Spänen erleuchteten Hofraums ... Die Bivouakfeuer brannten auf dem Platz vor der Kirche ... Dünste von gebratenem Speck , von Zwiebeln , von Käse ließen auf einen eben abgehaltenen reichlichen Abendimbiß schließen ... Viele der Soldaten , in Mäntel gehüllt , schnarchten schon auf ausgebreitetem Stroh unter freiem Himmel ... Diese fliegenden Corps waren in den letzten Zeiten im Silaswalde so oft gesehen worden , daß sie eigentlich niemanden besonders auffallen durften ... Nur Hubertus , schon aufs bedenklichste aufgeregt , sah neues Unheil und Scagnarello , der sich mit San-Gios Einwohnerschaft in lebhafteste Conversation versetzt hatte , schürte jetzt seine Besorgniß - denn Dom Sebastiano von Spezzano hatte allerdings kürzlich gepredigt , San-Gio müßte noch einmal untergehen wie Sodom und Gomorrha ... Den Mönchen wurde von Del Caretto ' s und Celestino Cocle ' s Regierung wenig getraut ... Ein Schweizeroffizier , welchen Hubertus in deutscher Sprache um die Ursache dieser Expedition anging , schien zwar vom Laut der Muttersprache freundlich berührt , aber Ordre hatte auch er , nichts verlauten zu lassen ... Auf den im verlassenen Pfarrhaus einquartierten Oberoffizier verweisend , mischte er sich unter die andern Offiziere , die sich mit ziemlich derben Späßen auf Kosten einer Frau unterhielten , die » der schöne Mönch wol nicht in sein Kloster entführen , sondern ihnen überlassen würde - « ... Hubertus wandte sich einem Hause zu , das hier ein Ziegenhirt ersten Ranges , ein » Rico « , ein Reicher bewohnte ... Messer Negrino hieß er ; er war ihm besonders befreundet ... Leider aber war dieser im Ruf der Ketzerei stehende erste Bürger von San-Gio nicht zu Hause ... Mit seiner Heerde war er unterwegs und vielleicht auf der Messe von Rossano ... Schon wußte ganz San-Gio , wer mit Scagnarello gekommen war ... Schon hatten sich Gruppen von alten Bekannten gebildet , welche die Schwester ihres in San-Firmiano wohnenden ehemaligen Pfarrers sehr wohl erkannten und sich zu Theilnehmern einer Verhandlung über die Frage machten , ob es gerathener wäre , daß Rosalia Mateucci noch mit ihrem Kinde dem Bruder Hubertus folgen und am Eingangsthor des Klosters unter einem Dach , das die Madonna schützte , übernachten oder in einem Bette bleiben sollte , das ihr der alte , hocherfreut sie begrüßende Meßner ihres Bruders in seinem niedrigen Häuschen anbot ... Scagnarello hatte schon den Pepe ausgespannt und mußte ihm die Streu im Freien machen , da den Stall die Soldaten eingenommen hatten ... Als weltkundiger Mann hatte er zum Bleiben gerathen ... Es schien ihm , als würde Paolo Vigo schwerlich sich ihm morgen als Rückpassagier anschließen können ... Hubertus , vom Hause Negrino ' s zurückkehrend , scherzte bei allen diesen Verhandlungen mit Jung und Alt , nahm die jetzt verdrießlich aus der Ruhe gekommene Marietta auf den Arm , gab Auskunft über seine Reise sowol dem » Sacristano « wie dem » Sindico « , welchem letztern er einige auf seine Reise übernommene Aufträge ausgerichtet hatte - aber die Soldaten , deren Absichten auch die erste Magistratsperson des Ortes nicht zu deuten wußte , beunruhigten ihn so sehr , daß er von Rosalia Mateucci für heute Abschied nahm und sofort nach San-Firmiano aufbrach , um , wie er versprach , schon beim Mitternachtgebet dem Bruder die frohe Kunde zu bringen und diesem zur Ueberlegung Zeit zu lassen , wie er am passendsten seine Schwester empfangen wollte ... Unter den Scherzen der Soldaten , die Hubertus seines Todtenkopfes wegen schon gewohnt war , verließ er den Platz und begab sich in großer Spannung nach seinem Kloster ... Der Sindico , der zugleich die Post von San-Giovanni hielt , hatte versichert , daß allerdings amtliche Briefe seit einigen Tagen für den Guardian des Klosters genug angekommen wären ... Das gab ihm Hoffnung ... Der Sindico wußte , Hubertus hatte die in San-Firmiano seit Jahren Eingekerkerten in Neapel erlösen wollen ... Zöglinge waren sie alle der seltnen Strenge dieses einfachen Mönches , Zöglinge des ihm von Frâ Federigo eingepflanzten leidlich evangelischen und aufgeklärten Geistes ... Mit seiner Fürbitte war Hubertus von Cosenza nach Neapel verwiesen worden ... Hier hatte er nur die Dominicaner verdrießlich und unfreundlich , alle andern Behörden gütig und ganz erfüllt von der ihm immer gewährten Nachsicht gefunden ... Allerdings wurde Hubertus von Rom protegirt ... Seit Jahren hatte man ihm gestattet , in Firmiano zu leben ; sogar die Untersuchung über den Tod eines Genossen des Boccheciampo war ihm erlassen worden ; man gestattete ihm all die Freiheiten , ohne welche sein unruhiges Temperament nicht leben zu können schien ... Der Sindico konnte nicht genug schildern , was ihm die angekommenen Briefe schon von Außen inhaltreich und bedeutsam erschienen wären ... Hubertus verließ San-Gio ... Einsam ging er den dunkeln Weg ... Seine aufgeregte Phantasie brachte diese Soldaten mit seiner Reise in Verbindung ... Der Erzbischof von Neapel hatte eine Menge Fragen an ihn gerichtet - vorzugsweise über Frâ Federigo ... Dem hohen Herrn war alles bekannt gewesen , was diesen Einsiedler betraf , der deutsche Ursprung desselben , seine Flucht aus einem piemontesischen Thal , seine dortige Förderung ketzerischer Bestrebungen , seine Gefangenschaft unter den Genossen Grizzifalcone ' s , dann Hubertus ' muthige Befreiung desselben ... Daß Frâ Federigo noch lebte , wußte der Erzbischof nicht minder , ja er beschrieb mit genauester Ortskenntniß ein von Bergen umschlossenes enges Thal im Silaswalde , wo jener Flüchtling unter den sogenannten Bluteichen seit vielen Jahren einsiedlerisch lebte ... » Bluteichen « hießen jene uralten Stämme aus den Tagen , wo auch in Calabrien für die evangelische Lehre Blutströme geflossen waren und Scheiterhaufen loderten ... Paolo Vigo war infolge einer Bekanntschaft mit Frâ Federigo in seinen Kanzelreden verdächtig und dem Kloster Firmiano zur Correction übergeben worden ... Allen diesen Verhältnissen hatte der Erzbischof seine volle Aufmerksamkeit geschenkt , wußte , daß Cosenzas Kirchenfürst vom Guardian zu San-Firmiano Bericht über Bericht über die Umwandlung erhielt , welche mit den unter seine Obhut gegebenen Spielern , Fluchern , Gotteslästerern vor sich gegangen war und