... ich will wünschen , daß der Empfänger dann auf freien Fuß gestellt ist ... Das könnte leicht fehlgehen . Aber Siegbert ist der älteste ... er hat die Vorhand ... Als Flüchtling ? Ich glaube nicht , daß man Jemanden , der in Untersuchung ist , eine Erbschaft auszahlt ... Das müßte Schlurck wissen ... Hackert kam auf sein Steckenpferd , das Rühmen und Preisen der Kenntnisse seines Pflegevaters ... Murray ließ ihn reden . Er wußte , daß dem Menschen nichts förderlicher ist , als sich gegenständlich zu machen . Er hatte den ganzen Entwickelungsgang seines Sohnes vor sich liegen , kannte auch seine Beziehung zur jetzigen Fürstin Hohenberg und hoffte auf Krisen , wo sich im menschlichen Gemüthe Gut und Böse in Kampf setzt und Eins ausgeschieden werden muß . Dafür , daß das schlimme Element in Hackert nicht die ausschließliche Oberherrschaft gewann , glaubte er gesichert zu sein und wär ' es nur die dazwischen tretende Anhänglichkeit des Sohnes an den Vater und die Spannung , in der er ihn über seine Mutter erhielt , die einen Wall gegen das Böse abgaben . Um diesen Wall in Vertheidigungszustand zu erhalten , mußte Zeck nur Sorge tragen , daß ihn der Sohn nicht zu sich herabzog . Denn darauf legte es Hackert an . Durch Späße , Schilderungen , Vertraulichkeiten hoffte er , die sittliche Grenzwand zwischen sich und dem Vater nicht selten niederzureißen . Aber Zeck war in einem solchen Augenblicke wie taub oder er nahm die Bibel und las so lange laut in ihr , bis Hackert erst vor unaufhörlichem Lachen darüber zum Ärger kam , dann mit dem Fuße stampfend vom Ärger zur boshaften Parodie , zuletzt zum Schweigen und , wenn der Vater doch nicht aufhörte , in aller Stille sich von seinem Zimmer entfernte ... Diesen Geistern absoluter Verneinung imponirt bekanntlich Nichts so sehr als die Konsequenz . In der That zog sich das Verfahren gegen Dankmar in die Länge . Entweder hatte man die Vorstellung eines großen Gewinnes , wenn man sich seines unternehmenden , jetzt ohnehin gereizten Wagemuthes versicherte oder man besorgte vollends , daß die Brüder , wenn sie die von ihnen erworbenen Mittel zu freier Verwaltung erhielten , dem Gemeinwesen unberechenbare Gefahren bringen würden . Die Weigerung Dankmar ' s , sich über die von ihm gestiftete » Verschwörung « auszulassen , seine absichtliche aber aufrichtige Erklärung , daß er die Mitglieder derselben nicht kenne , zogen die Verhöre in die Länge . Man fand im täglichen Volksleben immer neue Thatsachen , denen man eine Verbindung mit der großen Verschwörung zurechnete . Der Fürst von Hohenberg an sich war allen diesen Prozeduren fern . Er konnte weder gegen den Lauf der Gerechtigkeit etwas unternehmen , noch die geheimen Kanäle aller der Parteien durchkreuzen , die neben ihm im Lande mitregierten . Am Hofe , beim Adel , in der Bureaukratie gab es ein Drängen zu gewissen Zielen hin , dem er sich vergebens würde entgegengestemmt haben . Er behielt sich das Maaß von Macht vor , das für ihn in der Initiative der großen Politik lag , aber im Kleinen fand er täglich , daß auch er den Geistern , denen zu Nutzen , wenn auch nicht zu Liebe , er geredet und gehandelt hatte , sich unterordnen mußte . Er bedauerte , erzählte man , Dankmar ' s Schicksal , tadelte seine Hartnäckigkeit und fand es einstweilen ganz in der Ordnung , daß man die endlich auch vollendete und möglich gewordene Emission der Stadtkämmereischeine nicht in des Gefangenen oder seines flüchtigen Bruders Hand gab , sondern sie in der scharfbewachten Kasse des Justizamtes , das Dankmar zu verhören hatte , im Profoßhause selbst noch bis auf Weiteres aufbewahrte . Murray und Oleander sahen in den Briefen , die sie selbst empfingen oder zu befördern hatten , welchen Antheil der Bund an dem Schicksale seines Stifters nahm . Was sie von dem Generalpächter Rodewald , von Dystra an Klagen und Beileidsbezeugungen empfingen , waren Beweise persönlichsten Antheils . Murray erfuhr von Rodewald im Laufe des Winters , daß ihm Fürst Egon zum Dank für die so umfassend angeordnete Wiederherstellung seines Kredits durch die unverhohlene Absicht lohne , sich aller seiner Güter zu entäußern ! Seine Bemühungen , die zehn Jahre lang allerdings an sich nicht gestört werden durften , sollten durch einen Verkauf zum Nutzen irgend eines Andern , wahrscheinlich des Bankiers von Reichmeyer , ein für alle Mal abgeschnitten werden ! ... Oleander ' n schrieben Siegbert , Louis Armand , Leidenfrost unausgesetzt . Dankmar ' s versuchte Befreiung war eigentlich eine Bewähr der gegenseitigen Hülfe , die in den Satzungen der Ritter vom Geiste gefordert war . Gelbsattel , Voland , die Wundergläubigen oder Wunderbedürftigen , die Sternenseher am Tage , die Eulen im Sonnenglanz warteten auf diese Befreiung des neuen Propheten wie einst die Juden auf die Wunder des Heilandes . Sie wollten Zeichen sehen , ehe sie glaubten . Aber man kam dem Wunder darum doch nicht entgegen , man mehrte die Zahl der Riegel und Schlösser , man wollte wol , wie einst Egon am Hofe über Voland ' s Koketterie des Stillstandes mit der Bewegung bitterlächelnd sagte , man wollte wol » der Zauberkünste stärkste Proben . « Endlich , als Murray die Vollendung seiner Platten durch den gelungensten Druck gekrönt sah , als man in den Schränken der Gerichtskasse auf dem Profoßamte sie niederlegte und er von seinem Sohne des Spottes genug über den Magierstab eines Bosco , den er nun dem Gefangenen wünsche , hören mußte , war ihm , als merkte er hier und da die Annäherung eines endlichen Versuches , Dankmar Wildungen die ihm so hartnäckig vorenthaltene Freiheit wiederzugeben . Friedrich Zeck war erstaunt , eines Tages in seiner Wohnung einen unerwarteten Besuch zu finden . Es war im Monat Mai . Er glaubte zu träumen , als er auf derselben Galerie , auf die er sich , wie sonst , an dem glatten Stricke » hinaufleierte «