitleidenswerth gewordenen Brüder Bandiera , wie für Federigo , welcher die der deutschen Sprache Kundigen vielleicht gastlich aufgenommen - stand lebhaft vor seinen Augen ... Ahnend , daß die Flüchtlinge trotz der Soldaten ausdrücklich Spezzano suchten , schnitt er ihnen bei seiner schon gewonnenen Terrainkenntniß den Weg ab ... Inzwischen kletterten die Flüchtlinge aus der Tiefe , die keinen Weg mehr bot , zur obersten Saumthierstraße empor ... Hier erwartete sie jedoch schon der schreckhafte Mönch , ein Knochenskelett ... Hubertus trat ihnen muthig entgegen ... Picard ! rief er , noch zweifelnd ; aber Picard war es , er erkannte den Räuber ... Zurückbebend sagte dieser , und zum Tod erschrocken , in deutscher Sprache : Jesus Maria ! Seid Ihr es , Bosbeck ? Ich glaubte Euch in Rom ! Dort wollt ' ich Euch aufsuchen ! Steht uns bei ! Wir müssen nach Spezzano ... Sind Soldaten in Spezzano ? unterbrach der andere auf italienisch ... Picard fuhr fort : Ist alles vorüber , Alter so erzähl ' ich Euch , wie schlecht es mir am Ohio gegangen ... Und wieder rief mit wildem Ungestüm der andere : Sagt rasch , rasch , rasch ; sind Soldaten in Spezzano ? ... Was wollt ihr mit Soldaten ? antwortete Hubertus , der wohl begriff , daß des Italieners Worte nach Soldaten ein Verlangen nach ihnen und keine Besorgniß ausdrückte ... Sie werden euch fangen - ! setzte er forschend hinzu . Gewiß seid ihr von der Bandiera-Bande aus Korfu ... Das mag recht sein ! erwiderte der andere - es war Boccheciampo ... Aber nur schnell ! Schnell ! Führt uns auf dem kürzesten Wege nach Spezzano ! ... Aus Dem , was die athemlosen und erschöpften Männer sonst noch vorbrachten , ersah Hubertus , daß sich beide von den übrigen Flüchtlingen getrennt hatten , sich mit den ausgestellten Posten der bewaffneten Macht in Verbindung zu setzen hofften und ohne Zweifel einen Zug anzeigen wollten , welchen , wie er erfuhr , der Rest der Insurrection von den Bluteichen aus diese Nacht über den Kamm der Montagne delle Porcine hinweg unternehmen wollte , um den Meerbusen von Squillace und von dort die See zu gewinnen ... In San-Giovanni di Fiore , hörte er , würde dieser Zug um Mitternacht ankommen und leicht von den Truppen aufgehoben werden können , wenn diese ihm nicht sofort bis zu den Bluteichen entgegengehen wollten ... Hubertus sah die verrätherische Absicht ... Diesen Zug wollt ihr angeben ? fragte er und hielt schon Picard ' s Arm fest ...