Aufenthalt vorläufig noch dem Cardinal und dem Fürsten Rucca zu verschweigen , fügte hinzu , sie möchte ihm insgeheim von seinem General die Erlaubniß erwirken , in San-Firmiano , einem Franciscanerkloster , bleiben zu dürfen , das glücklicherweise in der Nähe des Ortes lag , wo sich Federigo seine Hütte gebaut ... Sein früherer Pflegling , Pater Sebastus , war genesen und hatte eine seinen Wünschen entsprechende Stellung gefunden ... Lucinde vermittelte alles , was er wünschte und seine Bitte wurde gewährt ... Durch eine wunderbare Fügung des Zufalls traf es sich auch , daß gerade dies plötzliche Verschlagenwerden nach dem Süden Italiens zugleich die Anknüpfungen an eine so lange von Hubertus verfolgte Absicht bot , sein von Brigitte von Gülpen ererbtes Vermögen dem verhaßten Kloster Himmelpfort zu entziehen und zweien Personen zuzuwenden , die ihm seine von Gott ihm auf die Seele gebundenen Kinder schienen , da sie einst in seinen Armen gerettet blieben bei jenem verzweifelten Sprunge aus der Höhe eines brennenden Hauses in Holland ... Einer derselben hatte seine Güte nicht verdient ... Und doch hatte wiederum Jân Picard , damals Dionysius Schneid genannt , aus dem Brand von Westerhof von ihm gerettet werden müssen ... Anderthalb Jahre war es damals her , daß Löb Seligmann am Eingang zur Kirche des Klosters Himmelpfort jenes furchtbare Krachen gehört und im Todtengewölbe Licht gesehen hatte ... Damals benutzte Hubertus die gerade noch im Bau begriffene Begräbnißstätte des Kronsyndikus , um den muthmaßlichen Brandstifter im Todtengewölbe der Kirche zu verbergen ... Die mächtige Marmorplatte , auf welche Namen und Würden des Geschiedenen gemeißelt werden sollten , ließ er oberhalb der Grube niederfallen , in die sein damals noch unwiderstehlicher Arm den Verwundeten über die hinunterführende Leiter trug ... Für einige Augenblicke machte er dann Licht und bereitete unter den Särgen dem Kranken ein Lager ... Seine Drohungen mußte Jân Picard aus einem so entschlossenen Munde für Ernst nehmen ... Drei Tage und drei Nächte verpflegte ihn Hubertus , ohne in den Verstockten dringen , ganz seine auf Westerhof vollführte That erforschen zu können ... Sein Interesse für Terschka , seine Sorge für den auf seiner Zelle und unter des Pater Maurus ' Zucht verzweifelnden Klingsohr bestimmten ihn , diese Last sich je eher je lieber abzuschütteln ... Lucinden hatte er das Wort gegeben , ihn nicht zu verrathen ... Zugleich vertraute er dem Ton der Verstellung , die von einer dumpfen Bigotterie , die in Picard lebte , unterstützt wurde , nahm von ihm das Gelöbniß der Besserung entgegen , ließ den gegen religiöse Eindrücke nicht Verschlossenen bei einem der auf den Gräbern angebrachten Kreuze schwören und vertraute dem Versprechen , daß der Zögling der Galeeren nach Amerika auswandern und dort mit Hülfe der großen Summe , die er ihm für diesen Fall bestimmt hatte , ein neues Leben beginnen wolle ... Diese Summe , vor kurzem erst erhoben , trug Hubertus in Papieren bei sich ... Die Ueberraschung und Geldgier des Räubers nahm die Form einer Dankbarkeit an , die aufrichtig schien ... Picard vermaß sich hoch und theuer , an den Ufern irgend eines der Ströme Amerikas Grundbesitz kaufen und sein Leben hinfort nur noch der Reue und Arbeit widmen zu wollen ... Nach einigen Tagen , während ihn Hubertus unter den Särgen verpflegt hatte , brachte er ihn mit größter Behutsamkeit auf den Weg nach Bremen ... Picard ging , wie wir wissen , über London und gerieth unter seine gewohnte Gesellschaft ... Er verthat die für England nicht zu große Summe in kurzer Zeit ... Ohne Mittel , fiel er in seine frühern Gewohnheiten zurück ... Die französische Sprache , deren er mächtig war , die anfänglich ihm so reich zu Gebote stehenden Summen hatten ihn in Verbindungen gebracht , die weit über die Sphäre gingen , auf welche seine rohe Bildung angewiesen war ... So war es möglich geworden , daß er Terschka begegnete , den er von Westerhof kannte ... Ohne sich ihm als Dionysius Schneid zu erkennen zu geben - seine kunstreichen Perücken sind uns vom Finkenhof her bekannt - knüpfte er an die ihm von Hubertus ausgesprochenen Vermuthungen über Terschka ' s Person an , erinnerte an ihre gemeinschaftlich bei einem Müller , später bei einem Scharfrichter verlebte Jugendzeit und hatte , da sich Terschka , trotz der lockenden Aufforderung , die sein Jugendgespiele an ihn richtete , er sollte sich getrost die auch ihm bestimmte Summe vom alten Jugendkameraden , Franz Bosbeck , dem jetzigen närrischen Mönch Hubertus kommen lassen , befremdet und höchst entrüstet zeigte und diese Reden zurückwies , die Frechheit , Terschka ' s Rock- und Hemdärmel aufzureißen und ihm das holländische Brandmal der Verbrecher auf seinem Arm zu zeigen ... Terschka , nun zum Schweigen verurtheilt , kämpfte mit sich , was er thun sollte ... Hubertus war nach Italien gegangen ; eine Correspondenz mit dem in Rom auf San-Pietro in Montorio Verweilenden war nicht möglich , ohne sein Geheimniß noch mehr zu compromittiren ; - die große Summe reizte ihn aber - für ihn bestimmt war sie in Witoborn niedergelegt ... Terschka mußte sie zu bekommen suchen ... Einstweilen suchte sich Terschka Picard ' s selbst zu entledigen ... Die Reihen der Emigrationen waren von je gemischt ... Mit dem Schein des politischen Flüchtlings umgibt sich der betrügerische und flüchtige Bankrottirer , der Spion , der falsche Spieler ... Unter den verbannten Karlisten und Sicilianern gab es Charaktere , für deren erste Lebensanfänge niemand gutsagen konnte ... Nicht nur Ceccone ' s Intrigue , die Intrigue der meisten Regierungen ging in England dahin , irgendwie in das innere Getriebe der Conspirationen einzutreten . Zu Horchern und Provocatoren geben sich dann reine Charaktere nicht her - so mußten sich den oft phantastischen und der Welt unkundigen Edelgesinnten Betrüger zugesellen ... Das große Weltgewühl erschwert die gegenseitigen Prüfungen ... Picard , der seit Jahren schon verschiedene Namen geführt und in den abwechselndsten Lagen gelebt hatte , schloß sich den für Malta und Korfu geworbenen entschlossenen Revolutionären an ...