trennten sich nach genommener Abrede und am Nachmittag des folgenden Tages saßen Hackert und Louise Eisold an der Stelle , wo früher jeden Abend eines ihrer Schwesterchen dem Urgroßvater den gelbweißen Zopf aufgelöst hatte ... es war in diesem Zimmer stiller , als in dem nach der Galerie zu gelegenen . Kein Wandnachbar horchte , kein Gegenüber störte . Hackert , überrascht von Louisen ' s Frische und weltkundiger Gewandtheit , hatte ihre Hand in der seinen . Nicht etwa , daß er sich beherrschte . Sie hatte genug zu wehren , seinem Ungestüm auszuweichen und nur die Worte konnten ihn zähmen : Sie wissen , ich bin Danebrand ' s Verlobte . Danebrand ! rief Hackert . Ich sah ihn ja gestern ... Wie ? sagte Louise befangen und entfärbte sich . Sie irren sich wol ! fügte sie hinzu und stand auf , um sich in der Küche etwas zu schaffen zu machen , denn um ganz die Erinnerung an die alte Zeit wachzurufen , hatte sie von Murray die Erlaubniß erbeten , einen so starken Kaffee zu sieden , wie ihn Hackert liebte ... Ich sah Danebrand , bestätigte Hackert , diese Zurüstung mit Behagen wahrnehmend , und wenn ich Schmelzing wäre , würd ' ich ihn anzeigen ... Sie irren sich ! rief Louise aus der Küche von der Stelle her , wo einst ihr Bruder Karl geschlafen hatte ... Doch ! Doch ! Die hohe Schulter wird ihn verrathen , wenn er außerhalb der Vorstadt sich sehen läßt . Die Willing ' sche Fabrik wimmelt von Spionen . Er ist für immer ausgewiesen . Sie hüthen ihn wol im Pelikan ? Was ? Der Fuhrmann Peters hat ihn wol dort auf der Kegelbahn im Garten untergebracht , grade da , wo Dankmar Wildungen an den Johannisbeerhecken einst den Verlust seines Schreines erfuhr ? Warum nicht besser , entgegnete Louise mit Schärfe , am Heck der Fortuna , wo Danebrand einst mit der Schürstange lauerte ? Peters ' Frau , die die Fortuna des Herrn Hitzreuter regiert , würde ihn vielleicht nicht sobald erkennen wie Ihr Spione ! Hackert schwieg . Die Erinnerung schmerzte ihn , schmerzte ihn noch tiefer , als Louise , ihren Vortheil wahrnehmend , fortfuhr : Ich glaube , in den Ställen Lasally ' s wär ' er auch sicherer . Die Jockeys , die seinen Arm fühlten , würden ihn nicht verrathen , selbst Neumann und Jeannette nicht , die ja hoch auf bei den Bereitern leben sollen ! Schämen Sie sich , Danebrand zu erkennen ! Wer verräth ' ihn denn ? brauste Hackert auf . Was will er hier ? Ein Mensch , der seinen eignen Steckbrief auf den Schultern Jedem zu lesen gibt ? Sie lieben die pittoresken Schweizergegenden , Louise ! Dystra hat auch so etwas Hochland im Rücken . Was will denn Danebrand hier ? Man versteht keinen Spaß mit den Leuten , die hier nicht sein sollen und wiederkommen , wenn auch blos aus Neugier . Sie haben etwas vor ? Wer ? Sie und Danebrand ! Die Polizeikünste verstehen Sie perfekt . Hackert , schämen Sie sich ! Ihr Kaffee bleibt der beste , Louise , den ich seit Schlurck ' s getrunken habe ... Sie wissen doch von Schlurck ' s ? Ja , Hackert ! sagte Louise , jetzt sanfter einlenkend . Melanie ist die Fürstin Hohenberg . Das ist sie ! erwiderte Hackert bitter und spöttisch . Der Hof kommt diesen Sommer nach Buchau . Leicht möglich , daß wir dann auch den Besuch der schönen Durchlaucht haben ... Thut sie Ihnen nicht leid ? Eine Fürstin mir leid ? Mir ? Ich grinse sie jedes Mal an , wenn ich sie sehe . Ha , ha ! Muß sie nicht einen hinfälligen Mann unter ' m Arm halten , wie wenn sie seine Krücke wäre ? Ich sah sie neulich in eine Kirche gehen . Ich hätte fromm werden können um so viel jämmerliche Demuth - bei Melanie ! Ich wünschte ihr , Gott nähme ihr bald die Last ab , die sie trägt , sagte Louise . Oder nein , besser ist ' s , daß Alle sehen , wie elend dieser scheußlichste aller Verräther hinsiecht , dies tückische , herzlose Scheusal , dieser Egon von Hohenberg ! Oho ! Gibt es einen Elenderen als diesen Menschen , der aus der Lüge seiner Jugend sich zum Volke flüchtete , das Volk in seiner Liebe , Treue und Hochherzigkeit achten lernte und es dann verrieth , dieser Judas , der noch einst eine Armensünderreue empfinden und an einem Strick enden wird ! Oho ! Oho ! Warum so viel Unglück des Landes ? Diese Verfolgungen ? Diese Einkerkerungen ? Betrogen wurde das Volk , als es glaubte , sein Freund , sein Wohlthäter ergriffe das Ruder und kämpfte am Throne für die Arbeiter ... ich kenne keine Strafe , die groß genug wäre für Den ... ja , daß er diese Melanie zur Frau bekam , das ist Strafe genug ! Oho ! Louise ! Der Fürst nahm auf , was Fritz Hackert wegwarf ! Der Teufel ! Hackert sprang auf , lief im Zimmer umher , nicht zornig , sondern gekitzelt , schadenfroh , lachend ... die Hände in die Beinkleider steckend ... er verbarg nicht , welche Lust ihn erfüllte . Louise fuhr fort : Welche jämmerliche kleine Rolle spielen Sie , Hackert ! Sie , der Sie Alle am Bändel haben , quälen , vernichten könnten ! Schleichen sich gebückt durch ' s Leben , krumm und feig , lachen , grinsen und begehen nur im Geheimen einmal einen schlechten Streich , wenn Sie vorher Einer mit Ruthen peitschte ! Hackert lachte fort und drohte nur : Louise ! An Thieren rächten Sie sich , nie an Menschen ! Das lassen Sie nur ! lenkte er jetzt ernster ein . Ich begreife Sie nicht , Hackert ! Wie ich von hier ging und in der Ferne von