rastlos fortgesetzten Lektüre verwandt hatte , auf einen Sessel und stützte das glühende Haupt auf den Tisch , wo sonst des » alten Mannes « Uhren schlugen ... Es war auch fast , als schlug eine Uhr ... die Erinnerung weckte Beiden die Vorstellung , als wär ' es hier noch so wie einst ... Und was soll ich denn nun ? sagte Hackert ruhiger und mit gedämpfter Stimme . Geben Sie mir einmal eine Aufgabe ! Ich will sehen , ob ich sie ausführen kann ! Louise schwieg . Es führt Sie doch irgend eine Absicht her ... ich weiß es ja , das Alles sollte nur eine Vorrede sein , Kapitel Eins , nicht wahr ? Louise antwortete nicht . Sie war zu erschöpft von ihrer Aufregung und hätte eigentlich sagen mögen : Schon wieder legst du mir eine Absicht unter ? Und grade weil du ' s thust , möcht ' ich schweigen . Aber dennoch drückte sie eine Absicht . Danebrand ist nicht umsonst hier ... fuhr Hackert fort . Sie sind ein Spion ! war Louisens kurze und abweisende Antwort . Sagen Sie das dumme Wort doch nicht ! fuhr Hackert auf . Ich kenne mein Leben , ich weiß , was ich zu verantworten habe . Sie ? Verantworten ? lachte Louise bitter und blickte voll Hoheit zu dem gereizten jungen Manne hinüber . Ich bin Spion aus demselben Grunde , warum der Fürst Hohenberg Ihnen ein Tyrann ist . Wir , ich und Der , sind die beiden einzigen vernünftigen Menschen der Erde . Alle andern sind Narren , die eigentlichen Verbrecher , eigentlichen Verrückten , Sie ausgenommen , Louise , die Sie immer im Sommer Noth haben , zu vergessen , was Sie im Winter für Unsinn aus der Leihbibliothek gelesen haben . Egon tritt die Volksbestie nieder , die sich Engel dünkt , weil sie nicht auf vier Füßen kriecht . Ich lache dazu . Wir kennen uns Beide nicht , aber wir stehen in geheimer Verwandtschaft . Ha ! ha ! Melanie wird ihm wol gesagt haben , warum ich sein Schwager bin ... Bei diesen boshaften Worten sprang Louise auf , riß ihren Hut an sich , drückte ein Tuch , das sie in ihrer Aufregung fortwährend auf dem Tische zerknittert hatte , an die Stirn , lief zur Thür , öffnete , stürmte durch die Küche und war schon auf der Galerie , um die Gemeinschaft mit einem so grundverdorbenen Manne für immer zu verlassen . Da aber fühlte sie sich plötzlich von Hackert ergriffen , fühlte sich mit furchtbarer Muskelkraft von ihm zurückgehalten , zurückgeführt in die Küche , in das Zimmer und vernahm entsetzt die Worte von ihm : Sie sind hier , um mit Danebrand Dankmar Wildungen zu befreien ! Starr mit weißem Auge blickte Louise den Spion wie einen Allwissenden an ... Sie kommen im Auftrage nicht des Geheimbundes , denn er wird sich nicht an Frauen wenden , und was Jagellona von Werdeck that , kam von ihr ; aber Sie kommen im Einverständniß mit den Mädchen auf Tempelheide ... Franziska Heunisch machte die Vermittlerin zwischen Ihnen und Selma Rodewald ... Louise blieb in ihrem festen sichern Blick , aber doch zitternd ... Dankmar wird Sie auslachen ! krächzte Hackert . Hören Sie , er wird von Weibern keine Thür geöffnet haben wollen ! Was kann hier eine zerfeilte Eisenstange nützen ? Was ein erbrochner Riegel , wenn er zu erbrechen wäre ! Das Palladium ist nicht der Apostel , sondern seine Wunderbüchse . Sprengt die Kasse , wo die Truhe mit den Papieren steht ! Stehlt die Million ! Das ist der Mantel , in den sich ein Freund Fortunatus hüllen muß ! Sein Seckel ! Sein Seckel ! Mit dem davon ! Der Kerl allein verlohnt sich der Mühe nicht . Das Mädchen verstand nicht , wie sie diese an sich wahren und durch ihr mächtiges Gewicht erdrückenden Worte deuten sollte ... aber was sollte sie sagen , als Hackert ruhig eine Cigarre zog , ein Streichfeuerzeug aus der Tasche nahm , die Cigarre sich anzündete und sagte : Die Million ! Allenfalls auch Dankmar ! Wir brauchen keine Feilen . Ich weiß , bei Wem die Schlüssel hängen und wünsche nur , daß in der Nacht , wo wir ' s machen wollen , nicht die Katzen zu verliebt schreien . Hackert ! rief Louise außer sich vor Erstaunen . Nun ja , sagte Hackert , so wird ' s doch endlich recht sein ! Soll mir der große bucklige Kerl immer zuvor trotten ? Danebrand stiehlt Dankmar ' n , ich stehle die Million und Louise gibt mir den ersten ordentlichen Kuß , bei dem ich die Uhr ziehe und zählen darf : Fünf Minuten ! Was ? Louise hatte sich schon aus freiem Triebe an Hackert ' s Brust werfen wollen , aber das Wort : Ich stehle die Million ! erinnerte wie mit einem Schlage an die Erscheinung , wie wenn an einer Stelle im Gebirge , wo von den Felsen nur gering das Wasser tröpfelt , eine plötzlich gehobene , unsichtbare Schleuse einen Wasserstrom in majestätischem Sturze niederdonnern läßt , nur umgekehrt ! Hier staute plötzlich der volle Strom und wie im Nu waren die brausenden Gewässer zum unheimlichen Schweigen gebracht . Oder wie im Dunkeln an der Wand Nachts ein suchender und unverhofft anprallender Schädel , so stand Louise getroffen . Sie wußte nicht , was sie gehört hatte . Sie kannte die Wichtigkeit jener Erbschaft . Sie wußte , daß sie den Brüdern vorenthalten wurde . Sie begriff , daß Hackert in der Lage war , die einzige hier mögliche Hülfe zu bieten und daß Dankmar ' s Flucht ohne jenes Geld jetzt von geringer Bedeutung scheinen durfte . Aber das Wort : Die Million stehl ' ich ! verglichen mit Dem , der es sprach , mit der Art , wie es Hackert sprach , war wie der Einschlag eines Blitzes . Der