von einem freundlichen Gruße bewillkommt wurde und Louise Eisold , seine frühere junge Wirthin es war , die ihm ein herzliches Guten Tag ! Guten Tag ! entgegenrief . Der Diamant , den er ihr einst für ein reines Glas Wasser geschenkt hatte , funkelte an ihrer Hand , aber blitzender noch leuchtete ihr Auge , als sie ihm wiederholt : Vater Murray ! Vater Murray ! Kennen Sie mich noch ? zurief und er , als er endlich oben war und seine gleichgefaßte Vermuthung bestätigt fand , obenein sich noch stürmisch umarmt fühlte und von dem liebevollsten Kuß begrüßt . Neuntes Capitel Knappen und Laienbrüder Louise Eisold kam von Buchau , wo ihre Geschwister vom Inspektor Mangold wie seine Kinder erzogen wurden , während sie selbst versucht hatte , dem nahegelegenen Tempelstein und seinem Wiederaufbau , besonders aber der Bequemlichkeit des einstweilen in der Nähe angesiedelten Dystra , von Nutzen zu sein . Dem Bande der Ehe , das sie mit Mangold umschlingen sollte , hatte sie sich entwunden , aber sie war dem treuen Manne ein tägliches Wallfahrtsbild , zu dem er pilgern mußte , wenn sein Tag der rechten Weihe nicht entbehren sollte . Das reizend gelegene Schloß Buchau war auf eine Stunde Weges von einem Flecken entfernt , wo Dystra ein Gasthaus schnell in eine anmuthige Villa hatte umwandeln lassen und sich an dem zauberhaft schnellen Aufsteigen seines großen Tempelsteinbaues erfreute ; ja er sagte oft , wenn er rastlos mit den Architekten und Werkmeistern gearbeitet hatte : Ich verstehe jetzt das Sprüchwort , daß man seinen Tod verrathe , wenn man zu bauen anfange . Es wird mir ganz ägyptisch räthselhaft zu Muthe und wenn ich meine Pyramiden aufsteigen und dann in einen Spiegel sehe , möcht ' ich schwören , daß ich schon zur kompletten Mumie und Museumsmerkwürdigkeit zusammenschrumpfe , ehe ich noch Olga in diesen Tempel einführe . Louise Eisold gab Zeck keine klare Auskunft über den Grund ihrer Anwesenheit in der Residenz . Seit anderthalb Jahren war sie entfernt gewesen . Sie sprach von dem Grabe ihres Bruders , das sie besucht und wie von unsichtbaren Engelshänden mit den frischesten Blumen geschmückt gefunden hätte . Sie sprach von einer Unsumme von Aufträgen , die sie für Mangold und Dystra auszuführen hätte , von Einkäufen und Bestellungen aller Art. Sie erwähnte Tempelheide , wo sie schon bei den jungen Damen , auch der trauernden und weinenden Selma Rodewald , gewesen wäre . So kam sie auf Dankmar Wildungen , auf Hackert endlich und fragte Murray : Sehen Sie Hackert noch ? Besucht er Sie oft ? Ist er wohl ? Dient er noch dem abscheulichen Pax ? Friedrich Zeck kannte seines Sohnes Achtung vor diesem einzigen Mädchen . Er hätte ihr gern gesagt , daß sie einen wiedergebornen , neuen Menschen in ihm finden würde . Doch mußt ' er die Wahrheit ehren und erwidern : Sein Bestes ist ein Schimmer von Dankbarkeit . Er spricht mit Wärme von Ihnen . Louise verfiel über dies Wort in Nachdenken . Eine sichtliche Unruhe sogar suchte sie hinter Rückblicken auf die Vergangenheit zu verbergen . Sie betrachtete die Wände dieser Wohnung , in der ihr so viel Leidvolles einst begegnet war ! Wie sie sich selbst diesem alten , ihr so liebgewesenen armen Hausrathe gegenüber verändert hatte , sah sie an dem kleinen Spiegel , der auch noch von ihrer früheren Zeit geblieben . Wie warf er ihr jetzt ein so braunes sonnenverbranntes Antlitz entgegen gegen das frühere kreideweiße , stubenbleiche ! Murray rühmte ihr Aussehen und glaubte ihr den überraschendsten Eindruck versprechen zu dürfen , den sie auf Hackert machen würde , der ihn oft besuche und die Anhänglichkeit an diese alten Wände behalten hätte . Murray erzählte , was Louisen von seinem Leben werthvoll sein konnte . Über Fränzchen Heunisch war sie unterrichteter als er . Ja er erkannte sehr bald , daß irgend etwas auf ihrer Brust lag . Sie sprach wol von dem Ausbau des Tempelsteines , von den Tausenden , die Dystra an dies Wunderwerk verschwende , von den Ruinen der Tempelabtei , den Schauern des Waldes um sie her , dem hohen tannenbewachsenen Bergrücken , über den hinweg auf sich schlängelnden , nur dem Schleichhandel bekannten Wegen man in das Land des fränkischen Nachbars gelange , sie sprach von ihrem religiösen Glauben , von ihrem Verharren bei den vielverfolgten freien Gemeinden , bekämpfte hartnäckig , was der christlichere Murray darauf entgegnen wollte , aber unter Allem , was sie sagte , lag etwas verborgen , was wie der Drang eines sich gern lösenden Geheimnisses war . Endlich brach sie auf . Sie wohne in der Vorstadt , sagte sie , in einer schlechten Ausspannung , dem Pelikan auf dem Wege nach Tempelheide ... ein ehemaliger Kutscher Namens Peters hielte den jetzt auf eigne Rechnung und würde ihn vielleicht ganz kaufen ... sie müsse doch Diesen und Jenen noch besuchen ... Und Hackert ? fragte Murray . Geht er noch mit Pax , antwortete sie rasch , so sagen Sie ihm , daß ich ihn nur beklagen kann ... ich mag ihm dann nicht wieder begegnen . Dem Mädchen kostete dies entschiedene Wort so viel Kampf , daß Murray vor Bewegung , seinen von aller Welt gehaßten und verachteten Sohn doch irgendwo freundlicher gehegt zu sehen , aufwallte , ihre Hand ergriff und sie bat , doch morgen wieder zu kommen ... Würden Sie Bedenken tragen , auch mit Hackert zu sein ? fragte er in der Meinung , daß diesem Mädchen vielleicht gelänge , aus seinem Herzen die Töne zu locken , die ihm seit dem Tage , wo Karl Eisold begraben wurde , in seinem Sohne zu selten wiederkehrten . Louise besann sich ... Plötzlich wie von einem Gedanken ergriffen , sagte sie : Ich will ihn allein sehen . Morgen ! Wollen Sie ? Aber allein ! Murray erschreckend und doch überrascht von diesem Vertrauen auf seinen Sohn versprach , die nöthige Veranstaltung zu treffen ... Sie