selbst , der ihn erlegte ... Unglücklicher ! rief Federigo voll Entsetzen über diese Tollkühnheit und die mögliche Rache seiner Genossen ... Er hielt aufs neue seine Schritte an ... Nun aber war schon der Weg zu schroff , als daß sein Fuß sich noch selbst regieren konnte ; er mußte vorwärts wider Willen ... Indessen wuchs der Lärm an den Stellen , wo man Licht bemerkt hatte ... Nur noch hundert Schritte waren die Fliehenden entfernt vom Nachen ; dennoch konnte der kurze Weg den Tod bringen ... Die Gefahr wuchs , als Sultan die Herbeieilenden bemerkte , wüthend zu bellen anfing und sich zum Angriff rüstete ... Schon sprang er einigen Männern entgegen , die mit Pistolen und Flinten , halbnackt und schlaftrunken , von einem Felsenvorsprung her sich näherten ... Indessen hatte Hubertus den Nachen gewonnen und den ermatteten Federigo mit Gewalt vom Ufer zu sich herübergezogen ... Sultan ! Sultan ! riefen beide im schaukelnden Kahne , den Hubertus schon losband ... Da blitzte Pulver auf den Feuerröhren der Ankommenden auf , Schüsse fielen , Kugeln sausten ... Darüber flog der Nachen vom Ufer ... Sultan , der nachsprang und von Federigo ' s ausgestreckten beiden Armen nachgezogen werden sollte , sank unter , getroffen von einer Kugel , die seinem Herrn gegolten ... Von der unruhigen Brandung geschleudert flog der Nachen machtlos in die Weite ... Das treue Thier blieb auf dem Meeresgrund oder in der Gewalt der Verfolger zurück ... Mit einem Schmerz , der sich in lauten Jammertönen kund gab , brach Federigo auf dem Boden des Fahrzeugs zusammen - ... Ja - dieser wunderbaren Nacht mit ihrem Gefolge von Freude und herzzerreißendem Leid mußte jetzt Hubertus gedenken auf dem stillsten Orte der Welt , in diesem einsamen Gebirgsthal Calabriens , ruhend auf einem Stein , um den selbst die Eidechsen und Käfer jetzt schliefen ... Bilder des Kampfes , Bilder neuer Gefahren traten vor sein erregtes Gemüth ... Eine Ahnung , welche mit dem von Neapel hinweggenommenen Eindruck der Falschheit zusammenhing , sagte dem schlichten Mann , der alles , nur kein Menschenkenner war : Wenn sich Federigo ' s ruheloses Leben erneuerte ! Wenn der hochbetagte Greis in seinem düstern Waldesdunkel nicht länger sicher bliebe ! ... Seit jener Flucht vom Felseneiland bei Ascoli waren fast zwölf Jahre vergangen ... Doch traten gerade heute alle Einzelheiten derselben vor die Seele des einsamen , hier wie am Grabe der Natur wachenden Wanderers ... Er gedachte , wie damals der erste Schmerz um den Verlust des wie man glauben mußte todten Thieres alles andere überwog - wie die Flüchtlinge damals sich vorstellen mußten , wie oft der brave Sultan gefangen gewesen sein mußte , um ein Jahr zu brauchen , die Spur seines Herrn von Piemont bis zur Mark Ancona wiederzufinden - ! ... Und am Ziel seines edlen Naturtriebes1 mußte das treue Thier zusammenbrechen - ... Aber Hubertus gedachte nun auch , wie damals mit dem anbrechenden Tage die Sorge wuchs und ihre Kräfte nicht mehr ausreichten , den Nachen zu regieren - wie der Nachen ans Ufer getrieben wurde und die Landung neue Gefahren brachte , da Federigo dem Vorschlag , sich den Grenzbeamten zu überliefern und nach Rom zu fliehen , aufs allerentschiedenste widersprach , immer und immer als das Ziel seiner vor dreiviertel Jahren unterbrochenen Pilgerschaft nach Loretto , das er sich nur der Merkwürdigkeit und des allgemeinen Pilgerstromes wegen hatte ansehen wollen , nur den Silaswald in Calabrien bezeichnete ... Wie erbebte noch jetzt des guten Bruders Theilnahme unter der Erinnerung an die seltsamen Gründe , welche für diese Reise damals Federigo angab und Hubertus wol schwerlich sämmtlich erfahren hatte - ... Die von Ceccone geleiteten Fäden der Verlockung der Bandiera in einen Aufstand der Räuber hatten ebenso in Federigo ' s Händen gelegen , wie die jener Mittel , durch welche sich Grizzifalcone die Erkenntlichkeit des Fürsten Rucca erwerben wollte ... Jene Listen , welche er dem Räuber hatte schreiben müssen , besaß er - er warf sie zu Hubertus ' Erstaunen zerrissen ins Meer ... Lebhafter war Federigo ' s Drang , die Insurgenten in Korfu zu warnen ... Federigo hoffte irgendwo eine Post anzutreffen , um einen Brief nach Korfu an die ihm wohlbekannten Adressen der Emigration zu schicken ... Dies that er dann auch ... Um die Landung in Porto d ' Ascoli zu hintertreiben , um vor den Namen zu warnen , die bisher nach Korfu gleichsam als Einverstandene und zur Invasion Ermunternde geschrieben hatten , ergriff er die erste Gelegenheit , um einige Zeilen aufzusetzen ... Hubertus erfuhr , daß der Gefangene in jener Höhle Briefe , deren Zusammenhang und Bestimmung er nicht kannte , anfangs harmlos geschrieben ... Als er die Absichten ahnte , die ihm die unheimlichsten schienen , zwangen ihm nur noch die furchtbarsten Qualen und Drohungen der von Cardinal Ceccone gedungenen Räuber die Feder in die Hand - ... Eine Folge der , des unsichern Postganges wegen , mehrfach aufgesetzten , aber in Korfu richtig angekommenen Briefe war dann die Landung der Bandiera in Calabrien ... In jenem Briefe Attilio ' s , von welchem damals in Bertinazzi ' s Loge sich Benno so mächtig hatte aufregen lassen , waren diese Mittheilungen Federigo ' s sämmtlich wiedergegeben worden ... Langsam kamen der Gerettete und Hubertus , welcher sich von seinem neuen Freunde nicht zu trennen vermochte , durch die Abhänge des Monte Sasso und durch die Abruzzen ... Endlich erreichten sie jenen alten Wald , in welchem Federigo seine Tage beschließen wollte ... Die religiösen Gespräche des Pilgers , seine genaue Bekanntschaft mit jenem deutschen Landstrich , wo Hubertus soviel Freude und Leid erfahren , des Pilgers Bekanntschaft mit soviel Personen , die in die schmerzlichsten Schicksale seines Lebens verwickelt waren , fesselten ihn in dem Grade an den deutschen greisen Sonderling , daß er sich nicht mehr von ihm trennen mochte ... Durch ihn ließ er dann an Lucinden nach Rom schreiben , bat sie , seinen